Verbindung ins Tessin wird sicherer

Kari Kälin, Leiter Ressort Schweiz, über das Ja zum zweiten Gotthard-Strassentunnel

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Kari Kälin, Ressortleiter Schweiz, Luzerner Zeitung. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Kari Kälin, Ressortleiter Schweiz, Luzerner Zeitung. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Ein Spaziergang war das nicht. Neben links- grünen Parteien, Alpenschützern und besorgten Ärzten kämpfte auch ein bürgerliches Komitee mit dem ­Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber als Galionsfigur gegen einen zweiten Gotthard-Strassentunnel. Im Kanton Tessin, den die Befürworter mit einem Ja von der Abkoppelung der Restschweiz schützen wollten, schalteten sich gegen Ende der Abstimmungskampagne immer mehr prominente Gegner in den Abstimmungskampf ein.

Das Volk hat den Bau einer zweiten Röhre dennoch deutlich angenommen, obwohl diese Sanierungsvariante rund eine Milliarde Franken mehr kostet als die Alternative mit Verladestationen für Lastwagen und Autos.

Für die Zustimmung gibt es gute Gründe. Mit Tunnel ohne Gegenverkehr verschwindet das Risiko von Frontalzusammenstössen. Das Ja garantiert auch eine permanente Strassenverbindung zum Kanton Tessin. Es ist kein Zufall, dass dort die Zustimmung gerade in der Leventina, die auf eine funktionierende Nord-Süd-Verbindung angewiesen ist, sehr deutlich ausfiel. Schliesslich steht mit einer zweiten Röhre eine ein­fache verkehrstechnische Lösung bei kommenden Renovationen zur Verfügung, während der Kanton Uri kein Land für Ver­lade­stationen hergeben muss. Das mag ein Grund sein, wes­halb die Urner Bevölkerung nach mehrmaliger Ablehnung einer zweiten Röhre ins Befürworter-Lager gewechselt hat.

Und die Furcht vor der Gefahr für die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene und dem geritzten Alpenschutz? Diese Argumente stachen nicht. Der Grund liegt auf der Hand: Diese Punkte standen entgegen den Beschwörungen der Gegner gar nicht zur Disposition. Der Anteil des Güterverkehrs auf der Schiene nimmt heute schon zu; der neue Gotthard-Basistunnel dürfte diesen Trend verstärken. Der Alpenschutz wird respektiert, indem in beide Richtungen nur je eine Spur geöffnet wird. Falls dies unsere Enkel ändern möchten, braucht es eine neue Volksabstimmung.