WALLISER REGIERUNGSRATSWAHLEN: Darbellay wird aus den eigenen Reihen angegriffen

Der SVP-Politiker Oskar Freysinger spannt bei den Walliser Regierungswahlen mit einem prominenten CVP-Mann zusammen. Die Allianz richtet sich gegen Christophe Darbellay.

Tobias Bär
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Will es endlich in die Walliser Regierung schaffen: Christophe Darbellay (CVP). (Bild: Olivier Maire/KEY)

Will es endlich in die Walliser Regierung schaffen: Christophe Darbellay (CVP). (Bild: Olivier Maire/KEY)

Tobias Bär

 

Christophe Darbellay legte seine Karten früh offen. Bereits im Oktober 2013 kündigte er an, bei den kantonalen Wahlen vom März 2017 einen Sitz in der Walliser Regierung, dem Staatsrat, erobern zu wollen. Es ist der zweite Anlauf des CVP-Politikers für einen Platz in der fünfköpfigen Kantonsregierung. Beim ersten Versuch war Darbellay 2008 bereits in der parteiinternen Ausmarchung gescheitert. Dieses Mal schien sein Einzug ins Sittener Regierungsgebäude nach der Nomination durch die Unterwalliser CVP aber so gut wie sicher zu sein.

Doch seit Montag ist klar, dass es für den alt Nationalrat und ehemaligen Präsidenten der CVP Schweiz kein Spaziergang wird. Die SVP Wallis hat neben ihrem amtierenden Staatsrat Oskar Freysinger und der Briger Stadträtin Sigrid Fischer-Willa noch einen dritten Namen auf ihrer Kandidatenliste stehen – jenen von Nicolas Voide. Und Voide ist beileibe kein Verlegenheitskandidat. Der Notar politisierte von 1997 bis im vergangenen Jahr im Kantonsparlament, das er 2015 präsidierte. Vor allem aber ist Voide: ein CVP-Politiker. Noch dazu aus dem Bezirk Martigny – wo auch Darbellay wohnt. Gemäss der Kantonsverfassung darf aber jeder Bezirk nur einen Regierungsrat stellen.

CVP-Kantonalpräsident «tief enttäuscht»

Freysinger will seinen Schachzug auf Anfrage nicht als direkten Angriff auf Darbellay verstanden wissen. «Die Liste soll die rechtsbürgerlichen Walliser mit traditionellen Grundwerten ansprechen – das ist in meinen Augen die klare Mehrheit der Bevölkerung.» Der rechte Flügel der CVP werde von deren drei offiziellen Kandidaten – neben Darbellay sind dies der amtierende Staatsrat Jacques Melly sowie Nationalrat Roberto Schmidt – nur unzureichend abgedeckt, so Freysinger. «Ich will verhindern, dass ich mich in der neuen Regierung ganz alleine rechts der Mitte vorfinde.» Der Präsident der CVP Unterwallis, Serge Métrailler, schenkt den Aussagen von Freysinger keinen Glauben: «Das ist ein frontaler Angriff auf Darbellay.» Der ehemalige SVP-Nationalrat fürchte sich offenbar vor der starken Persönlichkeit Darbellays. Tief enttäuscht ist Métrailler von der wilden Kandidatur seines Parteikollegen Voide: «Als Präsident des Kantonsparlaments hat er noch den Respekt vor den Institutionen und dem politischen Prozess vorgelebt.»

Voide hätte seine offizielle Kandidatur anmelden oder sich an der Nominationsversammlung zu Wort melden können, so Métrailler. «Beides hat er nicht gemacht.» Stattdessen trete Voide nun gegen die in einem demokratischen Prozess nominierten Kandidaten seiner Partei an. «Und dies, ohne die Partei zu informieren. Ich habe von ihm nichts gehört. Kein Telefon, kein Hinweis, nichts», sagt Métrailler.

Subtiler Verweis auf Darbellays Seitensprung

Darbellay war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Gegenüber der Walliser Zeitung «Nouvelliste» sagte er, die Kandidatur von Voide sei klar gegen ihn gerichtet. Einen Hinweis darauf liefert das Communiqué des «Rechtsbürgerlichen Bündnisses» um Freysinger und Voide vom Montag. Zu den Grundlinien des Bündnisses zählt demnach die «Verteidigung der Familie als grundlegende Zelle eines gesunden und ausgeglichenen Staates». Im Herbst hatte Darbellay öffentlich gebeichtet, er sei soeben Vater eines unehelichen Kindes geworden, das er bei einem Seitensprung gezeugt habe. Er bitte seine Wähler um «Verzeihung». Ob ihm das konservative Wallis die Absolution erteilt, zeigt sich am 5. März.