Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

WERBUNG: Der unerwartete Fernseh-Star

Der TV-Spot der Fischer Bettwarenfabrik ist eine Perle des Schweizer Werbefernsehens. Wie konnte ein so gewöhnlicher Spot so erfolgreich werden?
Anna Miller
«Mit Fädere vo tote Tier.» Ernst Fischer überzeugt dank Glaubwürdigkeit. (Bild: Screenshot Youtube)

«Mit Fädere vo tote Tier.» Ernst Fischer überzeugt dank Glaubwürdigkeit. (Bild: Screenshot Youtube)

Anna Miller

Er solle sich hinstellen und Bettfedern auf sich regnen lassen, das gebe ein schönes Bild, sagte der Werber. Aber Ernst Fischer entgegnete ihm: «Uf wiederluege, danke villmal, das bruch ich nöd.» Er lasse doch keine Federn auf sich regnen, erklärt Ernst Fischer, und seine grossväterliche Stimme, die wir alle aus dem Fernsehen kennen, wird lauter. Er lehnt sich in seinem weissen Kittel übers Pult in seinem Büro, hinter ihm ein grosses Fenster mit Sicht auf den Zürichsee. «Wo bleibt denn da meine Glaubwürdigkeit? Federn und Daunen sind hygienisch», sagt er, sie sind gereinigt, entstaubt und sortiert. Das ist eine ernste Angelegenheit.

TV-Spot macht den Patron zur Ikone

Zwischen 30 und 60 Kunden fahren jeden Tag vor die Daunen-Tore der Fischer Bettwarenfabrik in Au bei Wädenswil und «chönd direkt zue luege», wie ihre Daunenfedern in den Trocknungs- und Entstaubungstrommeln ihre Runden drehen.

59 Sekunden ist der Werbespot über die Fischer Bettwarenfabrik lang. Keine Sekunde länger, ab einer Minute Werbefilm rechnet das Fernsehen mit anderen Preisspannen. 59 Sekunden lang läuft Ernst Fischer in seinem immergleichen weissen Kittel durch die Spannteppich-Halle und richtet seine Daumen in stoischer Ruhe auf seine Maschinen.

Der Werbefilm ist eine Erfindung von Ernst Fischer selber; ein Paar vom Patron am Schreibtisch skizzierte Szenen, die ein Kameramann innert wenigen Stunden filmte. Drei renommierten Werbeagenturen hatte der 79-Jährige zuvor einen Korb gegeben. Und er sollte Recht behalten: Der Spot ist mittlerweile legendär, Ernst Fischer eine Ikone. Kaum jemand in der Schweiz, der den Spot nicht gesehen hat. Kaum einer, der sich nicht ein Lachen verkneift. Doch in der Werbebranche wissen alle: Was dem Fischer gelungen ist, davon träumen sie alle.

Bieder, aber authentisch

Der Zürcher Werber Frank Baumann sagt, Ernst Fischer und sein Spot seien Unikate, etwas, das der heutige Werbemarkt gar nicht mehr erfinden könnte. «Herr Fischer ist die Quadratur der Biedrigkeit. Er ist genau so, wie man sich die alten Leute in ihren Coiffeur-Kitteln früher vorgestellt hat. Aber er ist authentisch. Er lügt nicht, er beschönigt nicht.» Fischer sei seiner Zeit weit voraus. Er stehe als Unternehmer für das ein, was er tue. «Gute Werbung ist anachronistisch. Sie tut das, was andere nicht tun. Und in Zeiten, in denen alle nackte Frauen ins Fernsehen stellen und Millionen für einen Spot ausgeben, ist Ernst Fischer eine Oase der Ruhe.»

Seit 1962 im Geschäft

Angefangen hat das Daunen-Märchen von Ernst Fischer 1962. Zusammen mit einem Sattlermeister aus Horgen beginnt Fischer, Federn zu reinigen, in einem kleinen Schuppen. Der Kollege lässt ihn fallen, reisst das Geschäft an sich, also fährt Fischer alleine von Haus zu Haus und fragt die Hausfrauen aus Horgen an, ob sie Federn zu reinigen haben. «Die Frauen suchten das, niemand aus der Gegend reinigte Bettwaren, Duvets und Kissen. Aber sie blieben misstrauisch. Immer fragten sie: Bekomme ich meine Ware denn auch wieder?» Nach ein paar Jahren wurde es Fischer zu blöd, er sagte sich: Sollen sie doch selber kommen, und zuschauen, was mit ihren Daunen passiert. Dann haben wir alle endlich unseren Frieden.

Die Frauen kamen in Scharen. Fischer stellte einen Chauffeur an, der die Kissen und Decken abholte, in Wädenswil an der Zugerstrasse hat er den Firmensitz. Seine Frau und er schufteten von morgens um halb sechs bis zehn Uhr abends, jeden Tag. Eines Tages kam der Inhaber und sagte: Fischer, ich baue eine Fabrik, gleich hier um die Ecke. Und ich glaube, die wäre was für dich. 1976 mietet Fischer die heutige Fabrik. Zehn Angestellte arbeiten heute hier, zwei Steppmaschinen und rund ein Dutzend Reinigungstrommeln sind täglich in Betrieb.

Auch im nationalen TV zu sehen

Zurück zum TV-Spot: Ein paar tausend Franken hat ihn die Produktion gekostet. Zum ersten Mal lief die Werbung 2002 auf Tele Züri. Seit zwei Jahren läuft der Spot nun auch im Schweizer Fernsehen. Wann der Spot gesendet wird, und wie oft, weiss der Firmenpatron nicht. «Ich habe da einen Deal. Die Leute vom Fernsehen streuen meinen Spot immer dann rein, wenn da eine Lücke ist. So wirds billiger», sagt er und nickt zufrieden. Vor ein paar Monaten wurde Fischer in der Satire-Sendung «Giacobbo/Müller» des Schweizer Fernsehens persifliert, «per Zufall lief bei uns daheim grade der Fernseher», sagt Fischer. «Han müesse lache.» Gestört habe ihn das nicht. «Das git au Werbig, wüsset Sie. Da chan vo mier us jede Tag eine cho und en Gag über mich mache.»

Besucher wollen ein Selfie mit Fischer

Stolz erzählt Fischer eine Geschichte, die sich jüngst ereignet hat: «Vor ein paar Wochen waren hier vier Frauen vom Bodensee zu Besuch. Eine Geburtstagsreise, mit dem Car kamen sie angefahren, zuerst gabs Cüpli für alle, danach einen Besuch in der Fischer Bettwarenfabrik in Au bei Wädenswil.» Er habe die Delegation extra kurz empfangen müssen; für ein Erinnerungsfoto. «Das kommt fast täglich vor, dass da einer mit mir ein Foto machen will, das ist nichts Besonderes mehr», sagt Fischer.

Üben mit dem Nachfolger

70 Prozent der Kunden seien Stammkunden. Fischer hat Kunden aus Italien, aus Deutschland. Allergiker, Junge, Alte, Stammkunden, Neue. «Viele Frauen sagen mir: Einkaufen gehen will mein Mann nie. Aber hierher kommt er mit.»

Nächstes Jahr wird Herr Fischer 80 Jahre alt. Der Daunenkönig wird sein Imperium an seinen Stellvertreter weitergeben. Wann, ist noch unklar. Auch ein neuer Spot soll es dann geben. «Keine Angst, ich werde mit meinem Nachfolger üben. Ich han scho alles ufgsetzt», sagt Ernst Fischer mit einem Lächeln.

Bonus: Schauen Sie sich den legendären TV-Spot online an www.luzernerzeitung.ch/bonus

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.