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WILDTIERE: Kritik an der Revision des Jagdgesetzes

Umweltschützer kritisieren die Revision des Jagdgesetzes, die den Schutz des Wolfs lockern soll. Sie fürchten, dass weitere Tiere auf die Abschussliste geraten. Der oberste Schweizer Wildhüter widerspricht.
Maja Briner, Tobias Gafafer
Mit der Revision des Jagdgesetzes soll der Bestand an Wölfen besser reguliert werden. (Bild: Benjamin Manser (Winterthur, 19. Februar 2016))

Mit der Revision des Jagdgesetzes soll der Bestand an Wölfen besser reguliert werden. (Bild: Benjamin Manser (Winterthur, 19. Februar 2016))

Maja Briner, Tobias Gafafer

Zunächst geriet der Wolf ins Visier, dann der Höckerschwan. Das Parlament beschloss, den Schutz dieser Tiere zu lockern. Das setzt der Bundesrat nun mit der Revision des Jagdgesetzes um. Kommende Woche berät die Umweltkommission des Ständerats darüber. Jetzt aber schlagen Umweltschützer Alarm: Sie befürchten, es könnte weiteren Tierarten an den Kragen gehen. Die Umweltschutzverbände wollen ein Referendum nicht ausschliessen. Der Bundesrat gehe weiter, als es das Parlament je gefordert habe, kritisieren sie. Bei der Lockerung des Schutzes für Wölfe seien die Umweltverbände gesprächsbereit gewesen. «Aber jetzt erhalten wir die Regulierung zahlreicher geschützter Arten, deren Zahl der Bundesrat dann in Eigenregie ­erweitern kann», sagt WWF-Sprecher Philip Gehri.

Der Grund für den Ärger: Der Bundesrat will künftig in einer Verordnung festlegen, bei welchen geschützten Tierarten der Bestand dezimiert werden darf, falls trotz Schutzmassnahmen grosse Schäden drohen oder Menschen gefährdet sind. Die Liste könnte der Bundesrat eigenständig erweitern oder kürzen. «Viele geschützte Arten laufen Gefahr, reguliert zu werden», sagt Gehri. Der Bundesrat wolle auch Biber, Luchs, Bär und Mittelmeermöwe auf diese Liste setzen, befürchtet er.

Bund sieht Verantwortung beim Parlament

Reinhard Schnidrig, Chef der Sektion Wildtiere beim Bundesamt für Umwelt (Bafu), weist die Kritik zurück. Der Bundesrat habe die Aufträge aus dem Par­lament ausgeführt, so wie die verschiedenen Themen in den Räten diskutiert worden seien, «nicht mehr und nicht weniger». Schnidrig verweist darauf, dass heute im Grundsatz die Bestände aller geschützten Tierarten reguliert werden können, wenn sie grossen Schaden verursachen. Künftig soll das nicht mehr möglich sein.

Auf der Liste figuriert heute der Steinbock, neu will der Bund Wolf und Höckerschwan darauf setzen– so, wie es das Parlament beschlossen hat. Ob weitere ­Arten dazukommen, hängt laut Bafu von den Beratungen über das Jagdgesetz im Parlament ab. «Am Schluss werden wohl nicht mehr als ein halbes Dutzend Tierarten auf der Liste stehen», sagt Schnidrig.

Die Umweltschutzverbände stossen sich an einer weiteren Änderung. Der WWF kritisiert, dass die Kantone mehr Kompetenzen erhalten sollen. Künftig sollen sie selbst über die Bestandsregulierung von geschützten ­Arten entscheiden können; den Bund müssen sie lediglich an­hören, nicht aber um Bewilligung fragen. «Das mag in einigen Kantonen gut gehen», sagt Gehri. Andere aber würden die Kompetenz «sicherlich ausgiebig nutzen». Der Schutz der Arten sei jedoch Bundesaufgabe.

Dass neu die Kantone zuständig sein sollen, entspricht indes einer Forderung des Parlaments. Dieses hatte vor knapp drei Jahren der Wolfs-Motion des Bündner CVP-Ständerats Stefan Engler zugestimmt, die eine Änderung des Jagdgesetzes verlangte.

Was gilt als grosser Schaden?

Motionär Engler teilt die Bedenken der Umweltverbände nicht. Die Hürden für die Regulierung der Bestände seien hoch. Allerdings müsse das Parlament noch nachbessern, sagt er: Die Voraussetzungen, wann geschützte ­Arten reguliert werden dürfen, seien zu wenig präzise formuliert. Unklar sei etwa, was als «grosser Schaden» gelte. «Hier muss das Parlament das Heft in die Hand nehmen», sagt er.

Ähnlich äussert sich Beat ­Rieder. Der CVP-Ständerat stammt aus dem Kanton Wallis, wo es besonders viele Wölfe gibt. Er sagt: «Für die Kantone mit Gross­raubtierbestand ist es zwingend, dass sie rasch klare Kom­petenzen erhalten, um diesen zu regulieren.» Engler begrüsst es ebenfalls, dass die Kantone künftig selber entscheiden können. Das sei aber keine «Carte blanche», betont er: «Man wird den Kan­tonen auf die Finger schauen.»

Auch SVP-Ständerat Roland Eberle sagt: «Eine klare Zuweisung von Verantwortung ist wichtig.» Der Thurgauer, der derzeit die Umweltkommission präsidiert, hofft auf eine Versachlichung der Debatte. Es gehe darum, auf einfachere Art und Weise die Population zu regulieren, nicht um eine Ausrottung, betont er. Wie emotional die Diskussion wird, dürfte sich spätestens in der Sommersession zeigen.

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