WAHLKAMPF: Ein Student gegen die SVP

Donat Kaufmann hat im Internet über 144 000 Franken gesammelt, um eine SVP-Werbung zu kontern. Darüber hinaus hat der Student bereits 11 900 Unterstützer mobilisiert.

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Der 26-jährige Student Donat Kaufmann kämpft mit einem teuren Inserat gegen den aus seiner Sicht inhaltsfreien Wahlkampf. (Bild: Screenshot Youtube)

Der 26-jährige Student Donat Kaufmann kämpft mit einem teuren Inserat gegen den aus seiner Sicht inhaltsfreien Wahlkampf. (Bild: Screenshot Youtube)

Eveline Rutz

«Aufmerksamkeit kann man kaufen – unsere Stimmen nicht.» Diese Botschaft wird Donat Kaufmann am nächsten Mittwoch im Pendlerblatt «20 Minuten» platzieren. Die Frontseite und die Seite 2 hat der Badener Student dafür bereits vor Wochen reserviert. Um das Inserat zu finanzieren, hat er im Internet über 144 000 Franken zusammengetragen. Die rund 11 900 Unterstützer werden darauf namentlich erwähnt werden, sofern sie damit einverstanden sind.

Show statt Inhalte

«Mir langets!» heisst das Crowdfunding-Projekt des Germanistikstudenten. Dies dachte er sich, als die SVP am 15. September auf dem Titelblatt der Gratiszeitung für ihren launigen Wahlkampfsong «Welcome To SVP» warb und erst auf der Rückseite politische Argumente brachte. Die Partei verwandle den Wahlkampf in einen grossen Zirkus, kritisiert Kaufmann. Man könne ihr zwar nicht vorwerfen, dass sie mehr Geld zur Verfügung habe als andere. Wofür sie dieses nutze, sei allerdings problematisch: Statt politische Inhalte zu vermitteln, mache sie auf ein Lied und ein Video aufmerksam. Dabei sei es Aufgabe der Politiker, die Wähler über Sachverhalte aufzuklären, und nicht, sie zu unterhalten.

Der 26-Jährige beschloss, gegen solches «emotionales Beigemüse» ein Zeichen zu setzen, und lancierte eine Gegenkampagne. Er drehte ein einfaches, dreieinhalbminütiges Video und rief über die Plattform Wemakeit.com zu Spenden auf. Via Social Media verbreitete sich sein Protest in Windeseile. Am Donnerstagnachmittag war es schliesslich so weit: Die Aktion erreichte die avisierten 138 815 Franken – drei Tage vor Sammelschluss. «Ich bin überwältigt», liess Kaufmann seine zahlreichen Supporter wissen. Gleichzeitig wurde der Musiker sozusagen über Nacht zu einer öffentlichen Person und ist von Reaktionen nur so überschwemmt worden. Darunter war neben viel Lob auch Kritik – und dies nicht nur aus Kreisen, die der SVP nahestehen. So störten sich manche daran, dass «20 Minuten» gleich doppelt profitiert: erst vom Inserat der SVP und nun von der Gegenkampagne.

SVP weist Vorwurf zurück

SVP-Wahlkampfleiter Albert Rösti weist den Vorwurf zurück, lediglich auf Klamauk zu setzen. Seine Partei habe von Anfang an klare Botschaften vermittelt – nämlich gegen einen EU-Beitritt, für eine konsequente Ausländerpolitik und für Arbeitsplätze. «Mit den beiden Songs machen wir unsere Wähler auf unterhaltsame Weise darauf aufmerksam.» Auf diesem Weg erreiche die SVP auch Leute, die mit Politik sonst nicht so viel am Hut hätten. Gemäss Rösti werden die beiden Lieder fleissig heruntergeladen. Dass Donat Kaufmann nun ebenfalls eine Frontseite von «20 Minuten» kauft, findet der SVP-Nationalrat legitim. «Es ist ihm unbenommen, seine Meinung kundzutun.»

Der umtriebige Student hat allerdings nicht nur die SVP im Visier. Deren Werbung sei bloss die Spitze des Eisbergs, sagt er. Der aktuelle Wahlkampf werde insgesamt nicht mit Inhalten, sondern mit Budgets bestritten.