Bienensterben
Verbot von Insektiziden würde massive Ernte-Einbussen nach sich ziehen

Die Diskussion über das Verbot von Insektiziden, die gerade für die Gesundheit der Bienen gefährlich sein können, treibt nicht nur die Hersteller der Wirkstoffe um. Ein Verbot würde auch viele Landwirte treffen. Das Ausmass des Schadens ist aber nur schwer abzuschätzen.

Anna Wanner
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Besser als künstlich bei Pixar: Die Bienen in Markus Imhoofs «More Than Honey»

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Genaue Mengenangaben über den Einsatz der umstrittenen Neonicotinoide (Thiametoxam, Clothianidin, Imidacloprid) in der Schweiz gibt es nicht. Das hängt laut Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) damit zusammen, dass die drei Wirkstoffe nicht in reiner Form, sondern nur als gebeiztes Saatgut gekauft werden können. «Wir führen aber keine Statistik über den Verkauf von gebeiztem Saatgut», sagt Olivier Félix, Leiter Fachbereich Pflanzenschutzmittel beim BLW.

Zahlen werden zurückgehalten

Das hängt auch damit zusammen, dass sich die Herstellerfirmen nur ungern in die Bücher blicken lassen. Dennoch warnen sie vor Umsatzeinbussen und Verlust von Arbeitsplätzen - und nicht zuletzt vor massiven Ernte-Einbussen. Über die Absatzzahlen von Pflanzenschutzmitteln, die das Nervengift Neonicotinoid enthalten, schweigen die Chemiekonzerne Syngenta und Bayer lieber. Wie die Sprecher beider Firmen sagen, gibt es «wettbewerbstechnische Gründe», dass keine konkreten Zahlen veröffentlicht werden.

90 Prozent des Raps vergiftet?

Nicht nur Chemiekonzerne halten mit Angaben über den Verbrauch von Neonicotinoiden zurück: Auch das BLW teilt sein Wissen nur brockenweise mit. Zunächst hiess es, die Bauern müssten zwar Buch führen über jeden Einsatz von Pestiziden. Doch das BLW sammle diese Daten nicht. Nun stellt sich heraus, dass zumindest Schätzungen gemacht werden. Und diese zeigen das Ausmass deutlich. Das BWL geht davon aus, dass 90 Prozent des Raps mit jenem Saatgut angepflanzt wurde, das mit dem umstrittenen Insektizid gebeizt wurde. Bei den Zuckerrüben ist das Insektizid noch stärker verbreitet: 95 Prozent der Zuckerrüben tragen das Neonicotinoid in sich. Bei Mais und Getreide sind laut BLW rund fünf bis zehn Prozent des schweizweiten Anbaus betroffen.

Hin zum biologischen Landbau

Für die Landwirtschaft bedeutete ein Verbot einen grossen Umbruch. Darum gehen Insider davon aus, dass das Gift nicht aus dem Verkehr gezogen wird. Der Schweizerische Bauernverband versucht denn auch zu beruhigen: Es würden nur kleine Dosierungen vom Nervengift in die Natur gelangen, weil dieses in der Saatgutbeizung sparsam eingesetzt werde. Betroffen von mit Neonicotinoiden gebeiztem Saatgut sind aber rund 38 000 Hektaren Land - die Fläche des Genfersees.

Geringe Dosen führen zum Tod

Gemäss BLW haben die Wirkstoffe im Boden eine Halbwertszeit von 120 Tagen. Und Tests der ausgewachsenen Pflanze sollen ergeben haben, dass die Rückstände von Giftstoffen «nur sehr gering bis nicht nachweisbar» seien. Peter Neumann, Professor für Bienengesundheit an der Universität Bern, sagt aber, dass schon geringe Dosen des Insektizids den Bienen Schaden zufügen und bis zum Tod führen könne.

Nationalratspräsidentin Maya Graf spricht von «Giftpflanzen» und will die Insektizide darum verbieten. Die grüne Baselbieterin erklärt: «Bei gebeiztem Saatgut wird die Pflanze selber giftig. So verteidigt sie sich gegen Schädlinge, aber auch Nutztiere wie Bienen können an ihr knabbern und sterben.» Daher sei gebeiztes Saatgut in der Schweiz zu verbieten.