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Vatikan überdenkt das Zölibat — Verheiratete sollen Priester werden dürfen

Der Vatikan diskutiert derzeit darüber, ob sexuell aktive Männer künftig priesterliche Aufgaben ausführen dürfen. Das freut progressive Katholiken in der Schweiz. Sie fordern eine Verknüpfung mit der Frauenfrage — die andere Seite fürchtet eben das.
Daniel Fuchs
Verheiratete Priester als Teil einer progressiven Kahtolischen Kirche? (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Verheiratete Priester als Teil einer progressiven Kahtolischen Kirche? (Symbolbild) (Bild: Keystone)

In Rom beten und diskutieren Bischöfe über das Amazonas-Gebiet. Die Diskussion dreht sich um den Schutz des Regenwalds und den Schutz der katholischen Kirche. Denn die Bischöfe aus der Region sind besorgt, weil sich mehr und mehr Gläubige von der Kirche abwenden.

Den Grund sehen sie in einem sich zuspitzenden Personalmangel. In manchen der abgelegenen Gebiete erhalten die Menschen nur noch alle paar Monate Besuch von einem Priester. Somit leidet die geistliche Grundversorgung. Das Abendmahl etwa kann nur ein Priester feiern.

Um Gegensteuer zu geben, sollen nun Viri probati, «ehrenwerte Männer» in den abgelegenen Gebieten die Aufgaben der fehlenden Priester übernehmen. Sie sind verheiratet, leben also nicht im Zölibat. Ein Entscheid ist noch nicht gefallen. In Rom halten die Diskussionen über die Zulassung von sexuell aktiven Männern zu priesterlichen Aufgaben an.

Bischof von Basel: Sexuelle Enthaltsamkeit ist kein zwingendes Kriterium

In der Schweiz indes schicken Katholikinnen und Katholiken Stossgebete nach Rom. Die einen erhoffen sich endlich Folgen durch die Diskussionen in Rom, sehen in der angestrebten Aufweichung des Zölibats den Anfang vom Ende dieses Zwangs und erhoffen sich Reformen. Die andere Seite fürchtet eben das.

Zu den reformorientierten Bischöfen gehört auch Felix Gmür, Bischof von Basel. Auf Anfrage dieser Zeitung schreibt er:

«Ich begrüsse in jedem Fall die vertieften Diskussionen um die Priesterweihe für bewährte Männer in Amazonien.»

Auch wenn Gmür nicht die Abschaffung des Zölibats fordert, hat er doch mehrfach öffentlich betont, dass er sich verheiratete Priester vorstellen könne.

Interpretieren lässt sich das so: Für Bischof Gmür ist sexuelle Enthaltsamkeit kein zwingendes Kriterium, um zum Priester geweiht zu werden. Gmür geht es jedoch nicht bloss um Männer. «Drei Viertel der Seelsorgenden in Amazonien sind Frauen. Ohne sie wäre die Kirche dort kaum mehr möglich», schreibt er. Diskussionen rund um die Zugänge zum Priesteramt hält Gmür also für wichtig.

Wäre heikel, würde man Frauen aussen vor lassen

Gmürs Zurückhaltung erklärt sich auch mit dem Umstand, dass er als Präsident der Schweizer Bischofskonferenz amtet. Politisch wäre es wohl heikel in der Schweiz, man würde Frauen weiterhin aussen vor lassen, das Priesteramt aber für verheiratete Männer öffnen.

Ein Sprecher von Gmür betont gegenüber dieser Zeitung mit Blick auf die Schweiz, die Frauenfrage, das Zölibat und andere Fragen der Kirchenentwicklung würden derzeit innerhalb der Schweizer Bischofskonferenz diskutiert. In eine ähnliche reformorientierte Richtung zielen frühere Aussagen des St. Galler Bischofs Markus Büchel.

Verfechter des Zölibats sehen das freilich anders. Fragen an das konservative Bistum Chur wollte der zuständige Sprecher nicht beantworten. Das sei Sache der Bischofskonferenz. Diese thematische Enthaltsamkeit passt zur offiziellen Haltung des Churer Bistums, das Diskussionen über eine Modernisierung für überflüssig hält. Die Leitung ortet eine generelle Glaubenskrise, die alle Konfessionen betreffe.

Mit Reformen wie der Abschaffung des Zölibats oder der Zulassung von Frauen lasse sich das nicht ändern, heisst es in einem kürzlich publizierten Papier. Als Beweis dient dem Bistum die reformierte Kirche, die in einer ähnlichen Krise stecke. Und schliesslich kein Zölibat kenne.

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