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WEF: Wie sich Davos ein neues Gesicht gibt

Am Dienstag beginnt in Davos die 48. Ausgabe des Weltwirtschaftsforums (WEF). 2500 Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik werden erwartet. Damit diese gediegen logieren können, räumen selbst Chefs ihre Wohnung.
Dominik Buholzer
Tina Heide, General Managerin des Steigenbergers in Davos. Sie musste für das WEF ihr Appartement räumen. (Bild: Dominik Wunderli)

Tina Heide, General Managerin des Steigenbergers in Davos. Sie musste für das WEF ihr Appartement räumen. (Bild: Dominik Wunderli)

Dominik Buholzer

Am WEF gibt es auch für Tina Heide (42) keine Ausnahme: Vor wenigen Tagen musste die General Managerin des Steigenberger Grandhotels Belvédère Platz machen. Möbel, Kleider und alle anderen Habseligkeiten ihres Appartements im Hotel wurden feinsäuberlich in einen Container verpackt. Dort lagern sie nun für gut zehn Tage. Während aus Heides Appartement während des WEF ein Büro wird, muss sie sich in einem alten Holzhaus gleich neben dem «Belvédère» Dusche und WC mit sieben anderen Hotelangestellten teilen. «Ich tu mich jedes Jahr von Neuem schwer damit, aus meiner Wohnung zu gehen. Aber mittlerweile habe ich Übung darin», gesteht sie.

In Davos ist dies kein Einzelfall. Für das WEF begibt sich der beschauliche Ort in den Bergen in den freiwilligen Ausnahmezustand. Weil an vier Tagen gutes Geld verdient werden kann. Aber über diesen Teil schweigt man lieber wenige Tage vor dem Start der 48. Ausgabe des Stelldicheins der Weltwirtschafts­elite. «Ob das WEF ein gutes Geschäft ist? Es nimmt eine wichtige Position in unserer Jahresrechnung ein», sagt Tina Heide nur. «Das WEF ist in erster Linie harte Arbeit», schiebt sie nach.

8000 Gäste an einem einzigen Tag

Es ist vor allem eine Materialschlacht. Seit dem 8. Januar wird tonnenweise Ausrüstung nach Davos gekarrt. Das Entrée des Steigenberger Grandhotels Belvédère wurde durch einen temporären Anbau ergänzt, über dem sich die ­Redaktion des «Wallstreet Journals» einrichtet. Am WEF werden allein im Steigenberger 1000 Flaschen Champagner ausgeschenkt, 2000 Flaschen Wein und 6000 Flaschen Süssgetränke. Es braucht 1,5 Tonnen Eis, 1200 Portionen Rindsfilet und noch viel mehr. Gigantismus pur – dies drückt sich auch in den Gästezahlen aus. 8000 Personen gehen an einem WEF-Tag in Davos’ erster Hoteladresse ein und aus, normalerweise sind es 250. Während des WEF zählt das Steigenberger viermal mehr Angestellte. Die meisten Aushilfen kommen jedes Jahr von Neuem. «Das WEF ist für uns Angestellte schon fast wie ein Familienanlass», meint Heide. Immerhin das.

Das Stelldichein der Mächtigen ist nicht nur für die Hotels ein gutes Geschäft, sondern auch für Kleinbetriebe an der Promenade. Coiffeursalons räumen ihre Sachen weg, damit auslän­dische Grosskonzerne in ihren Räumen Gäste empfangen können. Die Arbeiter für die Umbauten reisen nicht selten aus dem Ausland an. Wie Barry Buxton: Der 49-jährige Brite ist seit Mittwoch in Davos und richtet für ein indisches Technologieunternehmen eine vorübergehende Vertretung ein. Eine Herausforderung sei dies, sagt er und meint damit nicht das Wetter. Das Schneetreiben kann ihm nicht die Laune verderben. Buxton läuft auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Shorts rum. «Mieses Wetter? Ach woher», sagt er, blickt in den verhangenen Himmel und lässt sein schallendes Lachen folgen. Nur die hohen Preise hier auf 1560 Metern über Meer findet er weniger lustig.

Davos will das WEF weiter an sich binden – doch für wie lange?

Diese werden auch Thema bei den Vertragsverhandlungen sein, die derzeit zwischen dem WEF und der Gemeinde Davos laufen. Der aktuelle Vertrag läuft heuer mit der 48. Ausgabe aus. Davos’ Landammann Tarzisius Caviezel hat dem Thema höchste Priorität eingeräumt. Die ersten Gespräche seien sehr positiv verlaufen, sagt er. «Ich gehe davon aus, dass auch noch die 50. Ausgabe bei uns stattfinden wird. Was aber danach kommt, werden die Verhandlungen zeigen», sagt er. Ein Wegzug des WEF wäre für Davos ein finanziell herber Verlust. Laut einer Studie der Universität St. Gallen aus dem Jahre 2015 beläuft sich der durch das WEF ausgelöste Gesamtumsatz für Davos auf zirka 50 Millionen Franken. Die Medienpräsenz soll einen geschätzten Marketingwert von 88 Millionen Franken haben.

Hoteldirektorin Tina Heide macht sich darüber keine Gedanken. Sie sagt: «Zuerst muss man mal einen Ort finden, wo die Einheimischen dermassen hinter dem Anlass stehen und die Einschränkungen, die das WEF mit sich bringt, einfach so über sich ergehen lassen.»

Steigt Trump gar nicht in Davos ab?

Die Sicherheitsbestimmungen sind in diesem Jahr nochmals verschärft worden, weil US-Präsident Donald Trump dem WEF am Freitag seine Aufwartung machen soll, wenn ihn der Budgetstreit nicht dazu zwingt, seine Reisepläne zu ändern. Die Bündner Regierung will dies nicht überbewerten. Die Sicherheits­bestimmungen seien zwar angepasst worden, sagt André Kraske vom WEF-Ausschuss der Bündner Regierung. «Wir sind es gewohnt, für die Sicherheit von internationalen Personen zu garantieren: Wir hatten Jassir Arafat schon in ­Davos, Simon Peres auch sowie US-Präsident Bill Clinton, und im vergangenen Jahr besuchte Chinas Präsident Xi Jinping das WEF», sagt er. Der Lead in dieser Angelegenheit liegt zudem «ganz klar bei uns», so Kraske. Das gelte auch im Falle von Trump: «Wir arbeiten mit dem Secret Service des amerikanischen Präsidenten genauso eng zusammen wie mit dem Bundesamt für Polizei.»

Was Trump wirklich nach Davos führt, ist niemandem so richtig klar. «Ui, schwierige Frage», sagt Landammann Caviezel. Regierungsrat Christian Rathgeb, Vorsteher des Departementes für Justiz, Sicherheit und Gesundheit, hofft auf den Geist von Davos: «Das WEF in Davos ist eine Plattform des friedlichen Dialogs. Wenn US-Präsident Donald Trump, der zweifellos polarisiert, an diesem Dialog teilnimmt, können wir dies nur begrüssen.»

Das ist die eine Unbekannte. Die andere ist: Wo steigt Trump ab? Gerüchten zufolge soll sich der Secret Service in Davos bereits in mehreren Hotels Zimmer für den Präsidenten gesichert haben und dann kurzfristig entscheiden, wo Trump logiert. Andere wiederum meinen, Trump steige gar nicht in Davos ab, sondern schlafe in Zürich. Tina Heide vom Steigenberger Grandhotel Belédère sagt, sie wisse es beim besten Willen nicht: «Für die Zimmervermietung ist das WEF zuständig. Wir erhalten relativ kurz vor dem Anlass eine Namensliste.» Doch Staatschefs werden oft sehr kurzfristig angekündigt – aus Sicherheitsgründen.

Heide würde es bedauern, wenn Trump nicht in ihrem Hotel absteigen würde. Schliesslich habe die US-Delegation in den letzten Jahren stets hier ihr Quartier bezogen. Und vor 18 Jahren hatte bereits der damalige US-Präsident Bill Clinton in dem Haus genächtigt. Sollte sie leer ausgehen, ist Heide aber nicht neidisch auf ihre Konkurrenten. Denn neben der Ehre wartet auf die unglaublich viel Arbeit: «Was dann abgeht, kann man sich gar nicht vorstellen.»

Oben links: (Bilder: Dominik Wunderli (Davos, 19. Januar 2018))

Oben links: (Bilder: Dominik Wunderli (Davos, 19. Januar 2018))

Barry Buxton – der 49-jährige Brite baut in Davos die Repräsentationsräume für einen indischen Technologiekonzern auf. (Bild: Dominik Wunderli)

Barry Buxton – der 49-jährige Brite baut in Davos die Repräsentationsräume für einen indischen Technologiekonzern auf. (Bild: Dominik Wunderli)

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