Kommentar

Wie man es nicht macht, wenn man einen Präsidenten sucht: Die SVP schuf das Negativbeispiel für die Lehrbücher

Nun hat auch die Aargauer Nationalrätin Martina Bircher abgesagt. Seit über einem halben Jahr sucht die SVP Kandidierende für das Präsidium. Und macht dabei eine schlechte Falle.

Othmar von Matt
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Am 22. Dezember 2019 hat Albert Rösti seinen Rücktritt als Präsident der SVP verkündet. Am 10. Januar setzte die Partei eine Findungskommission ein, und am 1. Februar lief die Frist ab für die Kantonalparteien, Kandidaten zu melden. Bis zu diesem Stichtag waren der Kommission die Namen von Alfred Heer (ZH) und Andreas Glarner (AG) schon mitgeteilt worden.

Das scheint eine kleine Ewigkeit her. Jetzt, knapp vier Wochen bevor die Delegierten am 22. August den neuen SVP-Präsidenten wählen sollen, ist die Findungskommission nicht viel weiter. Sie hat acht mögliche Kandidierende angehört, offiziell kandidieren noch immer nur Heer und Glarner. Reihenweise kam es zu Absagen. Seit Monaten hat man den Eindruck: Niemand will SVP-Präsident werden.

Dass die grösste Partei des Landes in der öffentlichen Wahrnehmung ein desolates Bild abgibt, ist selbstverschuldet. Und hat zu tun mit Intransparenz. Sie beginnt beim Rücktritt von Albert Rösti. Bis heute ist unklar, weshalb er sich Hals über Kopf dazu veranlasst sah. Sie setzt sich fort bei der Kommunikation: Nur der Präsident der Findungskommission darf Auskunft geben. Er sagt aber fast nie etwas – falls er Anrufe überhaupt entgegennimmt. Und sie endet mit der Kandidatensuche selbst. Sechs Monate lang war offensichtlich: Heer und Glarner genügen offenbar nicht. Aber wem nicht?

Die SVP hat das Negativbeispiel für die Lehrbücher geschaffen: Wie man es nicht macht, wenn man einen Parteipräsidenten sucht.

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