VERKEHR: Mehr SMS-Schreiber erwischt

Ablenkung durch das Smartphone ist eine weit verbreitete Unsitte im Strassenverkehr. Im letzten Jahr mussten deswegen 1693 Autofahrer den Führerausweis abgeben – eine deutliche Zunahme.

Kari Kälin
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Ein Autofahrer verlässt sich beim Wegfinden auf sein Smartphone. Symbolbild. (Bild: Remo Nägeli  (Luzern, 18. September 2009))

Ein Autofahrer verlässt sich beim Wegfinden auf sein Smartphone. Symbolbild. (Bild: Remo Nägeli (Luzern, 18. September 2009))

Kari Kälin

Nur noch rasch die Mails checken, ein SMS schreiben oder ein bisschen auf dem Smartphone herumtippen: Wer das am Steuer eines Fahrzeuges tut, handelt brandgefährlich. Im Jahr 2015 starben auf Schweizer Strassen 97 Menschen, weil Lenker abgelenkt oder unaufmerksam waren. 940 Personen wurden schwer verletzt.

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) ist besorgt. «Es gibt eine ganze Reihe von Ablenkungsmöglichkeiten. Am schlimmsten ist aber das Text-Messaging», sagt BfU-Sprecher Nicolas Kessler. Neue Zahlen des Bundesamtes für Strassen (Astra) zeigen aber: Die Polizei erwischt immer mehr Smartphone-Sünder. Im letzten Jahr mussten 1693 Lenker ihren Fahrausweis wegen Ablenkung abgeben, das entspricht einer Zunahme um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die BfU freut sich «grundsätzlich» über diese Entwicklung, wie Kessler sagt: «Das ist ein Hinweis darauf, dass die Polizei in diesem Bereich aktiver geworden ist.»

Abgelenkt sein kann man auch durch Essen oder wegen des Navigationsgerätes, am häufigsten aber erfolgt der Ausweisentzug wegen des Schreibens von SMS und dergleichen. 1225 Personen mussten das «Billett» letztes Jahr aus diesem Grund für einen Monat abgeben, acht Lenker länger als für ein Jahr, 97 sogar auf unbefristete Zeit. Grundsätzlich gilt: Je schwerwiegender das Vergehen und je ärger das Vorleben im Strassenverkehr, desto höher fällt die Strafe aus.

Doch wie stark muss man mit dem Handy oder Smartphone beschäftigt sein, damit man auf das Velo oder den öffentlichen Verkehr umsteigen muss? «Wir beurteilen jeden Fall individuell», sagt Christof Zeller, Leiter Administrativmassnahmen beim Strassenverkehrsamt des Kantons Luzern. Konkret geht es um das individuelle Verschulden. Wenn jemand neben der Ablenkung durch das Smartphone, durch Essen etc. keine weitere Gefährdung hervorgerufen habe, dann könne das Verhalten in der Regel als leichte Widerhandlung qualifiziert werden, sagt Zeller. Falls ein solcher Lenker sich im Strassenverkehr bisher tadellos verhielt, kommt er in der Regel mit einer Verwarnung davon. Wer bereits etwas auf dem Kerbholz hat, ist seinen Ausweis los. Bei mittelschweren und schweren Widerhandlungen gegen die Verkehrsregeln verliert man die Fahrberechtigung auf jeden Fall.

Grobe Verletzung der Verkehrsregeln

Ein Blick auf ein Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 2009 zeigt, was unter einer groben Verkehrsregelverletzung zu verstehen ist. Ein Zürcher Autofahrer schrieb nachts ein SMS, kam in einer Linkskurve von der Strasse ab, kollidierte mit einem Zaun am Strassenrand und mähte fünf Holzzaunpfähle um. Das Zürcher Obergericht büsste ihn zu Recht wegen grober und nicht einfacher Verkehrsregelverletzung. Das hielten die Richter in Lausanne fest. Sie argumentierten, der Autofahrer hätte trotz guter Sicht bei Nacht einen Zusammenstoss nicht verhindern können, falls sich zu diesem Zeitpunkt zum Beispiel ein Velofahrer auf dem entsprechenden Strassenabschnitt befunden hätte. «Eine erhöhte abstrakte Gefährdung und damit eine ernstliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer ist zu bejahen», hielt das Bundesgericht fest.

Die BfU hat diverse Kampagnen lanciert, um das Übel mit den Smartphones zu bekämpfen. Derzeit läuft eine Aktion bei Unternehmen, die ihre Angestellten sensibilisieren sollen, am Steuer die Hände vom Handy zu lassen. Nicolas Kessler rät, im Verkehr sämtliche ablenkenden Aktivitäten zu unterlassen. Und wenn jemand dringend ein SMS schreiben müsse, soll er an einem sicheren Ort anhalten und das in Ruhe erledigen.