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WINTERSPORT: Neue Wegweiser im Schnee

SchweizMobil macht keinen Winterschlaf mehr: Das wohl weltgrösste Langsamverkehrsnetz ist um 3000 Kilometer Winterwanderwege, Schneeschuhtrails, Langlaufloipen und Schlittelwege ergänzt worden – insgesamt um 500 Angebote.
Peter Hummel
Vor der Schussfahrt auf dem Schlitten heisst’s Winterwandern bergauf. (Bild: Ivo Scholz/swiss-image.ch)

Vor der Schussfahrt auf dem Schlitten heisst’s Winterwandern bergauf. (Bild: Ivo Scholz/swiss-image.ch)

Peter Hummel

Seit bald zehn Jahren gibt es SchweizMobil, seit fünf Jahren war innerhalb der Stiftung SchweizMobil die Rede von der Wintererweiterung, und vor zwei Jahren begann die Realisation. «Der Winter brauchte etwas mehr Zeit, weil der eigentlich nicht zu unsern Kernkompetenzen gehört», erläutert Markus Capirone, Koordinationsverantwortlicher bei der Projektleitung von SchweizMobil in Olten, welche die ganze Projektentwicklung, Kommunikation und Qualitätssicherung leistet. «Weil wir jedoch mit SchweizMobil bei den Nutzern auf breite Akzeptanz und Wertschätzung gestossen ist, kamen wir nicht umhin, uns diesen ‹Winterstiefel› doch mal überzustülpen…» Entscheidend war, dass es nach längeren Sondierungen gelang, alle relevanten Partner ins Boot zu holen – namentlich die Schweizer Wanderwege, den Schneeschuhverband Schweiz, Swiss Snowshoe, Loipen Schweiz, Romandie Ski de Fond, Swiss Sliding Naturbahn und die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), welche das Winterprojekt auf fachlicher Ebene unterstützen; in petto ist auch schon der SAC (für den allfälligen Einbezug von Skitouren). Dazu kommt der Support der langjährigen Partner wie Gemeinden, Langsamverkehrs-Fachstellen, Tourismusorganisationen oder Bergbahnen. Die Lancierung konnte die Stiftung SchweizMobil, die von Bund, Kantonen und privaten Organisationen getragen wird, nur dank einer Start­finanzierung von Innotour, einem Förderinstrument des Seco, sicherstellen.

Gleiche Signaletik wie im Sommer

In Analogie zu den fünf «Sommerländern» wäre der Name «Winterland» für die neuen Aktivitäten eigentlich gesetzt gewesen. Nur heisst es letztlich doch nicht so – SchweizMobil spricht viel weniger prägnant nur von «neuen Winterangeboten» in den vier Bereichen Langlauf, Winterwandern, Schneeschuhlaufen und Schlitteln. Zentral bleibe aber, dass die signaletische Logik im Winter die gleiche sein muss wie vom Sommer, so Capirone weiter.

Wie etwa bei den gelben Wanderwegweisern im Sommer werden entsprechend die türkisen Wegweiser für Langlaufloipen und pinkfarbenen fürs Winterwandern und Schneeschuhlaufen übernommen. Sie werden schrittweise mit den vom Sommer gewohnten quadratischen Routenfeldern mit Nummer und allenfalls Namen ergänzt. In der Online-Kartographierung musste dabei auf einen Kunstgriff gesetzt werden: Die Winterwege sind hellpink markiert und die Schneeschuhtrails zur Unterscheidung dunkelpink. Diese Tonabstufung sei auch die einzige Wahl gewesen, weil durch die optionalen Layer zur Darstellung der Wildschutzgebiete (eine Anforderung der Behörden) und der Hangneigung über 35° (zur Verbesserung der Sicherheit) ähnliche Farbtöne schon «vergeben» waren.

Zu reden gibt aber noch die Auswahl. Wohl um allfälligen Enttäuschungen vorzubeugen, deklariert SchweizMobil dieses erste Netz von 3000 Routenkilometern als «Best of»-Auswahl: 152 Schneeschuhtrails, 143 Langlaufloipen, 123 Winterwanderwege und 82 Schlittelwege. Einem ahnungslosen Online-Nutzer erscheint die teilweise sehr lückenhafte Auswahl aber wenig plausibel, um nicht zu sagen willkürlich. Betrachten wir den Langlauf: Dass bei grossen Loipen wie dem Schwedentritt in Einsiedeln oder der Finnenloipe in Rothenturm nicht alle Varianten einzeln angezeigt werden, ist sehr wohl verständlich; dass aber bei bekannten alpinen Revieren wie Davos oder dem Engadin ganze Täler fehlen, ist schlecht nachvollziehbar. Markus Capirone erklärt: «Die Auswahl lag bei den kantonalen Tourismusorganisationen, die mit lokalen Partnern vor Ort entschieden; für gewisse Gremien war unser Timing wohl ­etwas zu ambitiös.» Wichtig war SchweizMobil auch ein gewisser föderalistischer Verteilschlüssel. Dass dann etwa die beiden populärsten Loipen im Appenzellerland fehlen oder die beiden einzigen im Kanton Thurgau, scheint aber diesem Prinzip nicht gerade gerecht zu werden. Ein Sonderfall sei das Wallis, das ausser den Gommer Loipen und einigen Schlittelbahnen noch ein grosser «weisser Fleck» auf der Winterkarte sei; hier wolle der Kanton die aktuellen Routen erst freischalten lassen, wenn sie die ­«erforderlichen Genehmigungsverfahren durchlaufen» hätten.

Neue Routen entdecken dank erster Kartografie

Gemäss Markus Capirone sei in den nächsten fünf Jahren ein kontinuierlicher Ausbau auf rund je etwa 250 Langlauf-, Schneeschuh- und Winterwanderrouten sowie etwa 100 Schlittelstrecken geplant. Selbstverständlich werde etwa beim Langlauf die Aufnahme eines möglichst lückenlosen Netzes angestrebt – wie man das vom Velo- oder Wanderland kenne. Allerdings sei die dortige Netzdichte auch erst durch einen kontinuierlichen Ausbau entstanden, von den nationalen (einstelligen) Routen über die regionalen (zweistelligen) bis zu den lokalen (dreistelligen). Bei den Winter­angeboten liege es «in der Natur der Sache», dass es (erst) nur ­lokale Angebote gebe.

Fazit: Die Winterangebote von SchweizMobil eröffnen ganz neue Perspektiven: Dank der geschätzten hochwertigen Swiss­Topo-Kartengrundlage können etwa erstmals neue, attraktive Reviere entdeckt werden, auf die man sonst nicht gekommen wäre – insbesondere beim Langlauf und Schneeschuhlaufen: Hier haben nämlich die jeweiligen Fachverbände der Deutschschweiz und Romandie für das gemeinsame Ziel SchweizMobil erstmals eng zusammengearbeitet. Ein Resultat davon könnte sein, dass diese Verbände dank SchweizMobil in absehbarer Zeit auch eine gemeinsame Kartografierung übernehmen.

www.schweizmobil.ch.

123 Winterwanderwege, 152 Schneeschuhtrails, 143 Langlaufloipen und 82 Schlittelwege sind nun bei SchweizMobil aufgelistet. (Bild: PD)

123 Winterwanderwege, 152 Schneeschuhtrails, 143 Langlaufloipen und 82 Schlittelwege sind nun bei SchweizMobil aufgelistet. (Bild: PD)

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