WAFFEN: Auftrieb für zentrales Register

Noch ist unklar, woher der Schütze von Menznau die Waffe hatte. Klar hingegen ist, dass die Kantone in Sachen Waffenregister unter Druck geraten.

Léa Wertheimer
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Für diese Air Soft Gun «Sig Sauer P 226» braucht es keinen Waffenschein. (Bild: Archiv Neue LZ)

Für diese Air Soft Gun «Sig Sauer P 226» braucht es keinen Waffenschein. (Bild: Archiv Neue LZ)

Die Bluttat in Menznau ruft traurige Erinnerungen an den Amoklauf im Walliser Dorf Daillon wach. Am 2. Januar dieses Jahres erschoss ein 33-jähriger Einheimischer drei Frauen und verletzte zwei Männer schwer. Die Polizei stoppte den IV-Bezüger, der im Grunde keine Waffen mehr besitzen durfte. Reflexartig stellt sich nach solch tragischen Vorfällen die Frage nach der Tatwaffe. So auch gestern. Schoss der Mann mit einer Armeewaffe? Besass er die Waffe legal, war sie also registriert? Durfte der offenbar psychisch angeschlagene Mann überhaupt Waffen besitzen?

Bekannt war gestern zu diesem Thema nur so viel: «Bei der Waffe handelt es sich um eine Pistole», bestätigt die Luzerner Polizei. Woher sie stammt und ob der Täter sie legal besass, sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Die Bezeichnung Pistole schliesst indes nicht aus, dass es sich um eine Armeewaffe handeln könnte.

Klar ist hingegen, dass der Mann die Pistole nicht im örtlichen Waffengeschäft erworben hat. «Der mutmassliche Täter ist kein Kunde von mir», sagt Peter Kammermann, Büchsenmacher aus Menznau. Er kenne den Mann auch nicht. «Er ist kein Mitglied der örtlichen Schiessvereine», sagt Kammermann.

Wirrwarr von Registern

Bereits nach der Bluttat im Walliser Dorf wurde in der Bevölkerung der Ruf nach strengeren Waffengesetzen laut, vor allem nach einem zentralen Register. Besonders was die Register angeht, herrscht in der Schweiz purer Föderalismus. «Jede Waffe hat eine Seriennummer», erklärt Kammermann. Sie mache es möglich, den Weg einer bestimmten Waffe zurück zu verfolgen. «Das allerdings nur, wenn sie jeweils legal die Hand wechselte», so der Waffenexperte weiter. Und selbst dann gestaltet sich die Lage für die Ermittler kompliziert. Denn jeder Kanton führt sein eigenes Register. Während die einen bereits über moderne Datenbanken verfügen, erfassen andere, wie etwa die zuständigen Behörden im Kanton Uri, die Waffendaten noch in einer gewöhnlichen Excel-Tabelle.

Das erschwert die Arbeit der Polizei, wenn sie, wie jetzt in Menznau, die Herkunft einer Waffe überprüfen muss. Die Ermittler können dabei nicht mit einem Knopfdruck online eine schweizweite Abfrage starten – obwohl ihnen der Name des Täters und die Seriennummer der Waffe bekannt sind. Sie müssen jedes kantonale Polizeikorps einzeln per Telefon, Mail oder Fax kontaktieren.

Kantone in der Pflicht

Die Schaffung eines zentralen Waffenregisters auf Bundesebene haben die Stimmbürger 2011 mit dem Nein der Waffenschutzinitiative abgelehnt. Dennoch versprachen Bund und Kantone damals, den gegenseitigen Zugriff auf ihre Waffenregister zu vereinfachen. Doch zwei Jahre später ist dies noch nicht erfolgt. Geplant ist zwar seit langem die Verknüpfung der kantonalen Datenbanken. Doch erst im vergangenen Herbst bemerkten die kantonalen Behörden, dass für eine solche Vernetzung offenbar die gesetzliche Grundlage fehle. Nach der Bluttat von Daillon forderte Justizministerin Simonetta Sommaruga (SP) die Kantone auf, ihre Versprechen einzuhalten. Die Verlinkung müsse jetzt schnell kommen.

Auch die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrates (SIK) verlangt eine rasche Vernetzung der kantonalen Waffenregister. Folgen die Räte den Empfehlungen der SIK, muss der Bundesrat dem Parlament so schnell wie möglich, spätestens aber bis Herbst 2013, entsprechende Vorlagen unterbreiten.

Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) führt bereits eine Internet-Waffenplattform namens «Armada». Darin sind zuhanden der kantonalen Polizeien alle Personen registriert, denen Waffen weggenommen oder Waffenerwerbsscheine verweigert wurden. Die Zahl der Risikopersonen, die versuchen, legal an Waffen zu gelangen, oder gar solche zu besitzen, ist gross: Armee und kantonale Polizeikorps haben seit 2001 rund 95 000 Personen mit einem solchen Profil eine Waffenbewilligung verweigert oder Waffen entzogen. In Schweizer Haushalten gibt es geschätzte 2,3 Millionen Waffen. Davon sind nur gerade 700 000 registriert.