VERGLEICH: Ein Bankenwechsel kann sich lohnen

Viele Kunden erhalten auf ihrem Konto kaum noch Zinsen, und die Gebühren steigen stetig. Doch die wenigsten wechseln zu einer anderen Bank. Dabei könnte so oft gespart werden.

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Jede Bank hat ihre eigenen Konditionen – eine Frau bezieht Geld an einem Bankomaten in Zürich. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Jede Bank hat ihre eigenen Konditionen – eine Frau bezieht Geld an einem Bankomaten in Zürich. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Livio Brandenberg

Weil die Schweizerische Nationalbank (SNB) vor knapp einem Jahr Negativzinsen auf ihre Girokonten eingeführt hat, sind die Banken unter Druck. Das zeigt sich unter anderem bei den Zinsen auf Privatkonten. Keine Schweizer Bank bietet aktuell einen Zinssatz auf Sparkonten von über 0,3 Prozent. Bei den Privatkonten für den alltäglichen Gebrauch sind die Zinsen durchs Band noch tiefer.

Ohnehin sind bei den Privatkonten die anfallenden Gebühren, die die Banken weitergeben, entscheidender als die Höhe des Zinssatzes. Die grossen Beträge haben die Kunden – wenn überhaupt – auf den Sparkonten parkiert.

Kosten sind unübersichtlich

Während aber jedes Jahr im Herbst – je nach Prämienentwicklung – bis zu 13 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer einen Wechsel ihrer Krankenkasse vornehmen, bleiben die allermeisten träge, wenn es darum geht, ihrer Bank den Rücken zuzukehren. Wie viele es genau sind, sei schwierig zu eruieren, sagt Beni Manz, CEO des Finanz-Vergleichsdienstes Moneyland.ch. Er schätzt aber, dass die Zahl deutlich unter 4 Prozent liegt.

Dabei ist ein Bankenwechsel nicht enorm aufwendig. Warum bleiben die Leute also? Laut Beni Manz gibt es vier Gründe: «Erstens ist es eine Eigenart der Schweizer, nicht allzu wechselfreudig zu sein. Das liegt wohl daran, dass es uns nach wie vor ziemlich gut geht. Man sieht das auch am Umstand, dass die Schweizer nicht die grössten Sparfüchse sind, nicht wie etwa in Deutschland, wo mehr gespart wird», so Manz.

Der zweite Grund ist laut Manz, dass es aufwendiger ist, sein Privatkonto beziehungsweise seine Bank zu wechseln als die Krankenkasse. Ein Konto zu saldieren, also aufzulösen, sei nicht so mühsam, sagt Manz. «Aber oft haben Bankkunden noch Lastschriftverfahren oder Daueraufträge auf ihren Konten eingerichtet, beispielsweise zahlen sie die Miete direkt, oder sie haben noch Kreditkarten an das Konto angebunden. Individuell fallen also bei vielen Kunden zusätzliche administrative Aufwände an», sagt der Experte. Das könne die Kunden zum Bleiben bewegen.

Einen weiteren Grund für die Wechselträgheit ortet Beni Manz beim Unwissen der Schweizer Bankkunden: «Viele wissen gar nicht genau, dass zum Teil noch versteckte Kosten anfallen bei ihrem Konto.» «Versteckt» insofern, als etwa Umrechnungskosten für Fremdwährungszahlungen zwar ausgewiesen, aber nicht für das Jahr ausgerechnet und angegeben würden, so der Moneyland-Geschäftsführer. Das Gleiche gelte für Zahlungsverkehrsgebühren. «Es geht also um die Gesamtheit der Kosten pro Jahr, die deutlich weniger übersichtlich ist als etwa bei Krankenkassenprämien», fasst Manz zusammen. Dort sind es jeweils ein oder zwei Beträge, die es zu vergleichen gilt.

Zu erwähnen ist bei diesem Punkt, dass es für Banken oft schwierig ist, einen einzelnen Kostenbetrag anzugeben, da ihre Angebote meist komplexer sind als jene der Krankenkassen.

Bonus bei Bankpaketen

Der vierte und letzte Grund: «Schweizer Banken haben in den letzten Jahren analog zur Telekomindustrie vermehrt ‹Bundling›-Angebote eingeführt. Bei diesen Bankpaketen sind die Dienstleistungen nur als Kombilösungen erhältlich», erklärt Beni Manz. Bankpakete umfassen in der Regel neben Privat- und Sparkonto auch Kreditkarten und Bonusdienstleistungen. «Die Banken gestalten diese Pakete jeweils so, dass sie günstiger sind als die Kombination der Einzeldienstleistungen», so der Experte. Das ist für viele Anreiz genug, bei ihrer Bank zu bleiben.

Ganz allgemein komme es aber auch auf die Nähe des Kunden zur Bank, also den Standort der Filialen, an, so Manz. «Denn wenn ich in der Zentralschweiz wohne, wechsle ich kaum wegen 50 Franken Preisvorteil zur Appenzeller Kantonalbank», sagt er.

Das wird sich jedoch bald ändern: Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma will eine neue Regelung, die Video- und Online-Identifizierung erlaubt und damit eine Kontoeröffnung ohne den Gang in die Filiale möglich macht. Ein entsprechendes Rundschreiben der Finma ist zurzeit in der Anhörung, die noch bis Ende nächster Woche dauert. «Ich bin überzeugt, dass dieser Schritt kommt, die Frage ist nur wann», sagt Moneyland-CEO Manz. Das sei auch bei den Banken ein grosses Thema zurzeit.

Unterschiede sind beträchtlich

Worauf achten die Leute denn beim Vergleich von Privatkonten? Manz: «Am meisten achten die Kunden auf die Kontoführungsgebühr. Alle anderen Kosten werden nur am Rande beachtet.» Allenfalls spielten noch Bonusprogramme eine Rolle, doch nur wenige Kunden würden selbstständig alle anfallenden Gebühren nachrechnen, so der Finanzexperte. «Der Aufwand ist für die meisten zu gross.»

Die Kosten für die Kontoführung ausrechnen kann man mit Moneyland.ch. Der Vergleichsdienst ermöglicht anhand einiger weniger Angaben – wie etwa Alter und Betrag, der auf dem Konto liegt – eine Aufstellung der Kosten, die für ein Konto anfallen. Und der Vergleich zeigt: Die Unterschiede sind beträchtlich (siehe Grafik).

Nimmt man als Beispiel das Privatkonto eines 35-jährigen Durchschnittsnutzers, auf dem 10 000 Franken liegen, so unterscheiden sich die jährlichen Netto-Kosten (also minus die erhaltenen Zinsen) um bis zu 176.65 Franken. Ein Durchschnittsnutzer nutzt sein Privatkonto und seine Bankkarte gemäss Definition von Moneyland «ab und zu im In- und Ausland». Das günstigste Privatkonto bietet laut der Aufstellung die Postfinance an. Es kostet 116.50 Franken im Jahr. Am meisten für das Konto muss ein Kunde der Tessiner Kantonalbank hinblättern: 292.15 Franken jährlich.

Beim Vergleich gilt es laut Beni Manz allerdings zu beachten, dass «je nach Nutzerprofil – dazu gehört auch der Geldbetrag bei der Bank – die Kosten der Banken markant variieren können». Es gebe keine Bank, die für alle Kundenprofile die günstigste Lösung biete. Ein Vergleich müsse deshalb immer individuell angegangen werden, so Manz.

Quelle: moneyland.ch, Stand: 8.1.2016. (Bild: Grafik: Lea Siegwart / Neue LZ)

Quelle: moneyland.ch, Stand: 8.1.2016. (Bild: Grafik: Lea Siegwart / Neue LZ)

Quelle: moneyland.ch, Stand: 8.1.2016. (Bild: Grafik: Lea Siegwart / Neue LZ)

Quelle: moneyland.ch, Stand: 8.1.2016. (Bild: Grafik: Lea Siegwart / Neue LZ)

Quelle: moneyland.ch, Stand: 8.1.2016. (Bild: Grafik: Lea Siegwart / Neue LZ)

Quelle: moneyland.ch, Stand: 8.1.2016. (Bild: Grafik: Lea Siegwart / Neue LZ)