Finanzplatz

Widmer-Schlumpf fordert für alle Finanzplätze gleich lange Spiesse

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf will gleich lange Spiesse für alle Staaten und Finanzplätze. Ziel sei es nun, bestmögliche Rahmenbedingungen für den Schweizer Finanzplatz zu schaffen.

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Bundesrätin Widmer-Schlumpf (Archiv)

Bundesrätin Widmer-Schlumpf (Archiv)

Keystone

Um dieses Ziel zu erreichen, müsse sich die Schweiz mit den anderen Finanzplätzen abstimmen und alles daran setzen, ihre Anliegen in den internationalen Gremien mit Nachdruck einbringen. Nur so könne verhindert werden, dass für den Finanzplatz Schweiz Wettbewerbsnachteile entstehen, schreibt Widmer-Schlumpf in einem Gastkommentar, der am Freitag auf NZZ Online publiziert wurde.

Im Nachgang zur globalen Finanzkrise und mit der Globalisierung gewinne die internationale Zusammenarbeit im Steuerbereich zunehmend an Bedeutung. Bei der Bekämpfung von grenzüberschreitender Steuerhinterziehung spricht sich Widmer-Schlumpf für das Quellensteuermodell aus. Bei diesem wird die Steuer dort erhoben, wo das Einkommen erzielt wird, und dann an den Wohnsitzstaat überwiesen. Dieses sei effizienter und habe sich in der Praxis bewährt, schreibt die Bundesrätin.

Standards mitentwicklen

Das Informations-Austauschmodell, bei dem Informationen über das erzielte Einkommen dem Wohnsitzstaat übermittelt werden, sei komplizierter, und ob es wirklich funktioniere, müsse sich noch zeigen, so Widmer-Schlumpf. Doch die G20- und OECD-Staaten sind sich einig, dass Anfang 2014 ein globaler Standard für einen automatischen Informationsaustausch (AIA) vorliegen soll.

Anstatt sich dieser Entwicklung zu verschliessen, solle die Schweiz diese Standards mitentwickeln helfen und darauf hinarbeiten, dass für alle Finanzplätze die gleichen Regeln gelten. Bern solle versuchen, eigene Anliegen wie die Einhaltung des Datenschutzes und der Reziprozität zwischen den Ländern durchzubringen.

Unabdingbarer Bestandteil steuerlicher Konformität für die Zukunft sei es, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen zu können, schreibt die Finanzministerin. Halte sich die Schweiz nicht an die international akzeptierten Regelungen, sei mit einem Reputationsschaden zu rechnen.

Abkommen ausbauen

Widmer-Schlumpf nennt in diesem Zusammenhang den 2009 akzeptierten OECD-Standard bei der Amtshilfe in Steuersachen. Um diesen Standard in Schweizer Recht zu übertragen, sei noch eine Vielzahl von Massnahmen umzusetzen. So müssten etwa die bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Ländern revidiert und das Abkommensnetz weiter ausgebaut werden.

"Was auf den ersten Blick als eine Vielzahl unkoordinierter Massnahmen erscheinen kann, fügt sich in eine Ganzes ein und soll die internationale Wettbewerbsfähigkeit unseres Finanzplatzes stärken", bilanziert die Finanzministerin. "Mehr internationale Zusammenarbeit dient insofern unserer Interessenwahrung".