Wie Infantinos Leute versuchen, den ausserordentlichen Bundesanwalt abzuschiessen

Die Bundesversammlung soll heute ausserordentlichen Bundesanwalt in der Affäre Lauber/Infantino einsetzen – gegen den erbitterten Widerstand der Fifa.

Henry Habegger
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Stefan Keller, Präsident des Ober- und Verwaltungsgerichts des Kantons Obwalden, soll gegen Bundesanwalt Michael Lauber, Fifa-Chef Gianni Infantino sowie weitere Personen ermitteln.

Stefan Keller, Präsident des Ober- und Verwaltungsgerichts des Kantons Obwalden, soll gegen Bundesanwalt Michael Lauber, Fifa-Chef Gianni Infantino sowie weitere Personen ermitteln.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Letzte Woche der «Blick», diese Woche der «Tages-Anzeiger». Die Zeitungen greifen Stefan Keller (44) an. Den Staatsanwalt, der rund um die mysteriösen «Schweizerhof-Treffen» des abgetretenen Bundesanwalts Michael Lauber mit Fifa-Boss Gianni Infantino ermitteln soll. Heute Mittwoch will die Bundesversammlung den gebürtigen Schaffhauser zu diesem Zweck zum ausserordentlichen Bundesanwalt wählen.

Das passt einigen gar nicht. Aus dem Hintergrund machen Infantino und die Fifa Stimmung gegen den «Teilzeit-Richter» aus Obwalden, wie er herablassend betitelt wird. Keller habe schon ermittelt, obwohl er vom Bundesparlament noch gar nicht eingesetzt war, argwöhnte der «Blick». Und er habe «Amtshandlungen» aus dem Ausland getätigt.

Was das war, kam dann im «Tages-Anzeiger»: Briefe von Keller an Infantino seien mit «deutschen Briefmarken und Poststempeln» versehen gewesen. Offenbar arbeitete der Mann sogar noch in den Ferien. Zudem habe Keller «Militärcouverts» verwendet – wobei er den Aufdruck «Militärsache» durchgestrichen habe.

Offenbar fleissig und sparsam, dieser Keller, derzeit Richter in Obwalden.

Einer, der Keller allerdings erklärtermassen zu verhindern versucht, ist der Zürcher David Zollinger. Er ist der Anwalt von Infantino. Zollinger, ehemaliger Wegelin-Banker, der auch den ehemaligen Bundesanwalt Lauber von früher gut kennt und der lange Mitglied in Laubers Aufsichtsbehörde AB-BA war, ersuchte die Behörden laut «Tages-Anzeiger» mehrmals, Keller zu ersetzen: Es brauche jemanden mit mehr Erfahrung in «komplexeren und exponierten Fällen».

Ein Strafverteidiger, der nach einem möglichst erfahrenen Ankläger verlangt. So viel Selbstlosigkeit kauft dem Anwalt in Bern allerdings kaum einer ab. «Typische Verzögerungstaktik», sagt ein Nationalrat und Jurist. Die «Enthüllungen» über Keller kamen in Bern jedenfalls nicht besonders gut an. «Das mit den Militärcouverts mache ich doch auch», sagt ein Offizier.

Was hat Infantino zu verbergen?

Im Bundeshaus fragt man sich jetzt, warum Infantino den als ausgesprochen unabhängig geltenden Keller unbedingt verhindern will. Warum er ihn offenbar fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.

FDP-Ständerat Andrea ­Caroni (AR), Präsident der Gerichtskommission, sagt: «Die einstimmige Gerichtskommission und alle Fraktionen empfehlen die Wahl von Herrn Keller. Aber auch mir fällt auf, dass seitens Beschuldigter versucht wird, ihn öffentlich in ein schiefes Licht zu rücken. Offenbar möchten ihn diese Kreise verhindern, was ja eigentlich für ihn spricht.»

Der Walliser CVP-Nationalrat Philipp Bregy sagt: «Für mich ist klar: Die Gerichtskommission hat Keller vorgeschlagen, ihn gilt es jetzt zu wählen. Es braucht Klarheit.» Bemerkenswert ist da: Bregy ist ein Parteifreund des Walliser Staatsanwalts und Infantino-­Kumpels Rinaldo Arnold, gegen den Keller ebenfalls ermittelt.

Keller käme vielleicht trotzdem zum Zug

Das Manöver dürfte in die Hosen gehen. Beobachter glauben nicht, dass der versuchte «Putsch» gegen Keller, der der SP angehört, eine Chance hat. Zwar gaben sich gestern namentlich einige ehemalige Lauber-Anhänger aus dem rechten Spektrum bedeckt. Aber Keller sollte das absolute Mehr locker erreichen, so die Prognosen.

Und dennoch: Was passiert, wenn Keller durchfällt? Andrea Caroni sagt: «Würde Stefan Keller nicht gewählt, müssten wir den Grund dafür klären: Entweder müssten wir in einigen Monaten eine neue Person vorschlagen.» Die andere Möglichkeit: «Das Parlament erachtet sich als unzuständig und überlässt es weiterhin der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft, selber einen ausserordentlichen Staatsanwalt einzusetzen. Das könnte dann theoretisch wieder Keller sein.»