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WAHLEN: Die Stimmen-Lokomotive von Bellinzona

Bei den ersten Wahlen in Bellinzona nach der Grossfusion gewinnt die FDP die klare Mehrheit. Dennoch holt Sozialdemokrat Mario Branda als Stadtpräsident die meisten Stimmen und zementiert so seine Popularität.
Gerhard Lob, Bellinzona
Mario Branda holte im 1. Wahlgang am meisten Stimmen. (Bild: Keystone)

Mario Branda holte im 1. Wahlgang am meisten Stimmen. (Bild: Keystone)

Gerhard Lob, Bellinzona

Es war ein historischer Tag: Erstmals fanden am Sonntag Wahlen im neuen Bellinzona statt. 13 bisherige Gemeinden des Bezirks bilden die schlagartig auf 45000 Einwohner gewachsene Hauptstadt des Kantons Tessin.

Historisch war der Tag aber auch für den bisherigen Stadtpräsidenten von Bellinzona, den Sozialdemokraten Mario Branda. Mit 12151 persönlichen Stimmen landete er deutlich auf dem ersten Platz in der Wählergunst, ganze 1299 Stimmen vor dem zweitplatzierten Andrea Bersani, dem bisherigen FDP-Gemeindepräsidenten von Giubiasco. Dieser will sich bis am morgigen Mittwoch überlegen, ob er Branda in einem zweiten Wahlgang herausfordert.

Erster SP-Stadtpräsident einer Tessiner Stadt

Das Ergebnis ist insofern sensationell, als die FDP mit 36 Prozent Wähleranteil die mit Abstand stärkste Partei in Bellinzona ist und ihre Vormachtstellung ausbauen konnte. Sie liegt ganze 10 Prozent vor der SP. Doch als Persönlichkeit kommt Mario Branda ganz offensichtlich besonders gut an. Schon 2012 gelang ihm ein Husarenstück, als er erstmals zum Stadtpräsidenten gewählt wurde, als erster Sozialdemokrat in einer grösseren Tessiner Stadt. Tatsächlich ist der smarte Branda eine Stimmen-Lokomotive. Die Zeitungen der Südschweiz sprechen vom Phänomen «Brandaleone», als Anspielung auf die mittelalterlichen Ritterfigur Branca Leone. Dabei ist der 57-jährige Anwalt noch nicht so lange in der Politik tätig. Grund war seine Beamtenstellung im Beruf: Zuerst war er in der Rekursabteilung des Staatsrats tätig, dann als Amtsvormund, schliesslich als Staatsanwalt. Erst 2010 machte er sich als Anwalt selbstständig und kandidierte ein Jahr später als Quereinsteiger für die SP bei den Staatsratswahlen – und platzierte sich auf Anhieb hinter dem gewählten Manuele Bertoli.

Dass Mario Branda in einer traditionell freisinnig dominierten Stadt reüssieren kann, hängt mit seinem ausgeglichenen Charakter und sympathischen Auftreten zusammen. Er ist pragmatisch und nicht dogmatisch – ein moderater Sozialdemokrat. Im Eisenbahner- und Verwaltungsstädtchen Bellinzona sammelt er so Punkte. Klassenkampfvokabular ist ihm fremd. «Ich bekämpfe nicht die Reichen, sondern ich bekämpfe die Armut», zitierte er einst als seinen Leitspruch den bekannten schwedischen Sozialdemokraten Olof Palme.

Branda liebt seine Heimatstadt. Und natürlich sieht man den kinderlos verheirateten Stadtpräsidenten am traditionellen Samstagsmarkt, wenn er selbst Gemüse einkauft. Gleichwohl schaut er über den Tellerrand hinaus. Vielleicht liegt dies daran, dass er nach dem Jus-Studium in Genf international tätig war. Als Delegierter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes nahm er auch an Missionen in Pakistan teil.

Branda politisiert unabhängig

Für das fusionierte Bellinzona hat Branda Visionen, er will die Kapitale stärker als Dienstleistungs- und Forschungszentrum positionieren, auch weil sie dank dem Gotthard-Basistunnel näher an die deutsche Schweiz gerückt ist. Im Wahlkampf unterstrich er seine Unabhängigkeit, weil er es sogar wagte, den Standort der SBB-Werkstätten in Frage zu stellen. Die Reparaturstätte, in denen 2008 ein aufsehenerregender Streik stattfand, steht in bester Lage gleich neben dem Bahnhof.

Für Branda könnte sie durchaus an einen anderen Ort zügeln, weil dadurch ein attraktives Terrain frei würde. Hauptsache, so der Sozialdemokrat, die Arbeitsplätze blieben dem Tessin erhalten.

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