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WEF: Davos im Banne Trumps

In Davos dreht sich alles um den Besuch des amerikanischen Präsidenten, der gestern mit grossem Gefolge in der Bündner Alpenstadt eintraf. Heute kommt es zu einem Treffen Trumps mit Schweizer Bundesräten.
Dominic Wirth, Davos
Alle Augen auf Trump: zuerst bei der Landung in Davos (rechts oben), dann bei seiner Ankunft im Hotel Intercontinental (rechts unten) und zuletzt im Gespräch mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. (Bilder: Evan Vucci/AP, Gian Ehrenzeller/Keystone, Carlos Barria/Reuters (Davos, 25. Januar 2018))

Alle Augen auf Trump: zuerst bei der Landung in Davos (rechts oben), dann bei seiner Ankunft im Hotel Intercontinental (rechts unten) und zuletzt im Gespräch mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. (Bilder: Evan Vucci/AP, Gian Ehrenzeller/Keystone, Carlos Barria/Reuters (Davos, 25. Januar 2018))

Dominic Wirth, Davos

Es ist kurz vor halb zwölf Uhr mittags, als Donald Trump am Himmel über Davos auftaucht. Und natürlich kommt einer wie er nur auf eine Art: mit Getöse. Ein Brummen in der Ferne kündigt den US-Präsidenten an, bald darauf schwebt seine Luft-Eskorte ratternd zwischen den verschneiten Hängen der Bündner Alpen. Wie riesige Insekten gleiten die Helikopter dann vom Himmel, landen gleich neben dem Davosersee, der in diesen Tagen nichts mehr als eine weisse Fläche ist. Am Schluss stehen sieben der mächtigen Fluggeräte auf dem Heliport, Super-Pumas der Schweizer Armee und Blackhawks der Amerikaner, und natürlich der Marine One, der Helikopter des Präsidenten. Donald Trump steigt aus jenem, der ganz am Schluss auf dem Davoser Schnee landet. Seine Frau Melania ist zu Hause geblieben.

Kurz darauf öffnen Polizisten die Tore des Landeplatzes, und schon rollt der Fahrzeug-Konvoi des Präsidenten auf die Hauptstrasse. An die 30 Fahrzeuge umfasst er. Trump sitzt in einem schwarzen Jeep, er will erst mal ins Hotel Intercontinental, dieses goldene Ei, das etwas ausserhalb des Davoser Stadtkerns auf einer Anhöhe am Waldrand steht. Und so wenig in die Bergwelt passt, dass man unweigerlich an Trump denkt und daran, wie er seit einem Jahr durch die Weltpolitik rast, einer Furie ähnlich.

Gegen Mittag hat Trump sein Ziel Davos also erreicht. Die Schweiz hält er zu diesem Zeitpunkt schon eine ganze Weile in Atem. Am Flughafen in Zürich wollen am Morgen so viele Menschen den US-Präsidenten landen sehen, dass die Kantonspolizei bald einmal dazu rät, nur mit dem öffentlichen Verkehr anzureisen. Das Schweizer Fernsehen zeigt die Landung der Air Force One per Livestream im Internet. Nun, da der hohe Gast im Davoser Hotel angekommen ist, herrscht plötzlich so etwas wie Ruhe. Doch lange bleibt das nicht so. Schliesslich ist Trump nicht in die Schweiz gekommen, um sich auszuruhen. Und überhaupt: Der Präsident sei niemals müde, sagt Edward Mc Mullen, der US-Botschafter in der Schweiz.

Für Trump sind die Strassen frei

In Davos geben in diesen Tagen die Verkehrsprobleme einiges zu reden. Doch gestern Nachmittag fährt auf der Promenade um halb drei Uhr plötzlich kaum noch ein Auto. «Fertig jetzt», ruft ein Verkehrskadett in oranger Kleidung, «Konvoi kommt», knattert es aus seinem Funkgerät. Auf den Davoser Strassen gilt das Motto «Trump first!». Für den US-Präsidenten riegeln Sicherheitskräfte die Strasse komplett ab; staufrei gelangt Trump ins Kongresszentrum. Am Strassenrand viele Schaulustige, Handys überall. «So etwas erlebt man doch nur einmal», sagt ein Teenager.

Videos werden von Trump noch viele gemacht, auch später, als ihn WEF-Gründer Klaus Schwab ins Kongresszentrum führt. Dort herrscht laut Beobachtern zwar Aufregung, aber auch eigentümliche Stille, als der US-Präsident einmarschiert. So richtig passt der Amerikaner eben nicht zu diesem Anlass, der so sehr für die globalisierte Wirtschaft steht. Er wünsche sich «Frieden und Wohlstand», ruft Trump derweil einem Reporter zu. Und lässt es sich nicht nehmen, eine Kopie des Buchs «God and Donald Trump» zu unterschreiben und triumphierend in die Höhe zu halten. Später trifft er die britische Premierministerin Theresa May und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu – und nimmt danach an einem WEF-Empfang sowie einem Abendessen teil.

Bundesrat soll für freien Handel eintreten

«Trump not welcome» – diese Botschaft hatten Aktivisten gestern am Ellshorn im Sarganserland auf ein 60 Meter langes Transparent geschrieben. Kletterer befestigten es in einer Felswand am Berg – in der Hoffnung, der US-Präsident bekomme es bei seinem Flug von Zürich nach Davos zu Gesicht. Dort wurde eine geplante Anti-Trump-Demonstration bereits Anfang Woche von den Behörden untersagt – sehr zum Missfallen etwa der Bündner SP. In der Stadt blieb es gestern bis am Abend ruhig.

Schweizer Politiker betonten derweil den Nutzen, den sie sich von Trumps Besuch in der Schweiz versprechen. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, der heute zusammen mit Bundespräsident Alain Berset und Aussenminister Ignazio Cassis einem Treffen mit Trump beiwohnen wird, freut sich etwa darauf, den 71-Jährigen «aus der Nähe erleben zu können». Im Vordergrund wird dabei die Kontaktpflege stehen; für vertiefte Gespräche ist das Zeitfenster zu knapp. «Ich werde wohl einfach sagen: My name is Ignazio Cassis. Nice to meet you», hat etwa Aussenminister Cassis diese Woche gescherzt.

Aussenpolitiker glauben dennoch, dass der morgige Termin des Bundesrats mit Trump etwas bringt. Es sei wichtig, den Kontakt zu pflegen, sagt Kathry Riklin (CVP/ZH). Und für Karin Keller-Sutter, die St. Galler FDP-Ständerätin, ist das Treffen eine gute Gelegenheit, die Bedeutung der bilateralen Beziehungen zu unterstreichen. Beide erwarten zudem, dass die Bundesräte die Wichtigkeit des freien Handels betonen – auch im Hinblick auf die morgige Rede Donald Trumps. Die wird in Davos mit viel Spannung erwartet, weil eigentlich nur etwas klar ist: Beim Amerikaner weiss man nie, was kommt.

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