Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WELTWIRTSCHAFTSFORUM: Davoser Landammann: «Trump als Gast zu beherbergen, macht uns stolz»

Der Davoser Landammann Tarzisius Caviezel ist eigentlicher Gastgeber des WEF. Als solcher ist er stolz darauf, dass er sowohl den amerikanischen als auch den chinesischen Präsidenten zu den Gästen zählen darf.
Richard Clavadetscher
Tarzisius Caviezel, Landammann von Davos. (Bild: PD)

Tarzisius Caviezel, Landammann von Davos. (Bild: PD)

Tarzisius Caviezel, was alles fällt beim WEF denn in die Zuständigkeit des Land­ammanns und der Gemeinde Davos?

Das ist nur eine einzige, aber gleichzeitig die schönste Sache: Die Gemeinde Davos ist Gast­geberin. Und als Landammann darf ich derjenige sein, der dieser Gastgeberfunktion Ausdruck gibt. Darüber hinaus haben wir mit der Organisation des WEF nichts zu tun. Wir haben selbstverständlich die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, und wir sind besorgt dafür, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Darum kümmern wir uns natürlich.

Sind Sie während des WEF denn noch Herr im Haus?

Wenn Sie das Gemeindehaus meinen, ist Folgendes zu sagen: Wir haben im Rathaus einen sehr schönen alten Saal, die Grosse Stube. In ihr tagte früher das Parlament. Diese Stube stammt aus dem Jahr 1564 und hat wunderschöne Intarsien und Glasmalereien. Wir stellten sie in den letzten Jahren immer dem Bundespräsidenten, aber auch den übrigen Bundesräten zur Verfügung, damit sie ihre Gäste und Gesprächspartner in einem würdigen Rahmen empfangen konnten. Trotzdem bin ich natürlich noch Herr im Gemeindehaus. Was aber Davos insgesamt betrifft, ist dies schon schwieriger angesichts all der Persönlichkeiten, die jeweils anwesend sind.

Macht der Landammann auch Networking am WEF?

Er macht es in jenem Mass, das ihm zusteht. Aus meiner Zeit als Nationalrat kenne ich das politische Personal und jenes aus der Verwaltung. Diese Kontakte pflege ich. Es ist im Leben ja immer ein Geben und Nehmen. Man profitiert in diesen Tagen von uns – etwa bei der Zurverfügungstellung der erwähnten Stube. Wenn anderseits einmal die Gemeinde Davos etwas braucht, erlaube ich mir dann auch, auf unkomplizierte Art und Weise auf diese Leute zuzugehen.

In diesem Jahr kommt der amerikanische Präsident. Macht das auch stolz? Trump kommt nach Davos; Bern lässt er links liegen.

Natürlich macht uns das stolz. Wir waren es schon im letzten Jahr, als der chinesische Präsident kam. Welche Schweizer Gemeinde hat schon die Chance, einen chinesischen und einen amerikanischen Präsidenten für ein, zwei Tage zu beherbergen?!

Nun entscheidet ja das WEF, wer eingeladen wird – und Davos, Graubünden, die Schweiz tragen die Konsequenzen. Würden Sie sich mehr Mitsprache wünschen?

Nein, das WEF ist ein Kongress und da haben wir wie bei allen übrigen Kongressen kein Anrecht, auf die Teilnehmerliste Einfluss zu nehmen. Aber in Bezug auf die Sicherheitskosten ­haben wir durchaus Mitspracherecht, dort existiert ein klarer Verteilschlüssel. Im Übrigen sehen auch wir die Vorteile, die zum Beispiel die Schweiz aus diesen Jahrestreffen zieht. Bundesrat Schneider-Ammann sagte mir einmal, wenn er all die einzelnen Minister aufsuchen müsste, die er hier treffen kann, wäre er drei Monate unterwegs – wenn es ihm denn gelänge, sie zu treffen.

Davos macht etliche Millionen Umsatz mit dem WEF. Da hat man am Ort selber wohl keine Gegner des Anlasses?

Es sind etwa 60 Millionen Franken an Wertschöpfung in der Schweiz durch das WEF, der grösste Teil davon in Davos. Die Bevölkerung steht dem WEF tatsächlich mehrheitlich positiv gegenüber. Aber es gibt natürlich auch Leute, die nicht profitieren, dafür mit den Begleiterscheinungen konfrontiert sind. Sie werden alles etwas weniger positiv sehen, das ist klar.

Fast schon ein Politikum ist ja jeweils die Preisexplosion. Selbst ein Bett im Massen­lager kostet das Zehnfache. Ein Ärgernis auch für Sie?

Ja, das ist ein Ärgernis, unbestritten. Allerdings muss man sagen, dass es eine relativ kleine Zahl von Betrieben und Privaten ist, die hier Grenzen überschreitet. Der allergrösste Teil der Betriebe arbeitet seriös und professionell. Als Gemeinde haben wir da leider keine Eingriffsmöglichkeiten; wir müssen es hinnehmen, dass es diese Ausreisser gibt.

Interview: Richard Clavadetscher

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.