WINTERSPIELE 2026: Der Olympia-Enthusiast

Morgen entscheidet Swiss Olympic über Sions Kandidatur. Der Berner Ständerat Hans Stöckli (SP) ist das «Deutschschweizer Gesicht» des Vorhabens.

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Hans Stöckli (64). (Bild: Matthias Käser/ «Bieler Tagblatt»)

Hans Stöckli (64). (Bild: Matthias Käser/ «Bieler Tagblatt»)

Es geht um nichts weniger als um eine Vision, nämlich um einen «Masterplan Entwicklung Alpenraum, Energiestrategie 2050 und Gesundheit 2020». Und «der Katalysator» für diese Projekte ist auch schon gefunden: Olympische Winterspiele 2026 «im Herzen der Schweiz». Man sieht, um grosse Worte ist der 64-jährige Berner SP-Ständerat Hans Stöckli nicht verlegen, wenn er als Vizepräsident von «Sion 2026. Die Spiele im Herzen der Schweiz», der Bewerbung der Kantone Wallis, Waadt, Freiburg und Bern, angesprochen wird. Damit nicht genug, «Sion 2026» soll – immer nach Stöckli – auch gleich noch beweisen,«dass die Reform-Agenda 2020 des IOC umsetzbar ist: überschaubares Budget, basierend auf bestehender Infrastruktur, nachhaltig, doping- und korruptionsfrei». Nun gehört es zum Handwerk von Olympia-Promotoren, ihr Projekt über den grünen Klee zu loben und es als Etappe auf dem Weg zu einem sinnvollen und nützlichen grossen Ganzen zu «verkaufen». Die Promotoren des Bündner Olympia-Projekts haben exakt dasselbe getan – bis sie das dortige Stimmvolk mit einem Nein-Stimmen-Anteil von 60 Prozent anwies, endlich zu schweigen.

Stöckli jedoch ist nicht Bündner, sondern Berner – Bieler, um genau zu sein. Und als solcher hat er immerhin schon bewiesen, dass er fast Unmög­liches möglich machen kann – ­allen widrigen Umständen zum Trotz. Als er nämlich 1990 das Amt des Bieler Stadtpräsidenten und Finanzvorstands antrat, übernahm er ein schwieriges Erbe: Biel war eine Krisenstadt mit leeren Kassen, hohen Schulden und 10 Prozent Arbeitslosen. Mit enormem Einsatz und pragmatischem Ansatz hat es Stöckli in knapp zwei Jahrzehnten geschafft, den Trend zu kehren. Dies verbuchen ihm selbst politische Gegner auf der Haben-Seite. Es war deshalb kein schlechter Entscheid des westschweizerisch geprägten Projekts «Sion 2026», Hans Stöckli zum «Deutschschweizer Gesicht» der Kandidatur zu machen. Denn der Ex-Gerichtspräsident und krisenerprobte Kommunalpolitiker macht auch in der Kleinen Kammer, wo er nach sieben Jahren im Nationalrat seit 2011 sitzt, eine gute Figur.

Bestens vernetzt, ist er als Promotor von Wert, weil er zur raren Spezies von Sozialdemokraten gehört, die dieser Sport-Grossveranstaltung nicht a priori negativ gegenübersteht. Vielmehr ist er als Vizepräsident der Parlamentarischen Gruppe Tourismus der Überzeugung, der Schweizer Tourismus brauche Olympische Spiele. Die morgige Zustimmung des Exekutivrats und jene des Sportparlaments von Swiss Olympic vorausgesetzt, wird Hans Stöckli «Sion 2026» noch von Nutzen sein, wenn es darum geht, Bundesrat, Parlament und Bevölkerung für das Projekt einzunehmen. Nicht nur, dass er sein Gewicht als Parlamentarier wird in die Waagschale werfen können, der studierte Fürsprecher (Rechtsanwalt) ist – wie eingangs dargelegt – auch nicht auf den Mund gefallen.

 

Richard Clavadetscher