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WAHLEN: Der einstige TV-Dompteur will Zürcher Stapi werden

Filippo Leutenegger steigt ins Rennen um das Präsidium der grössten Stadt der Schweiz. Die politischen Gegner des FDP-Stadtrats reagieren gelassen.
Michel Burtscher
Der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Er will es also tatsächlich noch einmal wissen: Filippo Leutenegger hat gestern offiziell bestätigt, dass er die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) herausfordert und im nächsten Jahr selber Präsident der grössten Stadt der Schweiz werden will. Damit wiederholt sich das Duell von 2014. Schon damals wollte der heute 64-jährige FDP-Politiker von den Zürchern zum Stadtpräsidenten gewählt werden – verlor das Rennen gegen seine linke Widersacherin jedoch deutlich mit einem Rückstand von rund 16000 Stimmen. Trotzdem ist der fünffache Familienvater optimistisch: «Damals war ich ein Neuling in der kommunalen Politik», sagt er. Mittlerweile habe er sich in der Stadt jedoch einen Leistungsausweis erarbeitet.

Denn auch wenn er beim Rennen um das Stadtpräsidium unterlag, schaffte er die Wahl in den Stadtrat ohne Probleme und übernahm daraufhin das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement. Von seinen politischen Gegnern wurde ihm immer wieder vorgeworfen, er habe dort nicht viel erreicht, ihm sei die mediale Inszenierung wichtiger als die konkrete Realisierung von Projekten. Diese Kritik lässt Leutenegger nicht gelten: «Ich habe Dossiers angepackt, die meine rot-grünen Vorgänger liegen gelassen haben», sagt er. Als Beispiel nennt er die Missstände im Entsorgungsamt der Stadt Zürich. Dessen langjährigen Vorsteher hat Leuten­egger im Mai wegen des Verdachts auf ungetreue Amtsführung freigestellt. Nachdem bei einer Durchsuchung des Entsorgungsamtes auch noch ein geheimer Safe mit über 200000 Franken Bargeld gefunden wurde, entliess ihn die Regierung schliesslich.

Klar ist: Leuten­egger weiss, wie er sich inszenieren und mit den Medien umgehen muss. Er räumt auch ein, dass er manchmal Ideen lanciere, die «futuristisch klingen». Er sei zufrieden, wenn er von verschiedenen gewagten Projekten eines durchsetzen könne.

Während seines Wahlkampfs 2014 warb Leutenegger auf Plakaten mit dem Slogan «Filippo – einer von uns». Ein Urzürcher ist er aber nicht. Geboren wurde Leutenegger in Rom, wo sein Vater für die UNO arbeitete. Dort verbrachte er auch seine Kindheit und einen Teil seiner Jugend. In Zürich studierte er dann Ökonomie, demonstrierte gegen das geplante AKW Kaiseraugst und war Mitbegründer der linken WoZ. In den 1980er-Jahren wurde er Tessin- und Italien-Korrespondent des Schweizer Fernsehens. 1993 übernahm er die Moderation der Polit-Talksendung «Arena», durch die er landesweit berühmt wurde und die sich während seiner Zeit zu einem riesigen Publikumserfolg mauserte. 2002 verliess er das Schweizer Fernsehen nach drei Jahren als Chefredaktor.

Im gleichen Jahr wurde der Journalist zum Politiker. Leutenegger trat der FDP bei und wurde wenig später in den Nationalrat gewählt. Der Medienbranche blieb er aber treu: Als CEO sanierte er zunächst die Jean Frey AG, zu der damals unter anderem die «Weltwoche» gehörte. Dann gründete er einen Zeitschriftenverlag. Von 2011 bis 2014 war er Verleger der Basler Mediengruppe BaZ. Zu der Zeit also, als sich SVP-Übervater Christoph Blocher am Unternehmen beteiligte. Seine Nähe zur SVP wurde Leutenegger von links immer wieder angelastet.

Es dürfte für ihn auch dieses Mal schwierig werden, sich im rot-grünen Zürich gegen Corine Mauch durchzusetzen. Das Stadtpräsidium ist seit 1990 in linker Hand – und Mauch sitzt noch immer fest im Sattel. Trotzdem: Leutenegger ist ein guter Wahlkämpfer und gewiefter Rhetoriker. Er gilt als umgänglich und jovial, kann gut mit Menschen umgehen. Für Leutenegger ist auch klar, dass die Bürgerlichen eine bessere Strategie für die Stadt Zürich haben als ihre politischen Gegner. Die Sozialdemokraten reagieren gelassen auf seine Kandidatur: «Er hat schon einmal verloren – er wird wieder scheitern», sagte Gabriela Rothenfluh, Co-Präsidentin der Stadtzürcher SP, gegenüber der NZZ. Ob sich diese Prognose bewahrheitet, wird sich im März 2018 zeigen.

Michel Burtscher

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