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Wohltätige Sportler helfen sich auch selber

Immer mehr Spitzensportler engagieren sich karitativ. Das hilft nicht nur den Bedürftigen, sondern auch den Sportstars selber.
Jürg Ackermann
Roger Federer besucht sein Hilfsprojekt in Äthiopien. (Bild: PD/Roger Federer Foundation via Getty (Kore Roba, 12. Februar 2010))

Roger Federer besucht sein Hilfsprojekt in Äthiopien. (Bild: PD/Roger Federer Foundation via Getty (Kore Roba, 12. Februar 2010))

«Auch wenn es darüber keine wissenschaftlichen Studien gibt, stimmt der Eindruck zweifellos. Was wir bei sehr reichen Unternehmern wie Bill Gates oder Mark Zuckerberg beobachten, gilt zunehmend auch für sehr gut verdienende Sportler», sagt Marketing-Experte Torsten Tomczak von der Universität St. Gallen. Nirgends ist das so augenfällig wie im Tennis. Dort gehört eine eigene Stiftung schon lange zum guten Ton. Seit über 15 Jahren hilft Roger Federer Zehntausenden von benachteiligten Kindern im südlichen Afrika, indem er in Ländern wie Südafrika oder Malawi Schulen finanziert. Novak Djokovic konzentriert sich auf Dutzende Förderprojekte in seiner Heimat Serbien, wo die frühe Bildung wegen fehlender Kindergärten oft vernachlässigt wird. Und Rafael Nadal verhilft mit seiner Stiftung benachteiligten Kindern in Grossstädten in Spanien und Indien über den Sport zu besseren Zukunftsaussichten.

Der Sport eignet sich mit seiner Strahlkraft als Transporter für positive Zukunftsbotschaften besonders gut. Die Stars geben dabei nicht nur ihren Namen her, sondern alimentieren die Stiftungen mit Millionen Dollars. Angesichts der üppigen Preisgelder und der lukrativen Sponsoring-Verträge werden sie dabei nicht arm. Im Gegenteil: Das karitative Engagement kann helfen, den Sponsoring-Wert weiter zu steigern, weil die Spitzensportler imagemässig von karitativen Tätigkeiten profitieren. Zudem sichern sie die öffentliche Sichtbarkeit über die aktive Karriere hinaus.

So wird Federer in der neuesten, lesenswerten Kurz-Biografie von Simon Graf bereits im Titel nicht nur als Weltsportler, sondern auch als «Wohltäter» bezeichnet. Nicht ganz zu unrecht. Mittlerweile schliessen sich auch andere Stiftungen dem Programm der Roger-Federer-Foundation an. Wie beispielsweise die Stiftung von Milliardär Hansjörg Wyss, die der Federer Foundation bis 2023 jährlich eine Million Franken zukommen lässt. Die Hebelwirkung ist auch aufgrund des persönlichen Engagements Federers gross: So sprach das malawische Parlament kurz nach seiner Afrika-Reise 2015 erstmals in seiner Geschichte ein Budget für Frühförderung. Federer hatte vorgängig auch Gespräche mit Ministern geführt. Politisch äussert sich der Tennisprofi jedoch konsequent nur dann, wenn es um Themen geht, die mit seiner Stiftung zu tun haben.

Roger Federer gründete schon als 22-Jähriger eine Stiftung

Dieses Engagement stösst jedoch auch auf Kritik. Besonders traditionelle Hilfswerke haben ein gespaltenes Verhältnis zu Stiftungen. «Die Welt braucht jede Person, die bereit ist, sich gegen Armut und Ungleichheit einzusetzen», sagt Stefan Gribi von der Caritas. Personen wie Federer würden mit ihren Projekten einen eindrücklichen Tatbeweis erbringen. Gleichzeitig könnten sie «einen Schritt weitergehen und ihre Reputation dafür einsetzen, Ursachen für Armut und Ungleichheit zu benennen». Ähnlich sieht das Dieter Wüthrich vom Hilfswerk Heks. Sportstars würden mit ihrem Engagement das Bewusstsein für Probleme auf dieser Welt schärfen. Handkehrum könne man sich fragen, ob sich vermögende Persönlichkeiten mit der Gründung einer eigenen Stiftung unbedingt ein Denkmal setzen müssen. Auch andere Experten wie Hans-Willy Brockes, Inhaber des Marketing-Netzwerkes ESB, sagen, dass es oft effizienter wäre, die professionellen Strukturen bestehender Hilfswerke oder NGO zu nutzen, anstatt eine eigene Stiftung zu gründen.

Das kam für Stars wie Federer jedoch nie in Frage. Er hatte seine Stiftung schon kurz nach dem ersten Sieg in Wimbledon 2003 ins Leben gerufen. «Roger Federer wollte Verantwortung übernehmen und gestalten. Er steht mit seinem Namen und seinem Engagement für den Inhalt und die Qualität der Stiftung ein», sagt Janine Händel, die Geschäftsführerin der Roger-Federer-Foundation.

Dieses frühe Engagement macht Eindruck. «Stars wie Federer faszinieren mich, weil sie schon als knapp über 20-Jährige mit der Gründung einer Stiftung auch an andere dachten», sagt Uni-Professor Torsten Tomczak. Gerade bei Federer sei das Engagement südlich der Sahara aufgrund der südafrikanischen Herkunft seiner Mutter sehr glaubwürdig. Die vielen Aktionen von Football- und Basketball-Spielern gegen Donald Trump zeigten sehr wohl, dass sich viele Sportler politisch äusserten. «Es gibt aber auch andere als Federer, die lieber nicht anecken und einen Teil des Marktes verlieren wollen.» Hans-Willy Brockes sagt: «Auch wenn solche wohltätigen Aktivitäten dem eigenen Image helfen, zweifle ich nicht daran, dass es die meisten ehrlich meinen und von dem vielen, das sie haben, gerne etwas zurück geben.»

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