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Kommentar

Der Fall Glarner legt eine eklatante Führungsschwäche der SVP-Spitze offen

Die Glarner-Masche ist passé. Sie schadet der SVP nur noch.
Patrik Müller

Kann sein, dass die Krawallmethoden von Nationalrat Andreas Glarner der SVP einst geholfen haben: Der Dauerprovokateur konnte sich als Kämpfer gegen die politische Korrektheit profilieren und auf (durchaus reale) Probleme mit Ausländern aufmerksam machen, die von anderen Parteien tabuisiert wurden. Das ist vorbei, die SVP-Themen sind längst in der Mitte angekommen.

Heute wirkt die Glarner-Masche wie aus der Zeit gefallen. Wenn er auf Facebook eine junge Lehrerin mit Handy-Nummer an den Pranger stellt, weil sie muslimischen Schülern korrekt an einem Feiertag freigeben will, dann mobilisiert Glarner damit nur noch seine feurigsten Social-Media-Fans. Die anderen wenden sich angewidert ab. Nicht wegen des Inhalts von Glarners Forderung, sondern wegen der Methode. Seine Entschuldigung ändert nichts daran.

Der Stil von Glarner, immerhin Asyl-Verantwortlicher der SVP, schadet seiner Partei, die bei Abstimmungen und kantonalen Wahlen jüngst verlor. Die Wähler, auch und gerade jene der SVP, sind intelligenter und anständiger, als Glarner aufgrund der Feedbacks in seiner Facebook-Blase denkt. Das wissen auch die Partei-Oberen, und einige sagen es – hinter vorgehaltener Hand.

Offenbar glauben sie, in einem Wahljahr sei die Sache mit «Schwamm drüber» am besten erledigt. Irrtum. Ein Toni Brunner oder ein Christoph Blocher hätte längst ein Machtwort gesprochen. Dass die aktuelle SVP-Spitze glaubt, mit Schweigen sei auch Glarners gravierendste Entgleisung bewältigt, legt eine eklatante Führungsschwäche offen. Das ist das wahre Problem in einem Wahljahr.

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