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WELTFUSSBALL: Fifa steuert auf Showdown zu

Vieles deutet darauf hin, dass die Fifa ihren Reformprozess nur noch halbherzig verfolgt. Das ruft die Kritiker auf den Plan. Sie befürchten, dass die Chefs der wichtigen Ethikkommission von Präsident Gianni Infantino abgesetzt werden könnten.
Jürg Ackermann
Gianni Infantino beim Medienbriefing nach dem Fifa-Kongress in Zürich. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone (14. Oktober 2016))

Gianni Infantino beim Medienbriefing nach dem Fifa-Kongress in Zürich. (Bild: Steffen Schmidt/Keystone (14. Oktober 2016))

Jürg Ackermann

Alles nur Gerüchte! Fatma Samoura, die Fifa-Generalsekretärin, versuchte zu beschwichtigen. In Interviews sagte sie kürzlich, sie stehe zu 100 Prozent hinter der Arbeit der Fifa-Ethikwächter Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbély. Und überhaupt: Die Fifa habe Wunder vollbracht, alles sei auf Kurs und die Krise vorbei.

Doch wer mit Personen spricht, die die Fifa von innen kennen, erhält ein anderes Bild. Viele zweifeln auch mehr als ein Jahr nach Amtsantritt von Gianni Infantino am Willen, den Reformprozess konsequent umzusetzen. Dieser ist für den Ruf des Weltfussballverbandes von entscheidender Bedeutung. Im Zentrum steht dabei die Ethikkommission, die wie keine andere Institution Glaubwürdigkeit und Integrität der Fifa verkörpert.

Eckert und Borbély sind weiter verunsichert

Das rigorose Durchgreifen und die Sperren gegen Blatter, Platini und Co. haben der Kommission in der Öffentlichkeit zwar viel Applaus eingetragen. Viele Funktionäre empfinden das konsequente Vorgehen jedoch auch als potenzielle Gefahr. Dies gilt mutmasslich auch für Präsident Infantino, der im letzten Jahr selber im Visier der Ermittler stand. Gemäss mehreren Quellen wartet Infantino darauf, einen Vorwand zu finden, um Eckert und Borbély loszuwerden. Offiziell verneint dies die Fifa. Gianni Infantino habe eine sehr positive Meinung von Eckert und Borbély, sagt ein Sprecher. Er habe sie schätzen gelernt. Zudem entscheide nicht er, sondern der Fifa-Kongress über die Zusammensetzung des Gremiums.

Auch wenn dies formal stimmt, kommt der Meinung des Präsidenten grosses Gewicht zu. Da Infantino mehr Geld ausschütten will und das WM-Teilnehmerfeld auf 48 Teams erweitert wird, hat er die Loyalität vieler Verbände wohl auch in dieser Frage auf sicher. Eine Einladung an den Fifa-Kongress vom Mai in Bahrain, wo die Wahlen stattfinden, haben Eckert und Borbély mittlerweile zwar erhalten. Doch ist zu hören, dass die Verunsicherung bei ihnen weiterhin gross sei und sie mit allem rechnen.

Auch andere Zeichen deuten nicht auf eine konsequente Umsetzung des Reformprozesses hin. So berief Infantino kürzlich Alejandro Dominguez zum Chef der wichtigen Finanzdelegation. Der Paraguayer steht dem südamerikanischen Verband vor, der wie kein anderer durch Korruptionsskandale erschüttert wurde. Auch an der Rollenteilung von Präsident Infantino und Generalsekretärin Samoura gibt es Zweifel. Infantino sei auch operativ die Nummer 1, heisst es von In­sidern, obwohl das dem neuen Fifa-Reglement widerspricht. Auch diese Vorwürfe stellt die Fifa in Abrede. Alejandro Dominguez habe alle Integritätschecks bestanden. Zudem würden Samoura und Infantino gut und eng bei klarer Rollenteilung zusammenarbeiten. Die Vorwürfe seien völlig aus der Luft gegriffen, heisst es bei der Fifa.

Beobachter sagen, es wäre trotz allem wichtig, dass nun auch von der Justiz ein Zeichen komme, um den Druck auf die Fifa aufrechtzuerhalten. Nur so bleibe sie auf dem Reformpfad. Seit der spektakulären Beschlagnahmung von Akten am Fifa-Hauptsitz 2015 und einem medial perfekt inszenierten Auftritt von Bundesanwalt Michael Lauber mit US-Justizministerin Loretta Lynch ist von der Bundesanwaltschaft in Sachen Fifa nicht mehr allzu viel zu hören. Sie sagt, die Datenberge seien zu gross, um bereits Ergebnisse vorlegen zu können. Eine Prognose, bis wann dies der Fall ist, wagt sie nicht. Seit Freitag ist der Aktenberg noch grösser. Die Fifa hat den Behörden weitere 20 000 Seiten «Beweismaterial» überreicht, die auch Verfehlungen der ehemaligen Fifa-Führung um Sepp Blatter belegen sollen.

Auch die Politik scheint nur noch wenig Interesse zu haben, der Fifa genau auf die Finger zu schauen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit versenkte der Nationalrat in der Frühlingssession einen harmlosen Vorstoss von Cédric Wermuth, der einen Bericht verlangte, ob die Rechtsform der Milliardenkonzerne Fifa oder Uefa noch zeitgemäss sei. Beide sind als Vereine organisiert. Der Bundesrat unterstützte das Begehren. Doch FDP, SVP und Teilen der CVP ging das zu weit. Das Ergebnis ist insofern keine Überraschung, als die Fifa ihre Lobby-Arbeit in der Wandelhalle zuletzt deutlich verstärkte.

Roland Büchel, der als einziger SVP-Nationalrat für die Motion stimmte, sagt: «Die Politik hat es verpasst, ein Zeichen zu setzen. Die Gefahr ist gross, dass die Schweiz als Standort der Fifa erneut einen massiven Imageschaden erleidet, wenn der Verband den Reformprozess stoppt und in alte Korruptionsmuster zurückfällt.»

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