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VERTEIDIGUNG: Bund zahlt für Armeestudie ohne Auftrag

Ein renommiertes Beratungsunternehmen hat eine Studie zum Thema Kaderförderung in der Armee erstellt – obwohl sie von dieser keinen Auftrag dafür hatte. Am Schluss zahlte der Bund trotzdem 78000 Franken.
Michel Burtscher
Neu auf Instagram: Die Armee folgte den Empfehlungen externer Berater und lancierte eine Social-Media-Offensive. (Bild: Benjamin Manser)

Neu auf Instagram: Die Armee folgte den Empfehlungen externer Berater und lancierte eine Social-Media-Offensive. (Bild: Benjamin Manser)

Michel Burtscher


Die Bilder zeigen Soldaten bei Übungen oder Kampfjets und Helikopter im Einsatz: Seit einigen Monaten präsentiert sich die Armee mit einem offiziellen Konto auf der Online-Fotoplattform Instagram. Regelmässig werden neue Bilder heraufgeladen, die von fast 2000 Abonnenten angeschaut werden. Der Auftritt ist Teil einer Social-Media-Offensive. Die Idee dazu kam von einer Studie, die das renommierte und weltweit tätige Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) vergangenes Jahr erstellt hat. Die Armee bestätigt entsprechende Recherchen unserer Zeitung auf Anfrage.

Interessant dabei: Einen Auftrag für die Studie hatte die Armee der Firma gar nicht erteilt. Gemäss Armeesprecher Daniel Reist wurde diese von drei Milizoffizieren initiiert, die bei der BCG arbeiten. Diese hätten «im Rahmen ihrer Miliztätigkeit» festgestellt, dass die Armee unter anderem bei der Kadergewinnung und -förderung viele Chancen ungenutzt lasse. Darum haben sie vergangenes Jahr mit Kadern aus Militär und Wirtschaft Interviews zu diesem Thema geführt. Die Ergebnisse und Empfehlungen präsentierten sie schliesslich der Armeeführung – vereinbart war, dass dafür jedoch kein Geld fliesst.

Rechtsabteilung der Armee schaltete sich ein

Gemäss Angaben der Armee schlugen die BCG-Berater unter anderem die Gründung einer Alumni-Organisation für ehemalige Militärangehörige vor. Weiter sollte die Möglichkeit geschaffen werden, militärische Ausbildungen an zivile Lehrgänge anrechnen zu können. Diese Vorschläge wird die Armee laut Reist nun prüfen.

Nach der Präsentation vor der Armeeführung wurde entschieden, dass die Studie im Bereich Social Media noch vertieft werden soll – daraus entstand schliesslich auch die Instagram-Offensive. Diese Vertiefung war jedoch nicht mehr kostenlos, weil sich die Rechtsabteilung der Armee einschaltete und darauf aufmerksam machte, dass dies gegen die Vorschriften verstiesse. Nach einer Prüfung wurden die weiteren Arbeiten schliesslich mit 78000 Franken vergütet, wie Reist sagt. Dass hierbei etwas schiefgelaufen sei, das verneint die Armee. «Es zeigt nur, dass unsere internen Kontrollmechanismen funktioniert haben», so Reist. Trotzdem: Fast 80000 Franken sind viel Geld für einen Social-Media-Auftritt. Die Ausgaben hätten sich gelohnt, betont die Armee. Die BCG selbst gibt sich wortkarg und will auf Fragen zur Studie nicht antworten. «Wir äussern uns nicht zu allfälliger Kundenarbeit», teilt das Unternehmen mit.

Externe Berater sind immer wieder ein Thema

Dass Beratungsunternehmen von sich aus Studien zu irgendwelchen Themen anbieten, komme relativ oft vor, sagt der Armeesprecher. Meistens lehne man solche Angebote jedoch ab. Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass eine Zusammenarbeit des Bundes mit der BCG für Schlagzeilen sorgt. Im Jahr 2011 wurde bekannt, dass das Verteidigungsdepartement (VBS) die Dienste der BCG beansprucht hatte, um die Informatikprobleme im internen Finanz- und Buchhaltungswesen zu beheben. Das Engagement kostete mehrere Millionen Franken. Bis zu zwölf Berater der Firma waren zeitweise für das VBS tätig. Dieses betonte damals, die Arbeit der BCG-Angestellten habe nachhaltige Verbesserungen bewirkt.

Externe Berater waren auch auf politischer Ebene immer wieder ein Thema. Die Geschäftsprüfungskommissionen des Parlaments haben sich bereits mehrmals damit befasst. Auch von National- und Ständeräten kamen immer wieder Vorstösse. Der Zürcher FDP-Nationalrat Hans-Ulrich Bigler beispielsweise forderte 2016 in einer Motion, dass der Bund die Ausgaben für die Vergabe von externen Beratungsmandaten in den nächsten fünf Jahren jährlich um acht Prozent reduzieren soll. 2015 gab dieser noch über 700 Millionen Franken für solche Dienstleistungen aus.

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