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VERKEHR: Nachtzüge vor dem endgültigen Aus

Auf Ende 2016 wird die Deutsche Bahn ihr klassisches Nachtzug-Angebot einstellen. Das hat Auswirkungen auf die Schweiz. Oder springen die ÖBB in die Bresche?
Gerhard Lob
Solche Szenen wird es künftig nicht mehr geben: Passagiere steigen in Berlin in einen Nachtzug ein. (Bild: Imago/Rüdiger Wölk)

Solche Szenen wird es künftig nicht mehr geben: Passagiere steigen in Berlin in einen Nachtzug ein. (Bild: Imago/Rüdiger Wölk)

Seit Jahren schmilzt das Angebot an Nachtzügen im europäischen Bahnverkehr. Nun droht selbst den wenigen verbliebenen Verbindungen mit Schlaf- und Liegewagen das Aus. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn (DB) hat diese Woche ein Konzeptpapier zur Kenntnis genommen, dass die Überführung des klassischen Nachtzugverkehrs in ein neues Nachtreise-Angebot vorsieht.

Entscheidend ist dabei ein Satz aus der Berliner DB-Zentrale: «Eine Weiterführung des klassischen Nachtzugs auf der Schiene durch die DB ist nicht vorgesehen.» Im Rahmen des neuen Nachtreisekonzeptes ist geplant, die Anzahl an Nacht-ICE – nur mit Sitzplätzen – zu erhöhen. Auf grenzüberschreitenden Verbindungen in das europäische Ausland soll das Angebot an Nacht-ICE zudem durch IC-Busse der DB ergänzt werden. Das Motto lautet «Strasse statt Schiene».

Ein Hoffnungsschimmer bleibt

Wenn sich die DB aus dem Nachtzuggeschäft mit ihrer Marke City Night Line (CNL) zurückzieht, betrifft dies ganz direkt die Verbindungen von Zürich nach Amsterdam, Hamburg, Berlin, Dresden und Prag. Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber noch. Vielleicht übernehmen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) das Geschäft. Die DB hat Verhandlungen mit den ÖBB aufgenommen.

Im Gegensatz zur DB beurteilen die Österreicher das Angebot mit Nachtzügen positiv. «Wir glauben, dass Nachtzüge – auch wenn es sich um eine Marktnische handelt – zu unserem Angebot dazugehören sollten, und wissen, dass dieses Produkt bei manchen Bahnfahrern besonders beliebt ist», sagt ÖBB-Sprecher Michael Braun. Der von den ÖBB betriebene Nachtreisezug von Zürich nach Wien («Wiener Walzer») steht daher auch überhaupt nicht zur Diskussion.

Veraltetes Rollmaterial

Bei der DB regieren hingegen die nackten Zahlen. Und diese sind wenig erbaulich. «Allein im Jahr 2015 wird das Nachtzuggeschäft bei einem voraussichtlichen Ertrag von rund 90 Millionen Euro (100 Millionen Franken) insgesamt einen Verlust von rund 32 Millionen Euro erwirtschaften», teilt eine DB-Sprecherin auf Anfrage mit. Die 1,3 Millionen Nachtzugreisenden pro Jahr entsprechen lediglich rund einem Prozent der Gesamtzahl der Reisenden im Tagesverkehr. Zudem ist das Rollmaterial veraltet. Und auch die Konkurrenz von Billigfliegern und privaten Fernbussen macht sich bemerkbar.

Das Nachtzugangebot aus der Schweiz hat sich über die Jahre immer mehr verschlechtert. Die SBB haben sich schon vor Jahren aus diesem Geschäft zurückgezogen. 2003 kam Bern–Brüssel unter die Räder, die Nachtzüge nach Italien (Rom) wurden im Dezember 2009 eingestellt. Im Dezember 2012 verkehrte der letzte Nachtzug von Zürich nach Barcelona. Ein Jahr später sah man in Basel letztmals den Kurswagen Basel–Moskau, im Dezember 2014 musste die CNL-Verbindung nach Kopenhagen dran glauben.

Trotz dieser eindeutigen Tendenz kämpft der Verein Umverkehr vehement für eine Aufrechterhaltung der Nachtzüge. Auch diese Woche standen Aktivisten vor der SBB-Zentrale in Bern-Wankdorf. Und Ende September reichte der Verein die von mehr als 11 000 Personen unterschriebene Petition «Rettet den Nachtzug» beim Umwelt- und Verkehrsdepartement (Uvek) in Bern ein. In der Bittschrift wurden Bundesrätin Doris Leuthard und die SBB aufgefordert, die noch bestehenden Nachtzugverbindungen zu erhalten, die bereits gestrichenen Linien wieder in Betrieb zu nehmen und eine nachhaltige Strategie für den internationalen Schienenpersonenverkehr auszuarbeiten. Die Antwort der Verkehrsministerin fiel abschlägig aus. Sie könne nicht in die Unternehmensstrategie der SBB eingreifen.

SBB winken ab

Die SBB haben bereits klipp und klar mitgeteilt, dass sie nicht wieder ins Nachtzuggeschäft einsteigen. Allerdings wären sie bereit, neue Betreiber – wie die ÖBB – mit Leistungen zu unterstützen, so wie bisher mit der DB. Politisch ist das Thema indes noch nicht abgeschlossen. Nationalrätin Regula Rytz (Grüne, Bern) hat in der soeben abgelaufenen Session einen Vorstoss eingereicht, in dem sie den Bundesrat fragt, was er tue, damit die Nachtzüge der Deutschen Bahn nicht aufs Abstellgleis geraten.

Gerhard Lob

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