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WECHSEL: Sie liebt den Schlagabtausch

Heute wird Nationalrätin Doris Fiala zur neuen Präsidentin der FDP-Frauen gewählt. Die Zürcherin strotzt nur so vor Energie – und hat eine bewegte Vergangenheit.
Doris Fiala (Bild: Martin Ruetschi/Keystone)

Doris Fiala (Bild: Martin Ruetschi/Keystone)

Doris Fiala ist eine Frau, die gerne redet, sehr sogar, und es gibt kaum eine Tonlage, die sie nicht in ihrem Repertoire hat. Die FDP-Nationalrätin kann schimpfen, über die Energiestrategie zum Beispiel, «dieses Subventionsmonster». Sie liebt den politischen Schlagabtausch und sagt, er bereite ihr «einen Lustgewinn», was auch Widersacher in der eigenen Partei schon zu spüren bekamen. Und die 60-Jährige wird auch gerne ein wenig pathetisch. Das tönt dann zum Beispiel so: Sie sei in der Politik, «weil ich mich für liberale Werte einsetzen will. Für sie brennt mein inneres Freuer».

Ein Prise Pathos, zumindest eine, wird die PR-Beraterin aus Zürich auch heute in ihre Rede mischen, wenn sie zur neuen Präsidentin der FDP-Frauen gewählt wird. Es ist die nächste Station einer klassischen politischen Ochsentour, die als Präsidentin eines Zürcher Stadtkreises begann. Später stand Fiala der FDP der Stadt und des Kantons Zürich vor, ehe sie 2007 den Sitz im Zürcher Gemeinderat gegen jenen im Nationalrat eintauschte.

Jetzt wird Fiala die höchste FDP-Frau, und natürlich will sie sich für die Frauen einsetzen, für die Lohngleichheit etwa, für Tagesschulen, mehr Steuergerechtigkeit oder eine Elternzeit nach der Geburt eines Kindes. Der Staat soll dabei, und da ist Fiala ganz die Liberale, eine kleine Rolle spielen. Von Frauenquoten hält die Mutter von drei Kindern, deren Mann einst aus der Tschechoslowakei in die Schweiz geflüchtet ist, nichts.

Wenn man sie fragt, ob der Staat in Sachen Lohngleichheit einschreiten soll, holt Fiala aus. Sie finde, sagt sie, dass es für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn geben müsse. «Aber das ist oft auch eine Frage des selbstbewussten, überzeugenden Auftretens. Ich will die Frauen dazu ermuntern – und dazu, Druck auszuhalten», sagt Fiala, die von sich selber sagt, sie ziehe ihre Energie auch aus der Arbeit. Das Wort Work-Life-Balance würde sie am liebsten verbieten.

Fiala betreibt in Zürich eine Agentur für Öffentlichkeitsarbeit, und als sie vor vier Jahren arg im Gegenwind stand, war ihr dieser berufliche Hintergrund eine grosse Hilfe. Plagiatsjäger deckten damals auf, dass Fiala beim Verfassen der Abschlussarbeit für eine Weiterbildung an der ETH seitenweise abgeschrieben hatte, ohne dies anzugeben. Fiala musste zwar einen medialen Sturm über sich ergehen lassen, doch ihre Krisenkommunikation war vorbildlich: Sie räumte ihre Fehler rasch ein und kündigte an, eine neue Arbeit zu schreiben. Auch die Aufregung um ihr 50000-Franken-Salär für ein Pensum von 20 Prozent als Präsidentin der Aids-Hilfe im Jahr 2012 überstand Fiala.

In Bern hat Fiala vor allem als Aussenpolitikerin Spuren hinterlassen. Ende Jahr will sie sich aus der Parlamentarierdelegation beim Europarat zurückziehen. Vielleicht tut sie das, um sich für das «schönste politische Exekutivamt der Schweiz» zu bewerben: einen Stadtratssitz in Zürich. So richtig will Fiala darüber nicht reden. Aber genug von der Politik hat sie noch lange nicht. Das unterstreicht sie mit fast jedem ihrer Sätze.

Dominic Wirth

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