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Wer verwaltet die Rütli-Wiese? Hymnen-Streit löst Kontroverse aus

Eine konservative Vereinigung gelangt mit einem Brief an den Bundesrat: Die bisherige Verwalterin der Rütliwiese soll abgesetzt werden. Grund ist deren Engagement für eine neue Nationalhymne.
Michel Burtscher
Heute wird die Rütliwiese von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft verwaltet. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Heute wird die Rütliwiese von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft verwaltet. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Die Urner CVP-Regierungsrätin Heidi Z’graggen wird da sein, zudem der Waadtländer FDP-Nationalrat Laurent Wehrli und der Schaffhauser SVP-Ständerat Hannes Germann: Zusammen mit der Bevölkerung werden sie auf dem Rütli den 1. August feiern. Organisiert wird der Anlass wie immer von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG), die die historische Wiese am Vierwaldstättersee im Jahr 1860 der Eidgenossenschaft schenkte und sie seither verwaltet.

Doch das soll sich nun ändern: Die Vereinigung «Neuer Rütlibund» fordert, dass der Bundesrat der SGG die Verwaltung des Rütli entzieht. Das schreibt die Vereinigung in einem Brief an die Landesregierung, den sie heute abschickt. Das Schreiben liegt der CH-Media-Redaktion vor. Künftig soll demnach die Verwaltung von einer noch «zu gründenden, paritätisch zusammengesetzten Stiftung» übernommen werden.

Streit um Nationalhymne als Auslöser

Pirmin Müller, Präsident «Neuer Rütlibund» (Keystone)

Pirmin Müller, Präsident «Neuer Rütlibund» (Keystone)

Hintergrund der Forderung ist, dass die SGG seit einigen Jahren versucht, eine neue Nationalhymne zu etablieren, da sie die aktuelle als veraltet erachtet. 2014 lancierte die SGG dafür einen Wettbewerb. Seither wirbt sie für den neuen Text, der mit «Weisses Kreuz auf rotem Grund, unser Zeichen für den Bund» beginnt. Daran stört sich die Vereinigung «Neuer Rütlibund», die sich selbst als «christlich-patriotisch» bezeichnet und gemäss eigenen Angaben rund 1000 Mitglieder hat. Präsident Pirmin Müller, der für die SVP im Luzerner Kantonsrat sitzt, sagt:

«Die bestehende Hymne passt zur Schweiz und unseren Traditionen. Vom neuen Text kann man das nicht mehr behaupten, in dem Gott nicht mehr erwähnt wird und der den christlichen Wurzeln der Schweiz damit nicht gerecht wird.»

Trotzdem versuche die SGG seit Jahren, ohne offiziellen Auftrag eine neue Hymne durchzudrücken, kritisiert Müller. Besonders stört er sich daran, dass die SGG die neue Version jeweils auch an der Bundesfeier auf dem Rütli singen lässt. Müller sagt: «Die SGG missbraucht die Rütliwiese zu eigennützigen Propagandazwecken.» Das sei mit ihrer Funktion als Verwalterin nicht vereinbar, findet er.

Bei der Landesregierung dürften Pirmin Müller und seine Mitstreiter mit ihrer Forderung einen schweren Stand haben. Der Bundesrat hielt schon 2014 in einer Antwort auf einen Vorstoss des Nidwaldner SVP-Nationalrat Peter Keller fest, dass «die Bemühungen der SGG um eine Nationalhymne nicht zu beanstanden» seien. Es gebe daher keinen Grund, die Verwaltung des Rütli durch die SGG in Frage zu stellen.

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