Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Verkehrte Bildungspolitik

#KeLoscht
Dominik Buholzer Leiter «zentralschweiz Am Sonntag»
Dominik Buholzer (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Dominik Buholzer (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Früher gingen Schüler auf die Strasse, um gegen den Krieg in Vietnam, die Atomtests auf dem französischen Mururoa-Atoll zu demonstrieren oder um ihre Sympathie für den Prager Frühling zu bekunden. Heute greifen sie zum Megafon, um ihren Unmut gegen die Sparpolitik im Bildungsbereich zum Ausdruck zu bringen. #KeLoscht war diese Woche das Motto der Aktion in mehreren Schweizer Städten – darunter auch in Luzern. Da spielte es auch keine Rolle, dass Luzerner Berufsschüler wegen der Abbaumassnahmen zu einer Woche zusätzlicher Ferien kommen. Meine Generation hätte dies freudig gefeiert, bei der heutigen Jugend sorgt es für Wallungen.

Verkehrte Welt? Von einer erhöhten Lust auf Bildung kann auf jeden Fall keine Rede sein. Zumindest lassen die Leistungen einen solchen Rückschluss nicht zu. Der jüngste Pisa-Test bescheinigt unseren Schülerinnen und Schülern, dass sie in Mathe überdurchschnittlich gut sind, aber wirklich auch nur im europäischen Vergleich. International reicht es nur noch für Platz 5 und damit zwei Ränge schlechter als 2012. Ähnlich das Bild bei den Naturwissenschaften. Definitiv Mittelmass sind unsere Nachwuchsleute im Fach Lesen. Da tummeln wir uns mit Österreich, Frankreich und Italien im Mittelfeld und müssen zur Kenntnis nehmen, dass uns in dieser Beziehung die Deutschen den Rang ablaufen.

Wirklich konstant Weltspitze sind wir nur in Sachen Bildungsausgaben. Im internationalen Vergleich können uns da nur wenige das Wasser reichen. Nun lässt es sich nicht von der Hand weisen, dass sich Investitionen in die Bildung lohnen. Dies ist sogar wissenschaftlich erwiesen. Nur sagt die Höhe des Mitteleinsatzes nichts über die Effektivität und Effizienz der Investitionen aus. Und genau hier liegt das Problem der Schweiz. Es wird bei den Bildungsausgaben nicht der Rotstift angesetzt, weil man sich deswegen bessere Fähigkeiten in Lesen, Schreiben, oder Rechnen erhofft, sondern eine ausgeglichenere Staatsrechnung. Finanzpolitisch mag die Rechnung womöglich aufgehen. Eine nachhaltige Bildungspolitik betreibt man damit aber nicht. Dies ist leichtsinnig für ein Land, dessen Politiker von rechts bis links unablässig betonen, der einzige Rohstoff der Schweiz seien ihre klugen Köpfe.

Dominik Buholzer Leiter «Zentralschweiz am Sonntag»

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.