Weniger Verlässlichkeit auf der Strasse

Auch auf den Schweizer Strassen ist es um die Pünktlichkeit nicht mehr so gut bestellt. Doch beim Bund gibt es durchaus Ideen, wie die Situation entschärft werden könnte.

Niklaus Vontobel
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Stau vor dem Gotthard. (Bild: Keystone)

Stau vor dem Gotthard. (Bild: Keystone)

Strassenverkehr Die Schweiz als pünktlichstes Land der Welt – das sei nicht bloss ein Klischee. «Wenn man sich mehr als fünf Minuten verspätet, sollte man dies telefonisch mitteilen.» So wird es dem Neuankömmling in gewissen Kantonen von Amtes wegen ans Herz gelegt als «Information für einen guten Start am neuen Wohnort». Vom Schweiz-Bild solcher kultureller Ratgeber hat sich der Schweizer Alltag jedoch zuletzt weit entfernt, zum Beispiel im nationalen Strassenverkehr. Auf der Autobahn A1 zwischen Zürich und Bern etwa geht es längst nicht mehr um ein paar wenige Minuten, sondern um eine Stunde. In dieser zeitlichen Kategorie muss der Autofahrer mittlerweile denken auf der A1, der mit Abstand am meisten befahrenen Nationalstrasse der Schweiz.

Diese neue Schweizer Realität fern aller Pünktlichkeit beklagte kürzlich selbst der Direktor des Bundesamts für Strassen (Astra) im Interview mit der NZZ: «Ärgerlich ist, dass Sie nicht mehr wissen, ob Sie von Zürich nach Bern 70 Minuten brauchen oder zweieinhalb Stunden», sagte Jürg Röthlisberger. Auf der Strasse sei diese Verlässlichkeit verloren gegangen, was eigentlich eine Zumutung sei, so der Direktor.

Zweistöckige Autobahnen

Immerhin glaubt der Astra-Direktor zu wissen, dass sich die Pünktlichkeit zurückholen lässt. Wobei die Schweiz teilweise bauliches Neuland betreten würde. Im Limmattal zwischen Zürich und Brugg AG könnte die A1 künftig doppelstöckig geführt werden. Unten ginge dann der Verkehr von Zürich nach Bern durch, oben der Gegenverkehr – oder umgekehrt. Doch das Astra hat auch Mittel, die weniger drastisch wären für das Landschaftsbild. Neue Tunnel gehören dazu. Oder zu Stosszeiten die Tempoobergrenze auf 80 Kilometer pro Stunde zu senken, weil der Verkehr so deutlich flüssiger wird. Auf 400 Kilometern kann bereits auf Tempo 80 umgeschaltet werden, weitere 800 Kilometer sollen folgen. So wird bekämpft, was hinter der verlorenen Pünktlichkeit steht: die Überbelastung. Der Verkehr hat sich verdoppelt seit 1990. Die Staustunden nahmen gar noch schneller zu: auf der A1 in den letzten neun Jahre um den Faktor 2,5. Gemäss offiziellen Prognosen wird es bis 2040 in diesem Stile weitergehen. Auf den am stärksten befahrenen 160 Kilometern würde der Verkehr dann täglich zwei bis vier Stunden stocken oder ganz still stehen.