«Wie viele von euch haben schon in der Landwirtschaft gearbeitet?» Klimaaktivisten verärgern Marktfahrer

Der Markt auf dem Bundesplatz findet statt. Die Stimmung ist jedoch gereizt, die Aktivisten versuchen sich konziliant zu zeigen.

Doris Kleck
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Zur Beruhigung der Gemüter: Klimaaktivisten beschenken den Ständeratspräsidenten Hans Stöckli, mit einer Rose.

Zur Beruhigung der Gemüter: Klimaaktivisten beschenken den Ständeratspräsidenten Hans Stöckli, mit einer Rose.

Leandre Duggan / KEYSTONE

Am Montagabend kam das Ultimatum der Stadt Bern: Bis heute Mittag müssen die Aktivisten den Bundesplatz räumen. Als Alternative können sie ihr Camp auf dem Waisenhausplatz, nur ein paar wenige hundert Meter vom Bundesplatz, aber mitten in der Stadt, aufschlagen. Ob die Aktivisten auf das Angebot einsteigen werden ist unklar. Am Montagabend diskutierten sie drei Optionen. 1. Da bleiben mit allen Konsequenzen, sprich eine Räumung durch die Polizei. 2. Mit der Stadt weiter verhandeln und allenfalls der Bitte nach Räumung der Strasse für den öffentlichen Verkehr und die Rettungskorridore nachgeben. 3. Auf den Waisenhausplatz umziehen. Vorsorglich wurde das Medienteam schon mal aufgefordert, über die sozialen Medien weitere Aktivisten zu mobilisieren, falls es zu einer Räumung des Platzes kommt. «Wir sind gekommen um zu bleiben», sagen sie immer wieder. Und sie sehen sich im Recht: Ihr Protest sei alternativlos.

«Das Versagen der Politiker ist total. Sie sind die Verhinderer, sonst wären wir nicht da»,

ruft ein Aktivist unter Applaus.

Die Stimmung steht auf bleiben. Die Aktivisten haben am Montagaben in ihren Bezugsgruppen diskutieren, wie weit der zivile Ungehorsam gehen soll. Wer lieber nach Hause geht und wer zum Äussersten bereit ist.

Kompromissbereit zeigten sich die Aktivisten beim Märit. Eine Berner Institution. Sie räumten den Bundesplatz für die Marktfahrer teilweise. Aber zu spät. Es kamen Marktfahrer morgens um 4 Uhr auf den Platz, als die Aktivisten mit ihren Schlafsäcken noch auf dem Bundesplatz dösten. Eine Verkäuferin erzählt, wie ihr Chef während einer Stunde warten musste - und entsprechend angespannt war. Ein Aktivist kommt zum Gespräch hinzu, getreu dem Motto, das am Montagabend ausgegeben wurde:

«Seit kommunikativ und nicht aggressiv, versucht bei den Marktfahrern Verständnis zu schaffen!»

Der Aktivist spricht von Missverständnissen mit der Gewerbepolizei, deshalb hätten sie den Platz zu spät geräumt. Die Marktfahrerin - sie verkauft Demeter-Gemüse notabene - ist genervt. «Wie viele Leute von euch haben schon in der Landwirtschaft gearbeitet? Auf dem Markt sein, heisst nicht einfach ein paar Tische aufstellen. Ich bin die letzten zwei Wochen um 4.30 Uhr aufgestanden. Um 13 Uhr weiss man dann, was man gebügelt hat!» Der junge Mann versucht Verständnis zu schaffen. Man sei nicht gegen die Bauern sonder die Lobbyisten, die bösen Chemiekonzerne. In diesem Punkt zumindest, stimmt ihm die Marktfahrerin zu.

Viele Marktfahrer sind genervt. Einige sind gar nicht erst gekommen, andere wieder abgezogen. Und die, die da sind, fürchten um ihren Umsatz. Marktgänger sind Gewohnheitstiere. Sie gehen immer zu den gleichen Ständen. Nur sind die wegen des Camps nicht auf ihrem gewohnten Platz.

«Ich hatte immer Sympathien für diese Bewegung. Doch das ist jetzt zu viel», ruft eine andere Marktfahrerin aus. «Wo führt das hin?», wenn man diese Aktivisten gewähren lasse, reisse das ein. «Das ist wie bei Kindern!»