Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Wurde Süssli Armeechef, weil er Charme hat? – «Ein Affront gegenüber allen Frauen»

Manche Offiziere glauben, dass Thomas Süssli wegen seines überwältigenden Charmes Armeechef wurde. Ex-Soldatin und Sicherheitspolitikerin Rosmarie Quadranti (BDP) ist fassungslos ob dieser These: «Typisches Denkmuster aus der Machowelt.»
Henry Habegger
Bundesrätin Viola Amherd und der frisch gewählte Chef der Armee, Thomas Süssli (vorne rechts) Anfang September auf dem Weg zu Medienkonferenz. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bundesrätin Viola Amherd und der frisch gewählte Chef der Armee, Thomas Süssli (vorne rechts) Anfang September auf dem Weg zu Medienkonferenz. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Die Zürcher BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti (62) kann es nicht fassen. Sie sagt: «Es ist eine Frechheit. Es ist diskriminierend den Frauen gegenüber, weil man damit zu verstehen gibt, dass sie jemanden nur wegen seines Äusseren wählen. Ein typisches Denkmuster aus der Machowelt, die die Armee halt teilweise immer noch ist.»

Was Quadranti, Sicherheitspolitikerin und ehemalige Sanitätsfahrerin der Schweizer Armee, derart nervt: In den Köpfen einiger Offiziere im und ums Verteidigungsdepartement hat sich eine Vermutung zur Gewissheit verdichtet. Thomas Süssli (52), Divisionär und Aussenseiter, sei Chef der Armee geworden, weil er es gut mit Frauen könne. «Im VBS ist man überzeugt, dass Süssli seinen Charme spielen liess», sagte ein Kenner der Armee-Innereien, ein Lobbyist. Er ist nicht der einzige, der diese These vertritt, sie ist unter Offizieren verbreitet.

Entstanden ist die These, weil mit Divisionär Süssli ein Aussenseiter und Quereinsteiger Armeechef wurde, den die Generalität nicht auf der Rechnung hatte. Im Selektionsverfahren war, und daran ist man sich in Armeebelangen nicht gewohnt, eine Reihe von Frauen beteiligt. Zwei von fünf Mitgliedern in der Findungskommission waren Frauen, und oben im Departement haben zwei entscheidenden Einfluss: Viola Amherd selbst und ihre engste Beraterin, Brigitte Hauser-Süess, ehemalige Präsidentin der CVP-Frauen.

Cyperspezialist statt Luftkämpfer als Armeechef

Die Armee-Insider gingen davon aus, dass Divisionär Claude Meier, der als Kronfavorit galt, oder allenfalls Divisionär Hans-Peter Walser zum Nachfolger des abtretenden Philippe Rebord gekürt werden würde. Aber Amherd und mit ihr der Gesamtbundesrat entschieden anders. Auf den Chefsessel kommt der ehemalige Banker und Cyberspezialist. Das Nachsehen hatten die erfolgsverwöhnten Luftabteilungen der Armee: Die Luftwaffe und die Fliegerabwehr, die zuletzt die meisten Armeechefs stellten.

BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti während der laufenden Herbstsession. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti während der laufenden Herbstsession. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

«Dass Süssli Armeechef geworden sein soll, weil er den Frauen gefällt ist ein Affront gegenüber allen Frauen», sagt Quadranti. Sie hält es für eine billige Ausrede. «Es gibt immer viele schöne Geschichten, die man erfindet, wenn einem jemand nicht passt. Dass man das im 21. Jahrhundert noch hören muss, ist deprimierend. Ich war nie Feministin, aber ob solcher Vorgänge werde ich mehr und mehr zu einer.»

Sicher ist: Es brodelt in der Männerdomäne VBS. Die neue Verteidigungsministerin Viola Amherd setzt bisher etwas durch, was vor ihr kein VBS-Chef so konsequent getan hat: Sie pocht auf das Primat der Politik. Das heisst, dass die Politik entscheidet, wo es mit der Armee hingeht. Und nicht die Generalität, die sich bisher nicht grosse Sorgen zu machen brauchte darüber, wer über ihr Bundesrat war. Oder unter ihr, denn sinnigerweise sitzt die Armeeführung im Bundeshaus ein Stockwerk über dem Bundesrat.

«Nachdenken tut den Offizieren gut»

Amherd baut um. Die ehemalige Soldatin Quadranti sieht darin nur Positives. «Es rumort bei den Offizieren, und das ist gut so. Es bewegt sich etwas», sagt sie. «Auch die Offiziere sollen und werden merken, dass Bewegung gut tut, dass Nachdenken nötig ist, dass sich die Welt verändert. Viola Amherd stösst das an, und wir werden ihr einst sehr dankbar sein dafür, weil sie verkrustetes Denken und alte Strukturen aufbricht. So kann Neues entstehen, das stärkt unsere Armee und unsere Sicherheit.»

Handkehrum ist auch klar: Der neue Armeechef Thomas Süssli muss sich als gute Besetzung erweisen. Sonst heisst es im VBS schnell einmal: Wir haben es immer gesagt. Und: Hätte sie doch nur auf uns gehört.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.