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Swissair-Absturz bei Halifax: Erinnerungen an die schwerste Katastrophe der Schweizer Luftfahrt

Ein Kurzschluss und brennbare Materialien im Cockpit führten mutmasslich zur schwersten Katastrophe in der Geschichte der Schweizer Luftfahrt: Beim Absturz der Swissair-MD-11 vor der kanadischen Ostküste bei Halifax vor zwanzig Jahren kamen 229 Menschen ums Leben. Das Unglück hat Folgen - bis heute.
In der Nacht auf den 3. September 1998 kommen beim Swissair-Unglück vor der kanadischen Küste 229 Menschen ums Leben, darunter 49 Schweizer Staatsbürger. In der Nacht auf den 3. September 1998 kommen beim Swissair-Unglück vor der kanadischen Küste 229 Menschen ums Leben, darunter 49 Schweizer Staatsbürger.
Kanadische Fischerboote waren die ersten an der Unglücksstelle. (Bild: Keystone)Kanadische Fischerboote waren die ersten an der Unglücksstelle. (Bild: Keystone)
Bereits kurz nach dem Unglück beginnen kanadische Ermittler mit der Untersuchung von Trümmern der verunfallten Maschine. (Bild: Keystone)Bereits kurz nach dem Unglück beginnen kanadische Ermittler mit der Untersuchung von Trümmern der verunfallten Maschine. (Bild: Keystone)
Als Reaktion auf den Absturz werden die Fahnen am Flughafen Zürich auf Halbmast gehisst. (Bild: Keystone)Als Reaktion auf den Absturz werden die Fahnen am Flughafen Zürich auf Halbmast gehisst. (Bild: Keystone)
Die damaligen Bundesräte Flavio Cotti (rechts) und Moritz Leuenberger bekunden an einer Pressekonferenz am 3. September 1998 in Bern ihr Mitgefühl und versprechen eine lückenlose Aufklärung der Katastrophe. (Bild: Keystone)Die damaligen Bundesräte Flavio Cotti (rechts) und Moritz Leuenberger bekunden an einer Pressekonferenz am 3. September 1998 in Bern ihr Mitgefühl und versprechen eine lückenlose Aufklärung der Katastrophe. (Bild: Keystone)
Die komplette Bergung des Flugzeugs dauerte 15 Monate. (Bild: Keystone)Die komplette Bergung des Flugzeugs dauerte 15 Monate. (Bild: Keystone)
Die Unglücksmaschine, ein Passagierflugzeug des Typs MD-11, hatte bis zum Unglück insgesamt 36'041 Flugstunden geleistet. (Bild: Keystone)Die Unglücksmaschine, ein Passagierflugzeug des Typs MD-11, hatte bis zum Unglück insgesamt 36'041 Flugstunden geleistet. (Bild: Keystone)
Ein Experte begutachtet geborgene Trümmerteile. (Bild: Keystone) Ein Experte begutachtet geborgene Trümmerteile. (Bild: Keystone)
Experten versuchten mit gefundenen Trümmerteilen den Rumpf der MD-11 zu rekonstruieren. (Bild: Keystone)Experten versuchten mit gefundenen Trümmerteilen den Rumpf der MD-11 zu rekonstruieren. (Bild: Keystone)
Am 11. September 1998 nehmen Mitarbeiter der Siwssair bei einem Trauergottesdienst in Genf Abschied. (Bild: Keystone)Am 11. September 1998 nehmen Mitarbeiter der Siwssair bei einem Trauergottesdienst in Genf Abschied. (Bild: Keystone)
Am 4. September reisen rund vierzig Medienvertreter mit einem Sonderflug nach Halifax. Mit dabei ist auch der damalige Swissair-Chef Jeffrey Katz (Bild: Keystone)Am 4. September reisen rund vierzig Medienvertreter mit einem Sonderflug nach Halifax. Mit dabei ist auch der damalige Swissair-Chef Jeffrey Katz (Bild: Keystone)
Ermittler versuchen mit geborgenen Trümmerteilen die Swissair-Maschine zu rekonstruieren. (Bild: Keystone)Ermittler versuchen mit geborgenen Trümmerteilen die Swissair-Maschine zu rekonstruieren. (Bild: Keystone)
Die Maschine stürzte bei Peggy's Cove ins Meer vor der kanadischen Ostküste ins Meer. (Bild: Keystone)Die Maschine stürzte bei Peggy's Cove ins Meer vor der kanadischen Ostküste ins Meer. (Bild: Keystone)
In kanadischen Halifax wurde eine Gedenkstätte errichtet. (Bild: Keystone)In kanadischen Halifax wurde eine Gedenkstätte errichtet. (Bild: Keystone)
In kanadischen Halifax wurde eine Gedenkstätte errichtet. (Bild: Keystone)In kanadischen Halifax wurde eine Gedenkstätte errichtet. (Bild: Keystone)
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Vor 20 Jahren stürzte eine Swissair-Maschine bei Halifax ins Meer

(sda/tn) 215 Passagiere und 14 Besatzungsmitglieder steigen am Abend des 2. September 1998 in New York in die Swissair MD-11, um mit Flug SR 111 die Reise nach Genf anzutreten. Das Flugzeug startet, gewinnt an Höhe, die Piloten steuern die Maschine Richtung Kanada zur Überquerung des Atlantiks.

Die Besatzung dürfte derweil begonnen haben, das Abendessen zu servieren - die Passagiere haben sich für den Nachtflug eingerichtet. Doch eine Stunde später bahnt sich das schwerste Flugzeugunglück in der Geschichte der Swissair an: Die Piloten stellen Rauch im Cockpit fest.

Für eine Notlandung auf dem Flughafen von Halifax fliegt das Flugzeug zu hoch. Also drehen die Piloten auf einer Höhe von 10'000 Fuss eine Schlaufe, um Kerosin ins Meer abzulassen und dann wieder in Richtung Halifax zu fliegen.

Doch plötzlich fällt das elektrische System aus. Die Piloten verlieren die Kontrolle über die Maschine. Diese stürzt bei Peggy's Cove ins Meer und zerbricht in tausende, teils winzige Teile. Alle 229 Menschen an Bord sterben, darunter 49 Schweizerinnen und Schweizer.

Schock und Schlagzeilen weltweit

Das Schicksal von Flug SR 111 in der Nacht zum 3. September 1998 versetzte die Schweizer Öffentlichkeit in einen Schockzustand und sorgte weltweit für Schlagzeilen. Die McDonnell-Douglas MD-11 war ein modernes Flugzeug aus dem Hause Boeing, die Swissair eine der renommiertesten Fluggesellschaften der Welt.

Die Bergung des Flugzeugs dauerte über ein Jahr. Rund zwei Millionen Flugzeugteile wurden an der Absturzstelle aus dem Meer gezogen. Zusammen mit 275 Kilometer Kabel wurde die Unglücksmaschine rekonstruiert, und die Suche nach dem Hergang des Absturzes begann.

Viereinhalb Jahre dauerte es, bis die kanadische Verkehrssicherheitsbehörde (TSB) im März 2003 den Untersuchungsbericht vorlegte. Demnach liegt dem Unglück ein Kurzschluss zu Grunde, welcher wahrscheinlich durch eine gebrochene Isolierung eines Kupferkabels ausgelöst worden war.

Die elektrischen Funken setzten brennbare Isoliermatten im Cockpit in Brand. Einen Rauchmelder oder Löschvorrichtungen gab es damals in der MD-11 an dieser Stelle nicht.

Das Kabel gehörte vermutlich zum Bordunterhaltungssystem, welches die Swissair für die Erste Klasse nachträglich hatte einbauen lassen. Die Swissair stellte in der Folge dieses System in ihren MD-11 und Boeing 747 ab. Nachdem Ungereimtheiten bei der Zulassung dieses Systems aufgetaucht waren, wurde die Betriebsbewilligung für das Bordsystem entzogen.

Trauernde reisen nach Halifax

Der Absturz des Swissair-Flugs 111 hinterliess weltweit Angehörige von Opfern; die Passagiere stammten aus 44 Nationen. Für ihre Betreuung standen unter anderem Teams in Genf, Zürich, Paris und New York im Einsatz. Rund hundert Angehörige aus der Schweiz wünschten, am nächsten Tag mit einem Sonderflug der Swissair zur Absturzstelle bei Halifax zu reisen.

Vor Ort wurden sie strikte vor den Medien abgeschirmt, und die Küstenregion war weiträumig abgesperrt. Danach begann für die Angehörigen das lange Warten auf die sterblichen Überreste der Absturzopfer. Die Urnen wurden den Hinterbliebenen teils erst nach Wochen oder gar Monaten ausgehändigt.

Was von der Maschine noch übrig blieb, wurde in einem Hangar in der Nähe von Halifax gesammelt. (KEYSTONE/AP Photo/CP Photo/Andrew Vaughan)

Was von der Maschine noch übrig blieb, wurde in einem Hangar in der Nähe von Halifax gesammelt. (KEYSTONE/AP Photo/CP Photo/Andrew Vaughan)

Auch während dieser Zeit standen Careteams mit den Angehörigen in Kontakt. Eine derart grossflächige Betreuung gab es bei diesem Unglück zum ersten Mal. "Vorher wurde der Betreuung von Hinterbliebenen kaum Beachtung geschenkt", sagt Franz Bucher zur Agentur Keystone-SDA. Er war damals Teil der Careteams.

Folge einer Tragödie: Betreuungsteams sind heute feste Institution

Die Stiftung Carelink wurde gegründet. Sie kümmert sich um Angehörige, bei schweren Unglücken, aber auch Gewaltakten oder Todesfällen in Firmen. "Seit Jahresbeginn hatten wir rund achtzig Einsätze", sagt Franz Bucher. Er war Mitglied des Swissair-Careteams beim Absturz vor 20 Jahren und übernahm nach der Jahrtausendwende bis 2016 die Geschäftsführung der aus dem tragischen Unglück hervorgegangenen Stiftung Carelink. Seit seiner Pensionierung Ende 2016 ist er Mitglied des Stiftungsrats.

"Nach dem Unglück wandten sich die SBB an die Swissair. Sie hatten festgestellt, dass sie ebenfalls eine solche Organisation bräuchten, zum Beispiel im Falle eines Bahnunfalls", erinnert sich Bucher. Gemeinsam wollten die beiden Unternehmen eine dauerhafte Organisation aufbauen. Wegen des Groundings der Swissair wurden Bucher und einer seiner Kollegen bei den SBB angestellt, damit das Wissen und die Erfahrungen bewahrt werden konnten. Heute ist die Carelink eine selbständige Stiftung und die SBB sind eine ihrer Kunden.

Tatsächlich wurden die Careteams bald darauf wieder benötigt, zum Beispiel beim Absturz der Crossair in Bassersdorf ZH mit 24 Toten im Jahr 2001 oder beim Tötungsdelikt in einer Zürcher Bank im Jahr 2004 mit drei Toten.

"Angehörige sind heute weiter verteilt"

Die Arbeit habe sich in den vergangenen zwanzig Jahren nicht stark verändert. Allerdings seien Angehörigen heute mehr in der Welt verteilt als früher. In den Firmen arbeiteten mehr Fachkräfte, deren Angehörige im Ausland seien - betroffen sind beispielsweise auch Eltern von Secondos und Secondas, welche wieder in ihre Heimat zurückgekehrt seien.

Verändert hat sich auch der Einfluss der Medien, insbesondere der Social Media. Carelink führt bei ihren Einsätzen jeweils ein Medienmonitoring durch, um auf mögliche Bedürfnisse von Angehörigen besser vorbereitet zu sein. Einfacher dürfte dafür im Gegenzug dank der technischen Entwicklung die Kommunikation mit Angehörigen sein.

Mittlerweile hat Carelink rund 300 freiwillige Mitarbeitende, die je nach Notfall aufgeboten werden können. Darunter sind Psychologen und Seelsorger, aber auch Laien. Mit rund 130 Firmen hat Carelink einen Vertrag, welcher einen allfälligen Einsatz regelt. Auch Bund und Kantone haben solche Betreuungsteams, in der Regel kleinere und angegliedert bei der Polizei.

Unglücks-Flugzeugtyp ausgemustert

Das Unglück zog auch in technischer Hinsicht Folgen nach sich. Die kanadischen und die US-Luftsicherheitsbehörden erliessen über fünfzig Anweisungen, welche zu Um- und Nachrüstungen der McDonnell-Douglas-Flugzeuge führten - unter anderem mit zusätzlichen Rauchmeldern, Löschsystemen und Infrarotkameras.

Swissair und später Swiss behoben die Sicherheitsmängel an den Flugzeugen des Unglückstyps, ersetzten die Isolationsmatten und leiteten die Ausmusterung der letzten 13 MD-11 ein.

Zudem wurden neue Vorschriften und Abläufe für die Cockpit-Crew erlassen. Die Swiss änderte die Notfall-Checkliste. Nach weiteren Unglücken in den Folgejahren wurde zudem die Aufsicht über die schweizerische Luftfahrt verschärft.

Zwei Denkmäler erinnern an Opfer

An die Tragödie von Halifax erinnern heute an der Felsenküste unweit von Peggy's Cove an der Küste bei Halifax zwei Gedenkstätten mit Monumenten aus Granit. Beide Denkmäler tragen eine Inschrift auf Englisch und Französisch, welche an die Opfer erinnert. Sie liegen an der Küste, mit Blick auf die Absturzstelle draussen im Atlantik.

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