Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kommentar

Weltspitze, aber überfordert: Die ETH hat im Mobbing-Fall versagt

Zum ersten Mal in ihrer 164-jährigen Geschichte hat die ETH eine Professorin entlassen - wegen Mobbing-Vorwürfen. Dass es ausgerechnet eine Frau trifft, ist unschön, aber nicht das Hauptproblem.
Patrik Müller

Wie die ETH den Mobbing-Fall um Astronomie-Professorin Marcella Carollo gemanagt hat, ist einer Hochschule von Weltruf unwürdig. Erstens hätte der Fall gar nie derart eskalieren dürfen – ein gutes Frühwarnsystem hätte die Missstände bereits vor Jahren identifizieren müssen. Zweitens wirkt die Entlassung voreilig, sie erfolgte zu einem Zeitpunkt, als die Vorwürfe noch zuwenig abgeklärt waren. Der ETH-Rat konnte am Ende gar nicht anders, als diese zu bestätigen, sonst wäre die Schulleitung komplett desavouiert gewesen.

Aussage gegen Aussage: Astronomie-Professorin Marcella Carollo. (Bild: zvg)

Aussage gegen Aussage: Astronomie-Professorin Marcella Carollo. (Bild: zvg)

Der Massstab ist besonders streng anzulegen, weil es die erste Professoren-Entlassung in der Geschichte der ETH ist. Hier bleibt ein sehr ungutes Gefühl zurück. Denn es steht Aussage gegen Aussage: Doktorierende fühlen sich von Carollo gemobbt, Carollo fühlt sich von den Doktorierenden gemobbt. Wer hat Recht? Das lässt sich von aussen kaum beurteilen.

Doch hellhörig macht, dass Carollo vor den plötzlichen, orchestrierten Mobbing-Vorwürfen der Doktoranden nie verwarnt oder in einem Mitarbeitergespräch auf Fehlverhalten hingewiesen wurde. Allein das stellt ihren Vorgesetzten ein schlechtes Zeugnis aus.

Fragwürdig ist schliesslich, dass die ETH nun ausgerechnet an einer Frau ein Exempel statuiert hat. Die ETH ist 164 Jahre alt, und die ersten 130 Jahre unterrichteten hier keine ordentlichen Professorinnen. Gab es in all den Jahren noch nie mobbende Männer, die auch hätten entlassen werden müssen? Der Fall hinterlässt den Eindruck einer überforderten Uni-Führung. Sie muss über die Bücher, denn der nächste Krisenfall kommt bestimmt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.