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WILDTIERE: Wie Bündner auf den Wolf setzen

Wo der Wolf auftaucht, da sorgt er für Aufregung. In Graubünden hat man mittlerweile aber einen Weg gefunden, um sich mit ihm zu arrangieren.
Ursina Trautmann
Zwei Jungwölfe des sogenannten Calanda-Rudels, aufgenommen im August vor einem Jahr. (Bild: Amt für Jagd und Fischerei Graubünden)

Zwei Jungwölfe des sogenannten Calanda-Rudels, aufgenommen im August vor einem Jahr. (Bild: Amt für Jagd und Fischerei Graubünden)

Ursina Trautmann

Bernhard Zigerlig aus Trin mähte eine Wiese, als sieben Schritte von ihm entfernt ein Reh, ein Hirsch und schliesslich ein Wolf durchs Gras sprangen. Der Bauer war überrascht von der Grösse des Wolfes. Der Fall hat Seltenheit: «Der Wolf sieht den Menschen häufiger als wir ihn», sagen Wildbiologen.

Wo Wölfe zum ersten Mal auftauchen, sorgen sie für Unruhe. Sie werden bei zu hohen Schäden an Nutztieren von der Wildhut erlegt, wie im urnerischen Attinghausen, oder entkommen, wie im Wallis oder in Graubünden, wo Abschussbewilligungen des Kantons folgenlos verstrichen. Oder fielen auch schon Wilderern zum Opfer, wie im vergangenen Frühjahr in bündnerischen Thusis und bei Raron. Man fand in der Schweiz zwischen Frühjahr 2014 und Frühjahr 2016 Spuren von insgesamt 27 verschiedenen Wölfen: 8 Weibchen und 19 Männchen. Aus dem Calandarudel gingen in vier Würfen mindestens 22 Welpen hervor. Etwas mehr als die Hälfte davon überlebte. Ein zweites Rudel lebt im Tessiner Val Morobbia, und es ist gut möglich, dass es dieses Jahr auch im Wallis Nachwuchs gegeben hat und auch am Calanda nochmals.

Willkommen als Seuchenpolizist

Im Alpengebiet finden die Wölfe historisch hohe Wildbestände vor. Allein in Graubünden leben geschätzte 16 500 Hirsche. Das sind viel zu viele, findet das Bündner Amt für Jagd. Der Wolf soll mitjagen. Jäger, Landwirte, aber auch Mountainbiker oder Wanderer wurden informiert, wie sie sich im Wolfsgebiet verhalten sollen. Das Sammeln von Wolfsspuren wurde in Graubünden zur Aufgabe von Wildhut und Jägern, und inzwischen wird der Wolf auch als Seuchenpolizist wahrgenommen: Am Calanda gibt es weniger Fallwild, weil das Wolfsrudel kranke Hirsche wegräumt. Dies könnte die Akzeptanz des Wolfes erhöhen.

Tatsache ist aber auch: Wo der Wolf mitjagt, wird die Jagd für die Jäger anspruchsvoller. Das Wild ist aufmerksamer, fitter und geht neue Wege. Die Abschussquoten am Calanda blieben in den letzten 15 Jahren dennoch fast unverändert. Das Wild zog sich während der Jagd nicht mehr in die Wildasyle zurück, weil dort die Wölfe warteten.

Wölfe sind sehr geschickte Jäger und beanspruchen ein grosses Revier. Allein das Calandarudel bewegt sich auf einer Fläche von 150 Quadratkilometern. Ein Wolf kann über den Rhein schwimmen und in einer Nacht 60 Kilometer zurücklegen. Mit Kulturlandschaft und Zivilisation kommt er zwangsläufig in Kontakt. Das hat Konsequenzen für Nutztierhalter. Auch unter ihnen hört man inzwischen immer wieder: «Der Wolf ist da, wir müssen mit ihm leben.»

Vorreiter beim Herdenschutz

Die Bündner Tierhalter haben in den letzten Jahren beim Herdenschutz grosse Anstrengungen unternommen und nehmen eine Vorreiterrolle ein. Sie zäunen ihre Tiere auf den Weiden konsequent mehrfach mit Elektrodraht ein, es werden auf Alpen Versuche mit Lamas zum Schutz von Schafen gemacht, und im ganzen Kanton Graubünden sind über fünfzig Schutzhunde im Einsatz. Diese wehren nicht nur den Wolf ab, sondern schützen auch vor ungezogenen Hunden, Füchsen und Raben, die im Vergleich zu Wölfen sehr viel mehr Schäden anrichten. Auf den Wolf gingen in Graubünden 2015 nur noch 18 Schadensfälle an Nutztieren. Im Wallis, wo der Herdenschutz anders gehandhabt wird und umstrittener ist, waren es 158.

Respekt, aber keine Angst

Auch Ester und Bernhard Zigerlig, die in Trin Mutterkühe halten, überlegen sich, einen Schutzhund anzuschaffen. «Im offenen Laufstall würden die Kühe jeden fremden Eindringling abwehren», ist die Bäuerin überzeugt. Aber würde ein Wolf oder ein Hund auf die Weide neben der Rheinschlucht gelangen, wo die Tiere nur vom Elektrozaun geschützt sind, könnte die Herde in Panik geraten und in den Abgrund rennen. Da ihr Hof in einem touristisch stark genutzten Gebiet steht, wollen die Zigerligs aber erst noch Fragen in Bezug auf die Verträglichkeit von Schutzhunden mit Wanderern und Sportlern klären.

Nach 2012 tauchten im Winter am Rande von Felsberg regelmässig Wölfe aus dem Calandarudel auf. Sie passten neben dem Hof von Christian und Katja Schneller-Gurt ein Hirschrudel ab. Im ersten Jahr waren Schnellers Kühe in grosser Unruhe. Inzwischen haben sie sich an die Wölfe gewöhnt. «Angst hatte ich nie. Respekt, wie vor jedem Tier», sagt Christian Schneller und stellt klar: «Ich rede weder für noch gegen den Wolf. Nur wenn er so nah kommt, ist es ein Problem.»

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