Dialog: Wer wird «Herr Bundesrätin»?

Wer wird «Herr Bundesrätin»?

Morten Keller-Sutter oder Maurice Pedergnana sind den wenigsten Leuten im Land bekannt. Doch am 22. September gegen Mittag könnte sich dies rasch ändern: Dies sind die engsten Angehörigen der chancenreichsten Kandidatinnen für den Bundesrat.

Drucken
Teilen
Wer wird «Herr Bundesrätin»?
5 Bilder
Maurice Pedergnana
Morten Keller-Suter
Wer wird «Herr Bundesrätin»? von Johann Schneider-Ammann: Katharina Schneider-Ammann, offenbar Tierärztin
Lukas Hartmann – bald Bundesrätin-Ehemann?

Wer wird «Herr Bundesrätin»?

Keystone

Niklaus Ramseyer

Die beiden Herren geben sich medienscheu: «Ich kann weder zur Wahl noch privat etwas sagen», erklärt Professor Maurice Pedergnana fernmündlich aus China. Und Dr. Morten Keller-Sutter lässt ausrichten, er sei «zu keiner Stellungnahme» bereit.

Dabei wäre es nur um die Frage gegangen, ob sie sich freuten, bald schon auf Banketten mit Staatsmännern und Royals aus aller Welt zu tafeln und zu konversieren. Pedergnana und Keller-Sutter nämlich sind die Ehemänner der beiden chancenreichen Bundesratskandidatinnen Jacqueline Fehr (SP, ZH) und Karin Keller-Sutter (FDP, SG).

Die Zurückhaltung der zwei Ehemänner ist verständlich: Seit die erste FDP-Bundesrätin Elisabeth Kopp 1989 über ihren Gatten, den umstrittenen Zürcher Anwalt Hans W. Kopp, aus dem höchsten Amt im Land gestolpert ist, halten sich die Angehörigen der Mitglieder der Landesregierung eher zurück.

Als sich Frau Bundesrätin Silvia Blocher 2007 im Zürcher Hinterland mit ihren ultrakonservativen Thesen in den Wahlkampf einmischte, löste sie Befremden aus. Frau Blocher ist ja nur darum bekannt, weil sie die politischen Positionen ihres Mannes Christoph noch radikaler vertritt als er selber.

Der bekannte Schriftsteller

Ganz im Gegensatz zu Lukas Hartmann: Der heute 65-jährige Berner Lehrer, der eigentlich Hans Rudolf Lehmann heisst, hatte sich schon als Kinderbuchautor («Anna annA») einen Namen gemacht. Inzwischen ist er dem literarisch gebildeten Publikum unter seinem Pseudonym als erfolgreicher Autor historisch recherchierter Romane («Die Mohrin» oder «Die Tochter des Jägers») ein Begriff.

Und dies unabhängig von seiner Ehefrau, der bekannten Konsumentenschützerin und Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga. Die gelernte Pianistin hat als Erste ihre Ambitionen auf die Nachfolge Moritz Leuenbergers angekündigt.

Hartmann, der Ende August einen grossen Berner Literaturpreis entgegennehmen kann, räumt seine zwiespältigen Gefühle bezüglich seiner möglichen neuen Nebenrolle als Herr Bundesrätin offen ein.

Ähnlich unabhängig von seiner Ehefrau hat auch Maurice Pedergnana (46), der Mann der Winterthurer SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr, Karriere gemacht. Fehr gilt als nicht minder aussichtsreiche Aspirantin für Leuenbergers Sitz im Bundesrat. Sie will am Montag bekannt geben, ob sie kandidiert.

Pedergnana ist ein ausgewiesener Finanz- und Bankfachmann. Er ist mitunter stellvertretender Leiter eines Instituts für Finanzdienstleistungen in Zug (IFZ), Geschäftsführer der Swiss Private Equity & Corporate Finance Association (SECA) und mehrfacher Verwaltungsrat – etwa bei seiner Zugerberg Finanz AG und bei der Zürcher Kantonalbank.

Der Mann der SP-Frau ist somit Teil jener aufgeblähten Finanzwirtschaft, vor der im Chor mit linken Politikern inzwischen auch bürgerliche Vertreter der real produzierenden Wirtschaft eindringlich warnen.

Kürzlich hat Fehr via Presse die schmerzliche Trennung von Pedergnana nach 17 Ehejahren bekannt gegeben. Die «Weltwoche» walzte die Kurzmeldung dankend aus. Verfehlungen oder gar Leichen im Keller konnte das Blatt indes weder Fehr selber nachweisen, noch ihrem Noch-Gatten.

Kellers Leichen im Schrank

Gleich mehrere Leichen hat derweil Morten Keller-Sutter (46) meist im Kühlschrank. Aber nicht im wirtschaftskriminellen oder politischen Sinne. Sondern wörtlich: Der Dr. med., der mit der St. Galler FDP-Regierungsrätin Karin Keller-Sutter seit 21 Jahren verheiratet ist, leitet das Institut für forensische Medizin der Uni Zürich.

Seine Obduktionen folgten stets demselben Schema, gab der Gerichtsmediziner dem «Unimagazin» 2008 zu Protokoll: Brust, Bauch und Schädel der Leichen würden «freigelegt». Die Organe untersucht und Gewebeproben entnommen. Dabei unterziehe er den toten Körper einer «intensiven Lektüre», um «die Geschichte eines Todes» zu erklären.

Der Chef eines Grosskonzerns und eine Hundezüchterin

Anders als noch zu Kopps Zeiten, findet man solches heute meist im Internet. Bei Katharina Schneider-Ammann, der Ehefrau des freisinnigen Spitzenanwärters für die Merz-Nachfolge, Nationalrat Johann Niklaus Schneider-Ammann, herrscht hingegen worldwide Fehlanzeige.

Bekannt ist dennoch: Statt Tierarzt zu werden, wie sein Vater dies wünschte, studierte Schneider Ingenieur und heiratete die Tochter des prominenten Langenthaler FDP-Nationalrats und Baumaschinen-Unternehmers Ulrich Ammann.

Später übernahm er die Leitung der Firma seiner Frau und baute diese kontinuierlich zum weltweit operierenden Konzern Ammann Group aus. Frau Katharina hingegen studierte Veterinärmedizin. Heute ist sie Tierärztin in Langenthal und züchtet erfolgreich Labrador-Hunde.