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WIRTSCHAFT: Altdorf und Bellinzona werden leicht wachsen

Rainer Rickenbach

Der alte Gotthardtunnel und die Grossbank Credit Suisse haben eine gemeinsame historische Wurzel: Beide gehen auf die Initiative des Eisenbahnpioniers Alfred Escher zurück. Der Zürcher Wirtschaftsführer gab im 19. Jahrhundert den Anstoss zum Bau des ersten Gotthardtunnels, und er gilt auch als eigentlicher Gründer der Schweizerischen Kreditanstalt, wie die Grossbank lange Zeit hiess.

Mehr Anwohner für Altdorf

So wundert es nicht, wenn die Credit Suisse Hauptpartnerin der Eröffnungsfeierlichkeiten für den Neat-Basistunnel ist. Ihre Wirtschaftsfachleute steuern zum Ereignis eine Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Jahrhundertwerks für die Gotthard- Anrainerkantone Uri und Tessin bei. Der beschleunigte Personentransport auf der Schiene dürfte vor allem die Tessiner Wirtschaft beleben. Uri profitiert auch, aber in einem geringeren Masse.

Altdorf erhält einen Kantonsbahnhof und gleich daneben eine Gewerbe- und Industriefläche. Für den Urner Hauptort bringt der neue Gotthard-Basistunnel nach Einschätzung von Thomas Rühl vom Swiss Regional Research der Credit Suisse ein Bevölkerungswachstum von 160 bis 170 Personen mit sich. Bis zu 1400 neue Arbeitsplätze können entstehen. Altdorf erfährt zudem eine Aufwertung als Wohnort für Pendler, sein Pendlereinzugsgebiet wächst um 13 200 Personen oder 15 Prozent. Der Neat-Schub dürfte sich indes auf die Region Altdorf beschränken. Gemäss den Ökonomen der Credit Suisse ändert sich auf beiden Seiten des Gotthards für die entlegenen Regionen nichts. Auch im historischen Vergleich sind die wirtschaftlichen Effekte aus nachvollziehbaren Gründen eher bescheiden.

Mehr Vorteile fürs Tessin

«Nach der Eröffnung des ersten Gotthard-Eisenbahntunnels 1882 verdreifachte sich die Einwohnerzahl in Bellinzona, in Altdorf verdoppelte sie sich. Es war die erste bequeme Verbindung zwischen der Deutschschweiz und dem Tessin. Nächsten Monat weihen wir den zweiten Tunnel ein, und es besteht eine Autobahnverbindung», erklärte gestern Thomas Rühl am Medientermin im Luzerner Verkehrshaus. Auch im Tessin wird sich der Gotthardboom des 19. Jahrhunderts nicht wiederholen. Doch die Neat wird dort wirtschaftlich mehr bewegen als in der deutschsprachigen Schweiz. So richtig zum Tragen kommen die Vorteile in vier Jahren, wenn der zweigleisige Ceneri-Basistunnel zwischen Giubiasco und Lugano in Betrieb ist. Denn die beiden Regionen Bellinzona und Lugano wachsen mit diesem Neat-Anschlusstunnel zusammen. Zum Beispiel der Immobilienmarkt: Heute sind die Mietpreise in Lugano 17 Prozent höher als in Bellinzona, Wohneigentum sogar um 41 Prozent. Rühl: «Für Pendler wird die günstigere Region des Kantonshauptortes dank der kürzeren Fahrzeit als Wohnort interessant.» Bellinzona kommt dank des Ceneri-Tunnels nach seinen Berechnungen für 33 000 weitere Personen als Arbeitsort in Frage.

Der Rückreise-Effekt bleibt aus

Auf den Ferienwohnungsmarkt haben die schnelleren Zugverbindungen keinen Einfluss. Nach Erkenntnissen von Rühl sind mehr als vier von fünf Zweitwohnungsbesitzer mit dem Auto unterwegs. Für die leidende Tessiner Tourismusbranche hingegen dürften die neuen Tunnel hilfreich sein. Denn mit Abstand am meisten Touristen finden aus der deutschsprachigen Schweiz den Weg ins Tessin. Von grossen Zentren wie Zürich oder Basel aus sind sie nun gut 40 Minuten schneller am Ziel. Rühl rechnet mit merklich mehr Tagesausflüglern und Mehrtagesgästen. Nur: Die Reisenden sind nicht nur in kürzerer Zeit in der Sonnenstube der Schweiz, sie sind auch schneller wieder weg. Profitieren die Hotels und Pensionen wirklich? Rühl: «Die Erfahrungen nach der Eröffnung des Lötschbergtunnels machten deutlich, dass die Reisenden wegen kürzerer Verbindungen nicht weniger lange an ihrem Ferienziel bleiben.»

Zurückhaltend sind die Prognosen der Credit Suisse zum Umlagerungsziel des Gütertransportes von der Strasse auf die Schiene. Erst wenn die Verbindung zur italienischen Hafenstadt Genua durchgehend ausgebaut ist, wird die Neat ihre volle Wirkung entfalten. Bis es so weit ist, kommt die Umlagerung nur langsam in Gang.

RAINER RICKENBACH

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