Verdoppelung innert zehn Jahren:
Anzeigen wegen Beschimpfungen sind stark gestiegen

Über 11'500 Personen wurden im vergangenen Jahr wegen Beschimpfungen angezeigt. Das ist neuer Rekord.

Maja Briner
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Online gibt es viel zu entdecken - aber auch viel Hass.

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Andreypopov , / www.imago-images.de

Wer beschimpft wird, kann eine Strafanzeige einreichen. Und das tun in der Schweiz immer mehr: Die Zahl der Verzeigungen wegen Beschimpfungen hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre verdoppelt. 2019 gingen deswegen über 11500 Anzeigen ein, wie aus der polizeilichen Kriminalstatistik des Bundes hervorgeht. 2009 waren es noch weniger als 6000 gewesen (siehe Grafik). Auch die Zahl der Verurteilungen hat sich in dieser Zeit verdoppelt. Knapp 3900 Personen wurden 2019 wegen Beschimpfung verurteilt. Ungefähr jede dritte Anzeige führt zu einer Verurteilung.

Ebenfalls stark gestiegen sind im letzten Jahrzehnt die Anzeigen wegen anderer Ehrverletzungsdelikte, wenn auch auf tieferem Niveau: Beim Tatbestand der Verleumdung kam es innert zehn Jahren zu einer Verdoppelung; bei der üblen Nachrede kletterte die Zahl ebenfalls deutlich nach oben. Zuletzt wurde dieser Trend aber gebrochen: Die Menge an Anzeigen blieb stabil oder sank gar leicht – dies im Unterschied zu den Beschimpfungen, wo die Kurve nach wie vor steigt.

Die höhere Anzahl an Anzeigen bedeutet indes nicht unbedingt, dass es tatsächlich mehr Beschimpfungen gibt. Es kann auch sein, dass sich mehr Personen für eine Anzeige entscheiden, zum Beispiel, weil das Thema präsenter ist, etwa wegen des Vereins «Netzcourage», der gegen Hass im Internet ankämpft.

Cybermobbing unter Jugendlichen verbreitet

Wie viele Verzeigungen es wegen Ehrverletzungsdelikten im Internet gibt, ist unbekannt. Einen Hinweis darauf, wie häufig Beschimpfungen und Mobbing online sind, liefert die sogenannte James-Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, welche den Umgang von Jugendlichen mit Medien untersucht. In der neusten Ausgabe von 2018 gaben 23 Prozent der Jugendlichen an, bereits erlebt zu haben, dass jemand sie im Internet fertigmachen wollte. 2012 hatte der Wert noch bei 17 Prozent gelegen.



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