Restaurant Kreuz
Wird Maschwanden zum «Schlafdorf»?

Das stattliche Maschwander «Kreuz» soll ein Restaurant bleiben: Dafür setzt sich eine Interessengemeinschaft ein – zur Freude der Inhaberfamilie Born. Weil Verkaufsbemühungen scheiterten, hat sie ein Baugesuch für sechs Wohnungen eingereicht. Das «Kreuz» bleibt auch im Gemeinderat ein Thema.

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Wird Maschwanden zum «Schlafdorf»?

Wird Maschwanden zum «Schlafdorf»?

Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

Von Werner Schneiter

Seit Jahrzehnten befindet sich der stattliche, aus dem 17. Jahrhundert stammende Riegelbau im Dorfzentrum neben der Kirche im Besitz der Familie Born. Sie etablierte das «Kreuz» als Fischspezialitäten-Restaurant, das weit über die Grenze der Region hinaus Bekanntheitsgrad erlangte. Aus Altersgründen wollten Cécile und Hansueli Born das Restaurant veräussern, fanden aber keine Käuferschaft. Das rief ein neues Projekt auf den Plan: die Nutzung der Liegenschaft zu Wohnzwecken. Die Wirtsleute haben einen Architekten beauftragt, der inzwischen ein Baugesuch für sechs Wohnungen deponiert hat. Mit einem potenziellen Käufer konnte zudem ein Vorvertrag unterzeichnet werden. Die Baupläne liegen derzeit bei der kantonalen Denkmalpflege. Seit Anfang Jahr führt das Ehepaar Born das «Kreuz» in reduzierter Form mit «Bed and Breakfast» - ohne Essen.

Begegnungsstätten verschwinden
Das «Kreuz» - künftig ein Wohnhaus? Nein, das darf nicht sein, sagten sich Jakob Stehli, Ernst Lüscher und Paul Leuthold, die sich zu einer Interessengemeinschaft (IG) zusammenschlossen und ihre Wünsche im Rahmen einer Informations- und Ideen-Veranstaltung der Öffentlichkeit preisgaben. Der Zulauf hielt sich allerdings in Grenzen; gegen 20 Personen erschienen. Angetrieben werden die IG-Vertreter von der Befürchtung, dass mit dem Umbau zu einem reinen Wohnhaus in Maschwanden eine weitere Begegnungsstätte verschwindet und die kleinste Ämtler Gemeinde zu einem veritablen «Schlafdorf» wird. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf das Verschwinden von Post, Käserei und Restaurant Linde. Als einzige Begegnungsstätten verbleiben das Restaurant Hörnli und der Volg, über dessen Zukunft nicht gerade düstere, aber doch immerhin graue Wolken schweben.

Problematisch: Restaurant
kombiniert mit Wohnungen

Inzwischen hat die IG über verschiedene Möglichkeiten diskutiert. Der Architekt hat auch eine Skizze mit einem reduzierten Restaurantbetrieb angefertigt. Allerdings ist eine Kombination von Restaurant und Wohnungen wegen Lärmimmissionen problematisch. Nicht nur das: Die Zinslast nach den notwendigen Investitionen sind für einen Restaurantbetreiber wohl zu hoch. Denkbar wäre eine Trägerschaft, die zinsloses Kapital zur Verfügung stellt. «Mindestens 300 000 Franken müssen da zusammenkommen», betonen die IG-Vertreter. Und auf Betreiberseite kann sie sich eine AG oder eine Genossenschaft vorstellen.
Cécile und Hansueli Born begrüssen die Bemühungen, das «Kreuz» als Restaurant zu erhalten und betonen, die Liegenschaft «lieber heute als morgen» verkaufen zu wollen. Nicht nur, weil damit Maschwanden eine Begegnungsstätte erhalten bleibt, sondern weil die Realisierung von Wohnungen eine langwierige Angelegenheit ist, weil die Denkmalpflege mitredet und der mit einem Vorvertrag ausgestattete potenzielle Käufer inzwischen zögert. Ein definitiver Kauf hängt natürlich auch von den Auflagen im Baugesuch ab.
Wie auch immer: Die Angelegenheit ist mit vielen Fragezeichen behaftet, der Ausgang ungewiss. «Auch wir bemühen uns um eine Lösung. Das ‹Kreuz› bleibt auch im Gemeinderat ein Thema», sagt Gemeindepräsident Andreas Binder. Wegen anstehender Gespräche will er derzeit noch keine Details preisgeben.

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