Wegen Plakatkampagne zur Quarantänepflicht – Israels Botschafter interveniert beim Kanton Zürich

Der Kanton Zürich erinnert Einreisende aus Risikoländern mit Plakaten an die Quarantänepflicht. Keine Freude daran hat der israelische Botschafter in Bern. Die Zürcher Behörden lassen seinen Protest aber ins Leere laufen.

Christoph Bernet
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Stein des Anstosses: Plakat zur Durchsetzung der Quarantänepflicht.

Stein des Anstosses: Plakat zur Durchsetzung der Quarantänepflicht.

Gesundheitsdirektion Kanton Zürich

Zunächst erhielt Israel für seine Strategie gegen das Coronavirus viel Anerkennung: Mit Einreisesperren, Quarantänemassnahmen und einem weitgehenden Lockdown ab Mitte März gelang es, die täglichen Neuinfektionen in den tiefen zweistelligen Bereich zu senken. Jetzt wird das Land mit voller Wucht von der zweiten Welle überrollt. Seit der Aufhebung der meisten Restriktionen im Mai hat die Anzahl neuer Fälle rasant zugenommen. Am Mittwoch registrierte Israel 2032 Neuinfektionen - der bisherige Höchstwert.

Aufgrund der epidemiologischen Lage hat das Bundesamt für Gesundheit das Land per 6. Juli als Risikogebiet eingestuft. Wer aus Israel in die Schweiz einreist, muss sich bei der zuständigen kantonalen Behörden melden und für zehn Tage in Quarantäne begeben. Dieselbe Verpflichtung gilt für Einreisen aus 41 anderen Gebieten und Staaten.

Botschafter ist «ziemlich schockiert»

Damit sich Einreisende aus Corona-Risikoländern auch wirklich an die Melde- und Quarantänepflicht halten, hat die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich am Dienstag eine Informationskampagne lanciert. Die von der Zürcher Werbeagentur Ruf Lanz entwickelte Kampagne umfasst digitale und analoge Plakatstellen, Webvideos sowie Radiospots. Angesprochen werden «Brasilien-Reisende», «Serbien-Reisende» oder eben auch «Israel-Reisende», wobei die Punkte auf dem «i» jeweils in Form eines Coronavirus dargestellt sind.

Keine Freude an der Kampagne hat der israelische Botschafter in der Schweiz, Jacob Keidar. Er sei «ziemlich schockiert» gewesen, als er erfahren habe, dass Einreisende aus Israel mit Plakaten gezielt angesprochen würden, zitiert das israelische Newsportal «Ynet» den Diplomaten. Die offiziellen Kanäle der Behörden der Schweiz und Israels wiesen bereits auf die Melde- und Quarantänepflicht hin und diese werde eingehalten, so Keidar.

Seit 2016 in Bern stationiert: Botschafter Jacob Keidar.

Seit 2016 in Bern stationiert: Botschafter Jacob Keidar.

Embassy of Israel in Switzerland

Israel habe auch keine Plakatkampagne für Einreisende aus der Schweiz gestartet, als die Fallzahlen hierzulande hoch waren, bemängelt der Botschafter. Er werde sich bei den Zürcher Behörden beschweren und verlangen, dass die Plakate, die sich an Israel-Reisende richteten, abgehängt werden, kündigte Keidar am Mittwoch gegenüber «Ynet» an.

Auf Nachfrage von CH Media bestätigt die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich, dass ein Schreiben des israelischen Botschafters eingetroffen sei. Doch seiner Forderung will man nicht nachkommen. Die Kampagne der Gesundheitsdirektion richte sich nach der Risikoländer-Liste des BAG. «Wir werden im Verlauf der Kampagne die Rückkehrer aus allen aufgeführten Ländern ansprechen, sie also gleich behandeln und aus diesem Grund nicht ein einzelnes Land von dieser Liste streichen», so ein Sprecher.

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