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Von Versicherung im Stich gelassen: So setzt sich der Bund für traumatisierten Katastrophenhelfer ein

Martin Peterhans* arbeitete weltweit als Katastrophenhelfer des Bundes – heute ist er selbst auf Hilfe angewiesen. Doch die Militärversicherung blockt. Dabei findet sogar das Aussendepartment, dass er unterstützt werden muss.
Sven Altermatt und Lorenz Honegger
Auch das Aussendepartement stellt sich in einem Brief (Ausriss) hinter Katastrophenhelfer Martin Peterhans. (Bild: lhn/chm)

Auch das Aussendepartement stellt sich in einem Brief (Ausriss) hinter Katastrophenhelfer Martin Peterhans. (Bild: lhn/chm)

Für seine Einsätze zahlte er einen hohen Preis: Martin Peterhans arbeitete jahrelang als Katastrophenhelfer des Bundes, weltweit half er Menschen in Not. Während zehn Jahren stand der 44-Jährige für das Schweizerische Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) im Einsatz.

Petermann rückte aus, als an Weihnachten 2004 eine der schlimmsten Tsunamis der Geschichte allein in Indonesien über 150‘000 Menschen tötete. Er war vor Ort, nachdem Israel 2009 den Gazastreifen bombardierte. 2011 stand er Opfern des Bürgerkriegs in Libyen zur Seite. Und er wurde vom SKH 2015 nach Nepal geschickt, nachdem bei einem Erdbeben 8800 Menschen ums Leben gekommen waren.

Die Einsätze zehrten an Petermann. Heute braucht der Helfer selbst Hilfe. Diese Zeitung machte seine Geschichte publik. Ab 2017 war er kaum mehr arbeitsfähig. Die Diagnose: posttraumatische Belastungsstörung. Psychiater und Psychotherapeuten sind sich einig, dass ihn die fast 300 Diensttage für die humanitäre Hilfe krank gemacht haben.

Doch die Militärversicherung, bei der SKH-Angehörige eigentlich Anspruch auf Leistungen haben, will nicht für Petermanns Traumatherapie aufkommen und auch kein Krankentaggeld bezahlen. Es gebe «keinen adäquaten Kausalzusammenhang» zwischen den Einsätzen in Katastrophengebieten und der posttraumatischen Belastungsstörung, findet die von der Suva geführte Versicherung.

Dabei bestätigte deren Konsiliarpsychiater in einem Gutachten, dass die Beschwerden von Peterhans in Zusammenhang «mit den Einsätzen in Indonesien im Jahr 2005 sowie mit den vielen späteren Auslandeinsätzen» stünden. Nun zeigt ein Brief des Aussendepartements (EDA), der dieser Zeitung vorliegt: Auch die Verantwortlichen des Humanitären Korps setzten sich bei der Militärversicherung für ihren Mitarbeiter ein.

Einsätze sind grosse Belastung

In dem Schreiben vom November 2018 zeigen die Verantwortlichen auf, wie anspruchsvoll die Einsätze der Katastrophenhelfer sind. Trotz Vorbereitung stellten sie in der Praxis «eine erhebliche Belastung für Psyche und Körper dar», heisst es:

«Den Einsätzen gemeinsam sind lange Arbeitstage, wenig Schlaf und rund um die Uhr Exponiertheit/Konfrontation mit Leid, Angst und Tod.»

Bedrückend sind die Schilderungen von Peterhans' erstem Einsatz in Indonesien im Jahr 2004. Selbst für ältere Katastrophenhelfer sei die Situation sehr schwierig gewesen, schreibt das EDA. Auf kleinster Fläche habe es 90‘000 Tote an einem Tag gegeben. Überall seien Leichen herumgelegen («am Boden, aufgespiesst, auf Strommasten»), überall sei der Verwesungsgeruch präsent gewesen. Die Rede ist von Massengräbern, von Zerstörung und Chaos. Mittendrin: die Katastrophenhelfer aus der Schweiz.

erstem Einsatz in Indonesien im Jahr 2004. Selbst für ältere Katastrophenhelfer sei die Situation sehr schwierig gewesen, schreibt das EDA. Auf kleinster Fläche habe es 90‘000 Tote an einem Tag gegeben. Überall seien Leichen herumgelegen («am Boden, aufgespiesst, auf Strommasten»), überall sei der Verwesungsgeruch präsent gewesen. Die Rede ist von Massengräbern, von Zerstörung und Chaos. Mittendrin: die Katastrophenhelfer aus der Schweiz.

Ausriss aus dem Brief des Aussendepartements an die Militärversicherung. (Bild: chm)

Ausriss aus dem Brief des Aussendepartements an die Militärversicherung. (Bild: chm)

Dem EDA ist es laut eigenem Bekunden «ein Anliegen», dass die Belastung durch solche Auslandeinsätze «bei der Beurteilung von posttraumatischen Beeinträchtigungen berücksichtigt wird». Nach Einschätzung des Departements sei es der Helfer selbst, der heute Hilfe benötige.

Ausriss aus dem Brief des Aussendepartements an die Militärversicherung. (Bild: chm)

Ausriss aus dem Brief des Aussendepartements an die Militärversicherung. (Bild: chm)

Ob die Militärversicherung nach dem Brief der Verantwortlichen auf ihren Entscheid vom Herbst 2018 zurückkommt, ist völlig offen. Weil er kein Geld für einen Anwalt hatte, erhob Peterhans selbst Einsprache. Bis heute ist er arbeitsunfähig und erhält kein Krankentaggeld. Dem Geschäft des Logistikers droht der Konkurs, weil ihm keine finanzielle Mittel für eine Aushilfe ausbezahlt werden.

Peterhans Einsprache bei der Militärversicherung ist seit über einem halben Jahr hängig. Um sich wenigstens einen Anwalt leisten zu können, hat Peterhans unterdessen ein Crowdfunding lanciert. Er will 3500 Franken sammeln.

*Name von der Redaktion geändert

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