Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VERKEHR: Fussgänger fordern Trottoir zurück

Auf Trottoirs sollen Velos und andere Fahrzeuge nichts zu suchen haben. Mit einer Petition wollen Fussgänger-, Behinderten- und Seniorenlobby Druck aufbauen.
Fabian Fellmann
Mit der Petition «Rettet das Trottoir» sollen sich Fussgänger und Velofahrer weniger ins Gehege kommen. (Symbolbild: Gaëtan Bally/Keystone)

Mit der Petition «Rettet das Trottoir» sollen sich Fussgänger und Velofahrer weniger ins Gehege kommen. (Symbolbild: Gaëtan Bally/Keystone)

Fabian Fellmann

Nun kommt die politische ­Diskussion über die Sicherheit von Velofahrern ins Rollen: Am 23. September steht die Abstimmung an über einen neuen Veloartikel in der Bundesverfassung. Der Bund soll damit den Auftrag erhalten, sich für Velowege einzusetzen und Grundsätze dafür festzulegen. Bisher ist das Sache der Kantone.

Nun fordern die Fussgänger, dass dabei ihre Anliegen nicht vergessen gehen. Sie haben die Petition «Rettet das Trottoir» lanciert. Unterstützt wird die Unterschriftensammlung von einer Allianz aus vier Fussgänger-, Umwelt-, Behinderten- und Seniorenorganisationen.

Anführer der Gruppe ist Thomas Hardegger, Präsident von Fussverkehr Schweiz. «In schwierigen Situationen und bei engen Platzverhältnissen verlegen die Planer oft den Veloverkehr auf das Trottoir», sagt der Zürcher SP-Nationalrat. «Dabei zählt die Schweiz immer mehr ältere Bewohner, die das Trottoir für ihre Sicherheit brauchen.»

Separate Wege und Spuren

Konflikte wegen gemischter Geh- und Radwege gibt es vielerorts in der Schweiz, denn der Veloverkehr nimmt vor allem in den Städten rasant zu. Seit dieser Woche etwa hat die Stadt Zürich in der Langstrassen­unterführung einen Testbetrieb eingerichtet, um den Platz für Fussgänger und Zweiräder klar voneinander zu trennen. «Die unklaren Regelungen sind Gift», sagt Hard­egger. «Velofahrer verlieren damit das Bewusstsein dafür, dass das Velo nicht aufs Trottoir gehört.»

Darum verlangt die Fussgänger-Lobby, dass sie innerorts stets eigene Wege zur Verfügung hat. Die Petition richte sich nicht gegen Velofahrer, sagt Hard­egger. Fussverkehr Schweiz gehört sogar zu den Mitinitianten der Velo-Initiative, welche den Anstoss für den Velo-Artikel gab. Für Velos müssten bessere, separate Wege und Spuren gebaut werden.

Dies unterstützt auch der ­Berner SP-Nationalrat Matthias ­Aebischer, Präsident von Pro Velo Schweiz: «Wir wollen möglichst keinen Mischverkehr, sondern gute und sichere Wege für Fussgänger wie für Velos. Aber das braucht bauliche Massnahmen.» Mehr Mühe hat Aebischer mit einer weiteren Forderung der Petition: Velofahrer sollen auf Trottoirs generell nichts mehr zu suchen haben – ausser Kinder bis 8 Jahre. Aebischer, Vater dreier Kinder, wünscht sich eine höhere Altersgrenze. Heute dürfen Kinder nur im Vorschulalter mit dem Zweirad auf Fussgängerflächen. Das Bundesamt für Strassen (Astra) schlägt nun vor, auch Primarschülern das Velofahren auf dem Trottoir zu erlauben, sofern kein Veloweg oder -streifen zur Verfügung steht. Das betrifft Kinder bis 10 oder 12 Altersjahre, wie Astra-Sprecher Thomas Rohrbach sagt.

Für SP-Nationalrat Thomas Hard­egger geht der Vorschlag in die falsche Richtung. Er vermittle eine Scheinsicherheit für Kinder, denn hiesige Trottoirs seien zu schmal und gefährlich fürs Velo. Auch würden Fussgänger darunter leiden, sagt Hardegger: «Wenn eine Horde Mittelstufenschüler übers Trottoir blocht, ist das gefährlich.» Kinder sollen darum vielmehr sichere Velorouten für den Schulweg erhalten.

Eigentlich wollte der Bundesrat vor den Sommerferien über die neue Schulkinder-Regel entscheiden und sie in die Vernehmlassung schicken, zusammen mit weiteren Neuerungen wie einer Lockerung des Verbots des Rechts-Vorbeifahrens auf mehrspurigen Strassen. Vergangene Woche aber wurde das Geschäft bis Oktober aufgeschoben – und damit auf einen Termin nach der Abstimmung über den Velo-Artikel in der Bundesverfassung.

SVP befürchtet unnötige und teure Velo-Lösungen

Im Parlament hat sich einzig die SVP gegen den Verfassungszusatz ausgesprochen. Ob sie vor der Abstimmung eine Kampagne dagegen führen wird, hat sie noch nicht entschieden. Der Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann sagt, er kämpfe nicht gegen bessere Velowege. Doch sei dies Sache der Kantone und der Gemeinden. «Mischt sich der Bund ein, steigt nur die Gefahr, dass unnötige und zu teure Velowege gebaut werden», sagt Wobmann.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.