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Kommentar

Priesteraffäre: Die Lügen wurden entlarvt – richtig so

Redaktor Leif Simonsen über das Vorgehen von Bischof Felix Gmür in der Priesteraffäre.
Leif Simonsen
Leif Simonsen.

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Ein Mann, der wegen Pädophilie verurteilt worden ist, will Pfarrer werden. Die Medien decken den Fall aus dem baselstädtischen Riehen auf, verhindern damit die Wahl, zerstören eine Karriere. Der Pfarrkandidat war beliebt, soll ein hervorragender Seelsorger gewesen sein. Wut und Fassungslosigkeit herrscht bei vielen Kirchgängern darüber, was die Berichterstattung angerichtet hat. Die Kirchgemeinde in Riehen steht vor einem Scherbenhaufen.

Felix Gmür, Bischof des Bistums Basel, legte gestern dar, warum er den verurteilten Mann als Pfarrer einsetzen, ihm eine zweite Chance geben wollte. Der Pfarrkandidat sollte im Sinne der Resozialisierung unter strengen Auflagen sein Amt ausüben dürfen. Nur unter Aufsicht sollte er mit Jugendlichen arbeiten dürfen. Aber vor allem sollte er der Kirchgemeinde reinen Wein einschenken. Der Entscheid, auf den vorbestraften Kandidaten zu setzen, ist zumindest fragwürdig. Gerade weil die katholische Kirche wiederholt betont hat, bei Übergriffen und Verdachtsfällen im Sinne des Opferschutzes konsequenter vorzugehen.

Bischof Gmür hätte den Strafbefehl nicht öffentlich machen können, ohne den Persönlichkeitsschutz zu ritzen. Anders verhielt sich die Situation der Medien. Sie kannten sämtliche Details. Und darum war diese Tatsache nicht tolerierbar: Am Informationsabend im Hinblick auf die Pfarrwahl vom 10. Februar blieb die Pädophilie-Verurteilung unter dem Deckel. Die Lügen des designierten Pfarrers verunmöglichten eine echte Meinungsbildung. Aufgabe der vierten Gewalt ist es, Transparenz herzustellen. Die Frage nach der zweiten Chance stellt sich erst, wenn alle relevanten Fakten bekannt sind.

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