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Wahlbarometer: Die Grünen legen weiter zu und überholen erstmals in der Geschichte die CVP

Die neuste SRG-Umfrage sagt Grünen und GLP grosse Gewinne voraus, für die CVP geht es weiter abwärts. Politologe Michael Hermann sieht aber primär die FDP unter Druck.
Dominic Wirth
Es läuft derzeit so rund für die Grünen, dass sie sich darauf verlegt haben, den Ball flach zu halten. (KEY/Gian Ehrenzeller)

Es läuft derzeit so rund für die Grünen, dass sie sich darauf verlegt haben, den Ball flach zu halten. (KEY/Gian Ehrenzeller)

Etwas mehr als sechs Wochen noch, dann wählt die Schweiz ihr neues Parlament. Jetzt liegt das neuste SRG-Wahlbarometer vor. Es bestätigt, was sich schon länger abzeichnet: Grün legt zu. Und zwar nicht zu knapp. Sowohl die Grünen als auch die GLP schneiden besser ab als in jedem anderen Barometer zuvor. Gemeinsam legen sie gegenüber den letzten Wahlen um 5,7 Prozent zu, die Grünen um 3,4, die GLP um 2,3.

Für die Grünen sieht es derzeit nach dem besten Ergebnis ihrer Geschichte aus. Sie knacken sogar die 10-Prozent-Marke und überflügeln die CVP, die neu nur noch auf dem fünften Platz liegt. Wie Grüne und GLP legen auch die FDP und die SVP im Vergleich zum letzten Barometer vom Juni leicht zu. BDP, CVP und SP verlieren leicht.

Insgesamt zeichnet sich im Vergleich zu den letzten Wahlen eine Verlagerung der Kräfteverhältnisse nach links ab. Das linke Lager legt um 3,3 Prozent zu, während FDP und SVP 2,3 Prozent einbüssen. «Zumindest für Schweizer Verhältnisse kommt das einem deutlichen Linksrutsch gleich», sagt Michael Hermann, Politologe und Geschäftsführer der Forschungsstelle Sotomo, welche die Umfrage für SRF durchgeführt hat.

Das Klima dominiert die Agenda weiterhin

Die Themen, die das Land beschäftigen, sind über den Sommer die gleichen geblieben. Die Wähler sehen die Krankenkassenprämien und den Klimawandel als die zwei wichtigsten politischen Herausforderungen; dahinter folgen die Beziehungen der Schweiz zur EU. Das Klima ist in aller Munde geblieben, und das ist für das grüne Lager eine gute Nachricht. «Es ist ideal gelaufen für jene Parteien, die sich in Umweltfragen engagieren. An den anderen Fronten – etwa bei Zuwanderung, Kriminalität oder Terrorismus – ist es ruhig geblieben», sagt Hermann.

Für die Grünen läuft es derzeit derart rund, dass Fraktionschef und Co-Wahlkampfleiter Balthasar Glättli sich genötigt sieht, den Ball flach zu halten. Er sagt zwar, er freue sich sehr über das Resultat - betont dann aber rasch, dass es sich um eine «Momentaufnahme» handle. Und dass es gelte, die vielen Nichtwähler, die ihre Stimme laut Barometer den Grünen geben wollen, dann auch an die Urne zu bringen.

Die Grünen vor der CVP, das ist neu. Einen Bundesratssitz mag Glättli dennoch nicht einfordern, «so etwas diskutiert man dann allenfalls nach einem klaren Wahlerfolg», sagt er. Primär, so der Zürcher Nationalrat, gehe es für seine Partei sowieso darum, im Parlament Sitze zu gewinnen. «Ein grüneres Parlament ist für griffigere Klimaschutzgesetze wichtiger als ein grünerer Bundesrat», sagt er.

Hermann: «Cassis ist das schwächste Glied der Kette»

Der Politologe Michael Hermann sagt, der CVP-Sitz sei nur auf den allerersten Blick in Gefahr. Er verweist auf die Stärke der Partei im Ständerat, auf Viola Amherd, die CVP-Bundesrätin, die gut gestartet ist und bereits einige Akzente setzte. Dazu komme, dass das Mitte-links-Lager aus den Wahlen gestärkt hervorgehen wird – und damit liebäugeln könnte, die SVP-FDP-Mehrheit im Bundesrat zu durchbrechen. «Wenn jemand nervös sein muss, dann ist es eher die FDP. Deren Bundesrat Ignazio Cassis ist derzeit das schwächste Glied in der Kette», sagt er.

Petra Gössi, die Präsidentin der FDP, reagiert darauf gelassen. Sie verweist auf die Stabilität, die die Zauberformel seit Jahrzehnten bringe. Zudem brauche es für einen Sitz in der Regierung eine Hausmacht, also Kraft im National- und Ständerat und in den Kantonen. «Den Grünen fehlt das, und es wird ihnen auch weiterhin fehlen, auch wenn sie bei den Wahlen zulegen», sagt Gössi.

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