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ZENTRALSCHWEIZ: Mit Dreirad und Bier auf Wählerfang

Vier Kandidaten erzählen, wie sie die Wahl ins nationale Parlament ­schaffen wollen. Wichtig ist der persönliche Kontakt – das Geld ist aber ebenfalls ein Faktor.
Das Objekt der Begierde: 4000 Schweizerinnen und Schweizer wollen bei den kommenden Wahlen den Sprung ins Bundeshaus schaffen. (Bild: EQ / Gonzalo Garcia)

Das Objekt der Begierde: 4000 Schweizerinnen und Schweizer wollen bei den kommenden Wahlen den Sprung ins Bundeshaus schaffen. (Bild: EQ / Gonzalo Garcia)

Lukas Leuzinger

Fast 4000 Schweizerinnen und Schweizer wollen am 18. Oktober ins Parlament in Bern gewählt werden – so viele wie noch nie. Entsprechend hart ist der Konkurrenzkampf. Wer im National- oder Ständerat Einsitz nehmen will, muss aus der Masse herausstechen. Damian Müller versucht es auf drei Rädern: Mit seinem «Müller-Mobil» tourt der Ständeratskandidat der Luzerner FDP jeden Samstag durch den Kanton. So wolle er «spüren, was die Leute bewegt», erklärt er.

Dasselbe Ziel hat auch Adrian Halter. Er will ab der nächsten Legislatur die SVP des Kantons Obwalden in der kleinen Kammer vertreten. «Ich bin jede Woche unter den Leuten und an Veranstaltungen», sagt er, beispielsweise bei «SVP bi de Lüt». Den direkten Kontakt mit potenziellen Wählern sucht auch Alois Gmür. Von Standaktionen hält der Schwyzer CVP-Nationalrat, der sich im Herbst zur Wiederwahl stellt, allerdings wenig. «Ich stehe nicht auf die Strasse und spreche Leute an», erklärt er. Nur schon aus beruflichen Gründen sei er aber oft an Anlässen oder an Stammtischen in Restaurants anzutreffen und komme mit den Leuten in Kontakt.

Telefonanrufe sollen mobilisieren

Seine Ratskollegin Prisca Birrer-Heimo betont ebenfalls, sie pflege den persönlichen Kontakt nicht erst, wenn es auf die Wahlen zugehe. Als Beispiel nennt die Sozialdemokratin, die neben dem National- auch für den Ständerat kandidiert, die Veranstaltungen, die sie nach jeder Session durchführt und an denen sie Interessierten über das Ratsgeschehen berichtet und Red und Antwort steht.

Nichtsdestotrotz macht auch Birrer-Heimo im Wahlkampf Standaktionen. Darüber hinaus setzt die SP auf Telefonwahlkampf: Vor den Wahlen sollen ihre Mitglieder schweizweit 100 000 potenzielle Wähler anrufen und sie an die Urne bewegen. «Der persönliche Kontakt ist die älteste Form des Wahlkampfs», sagt der Wahlkampfexperte Louis Perron. Am wirksamsten sei er in kleinen Kantonen, wo man auf diese Weise schnell eine gewisse Reichweite erreiche. In mittelgrossen Kantonen wie Luzern spielten andere Mittel wie Plakate, Inserate oder eine aktive Medienarbeit eine grössere Rolle.

Eine eigene Webseite gehört ebenfalls zum Standardrepertoire. Andere Mittel stehen nicht allen zur Verfügung: So hat Bierbrauer Alois Gmür für den Wahlkampf kurzerhand die Etiketten seines «Einsiedler Biers» ersetzt – Biertrinker werden nun bei jeder Flasche daran erinnert, dass Gmür gerne Nationalrat bleiben würde. Auf kleine Geschenke setzen auch andere Kandidaten. Prisca Birrer-Heimo versucht die Wähler mit getrockneten Apfelringen zu überzeugen – «ein regionales und saisonales Produkt», wie sie betont. Von ihrem Konkurrenten Damian Müller gibt es Post-it-Zettel.

Internet ist Nebenschauplatz

Auf Sparflamme läuft der Wahlkampf im Internet. Zwar haben die meisten Kandidaten neben ihrer Webseite einen Auftritt auf Facebook. Die Zahl der Leute, die auf «Gefällt mir» klicken, hält sich aber in Grenzen. Damian Müller gehört mit knapp 1500 «Likes» schon zu den Beliebtesten. Er ist auch auf anderen sozialen Medien aktiv, etwa auf Twitter, Instagram und Youtube. Der Wahlkampf im Netz sei aber «im Verhältnis eine Randerscheinung», sagt er.

Prisca Birrer-Heimo lässt ihre Facebook-Seite, die bisher rund 150 Leuten gefällt, von Freunden machen. Sie selbst sei mit sozialen Medien zu wenig vertraut, erklärt die SP-Politikerin. Adrian Halter hat ein Facebook-Profil, das er aber «sehr schlecht bewirtschafte», wie der SVP-Kandidat einräumt. Auf sozialen Medien werde der kleinste Fehltritt missbraucht. «Ich setze lieber auf den persönlichen Kontakt.»

Welchen Kandidaten man auch fragt, etwas bekommt man immer zu hören: Im Wahlkampf müsse man authentisch auftreten. «Man darf sich nicht verleugnen», sagt Adrian Halter. Sich selbst sieht er als «ehrlichen und direkten Politiker, der sich schon immer für Obwalden eingesetzt hat». Prisca Birrer-Heimo tritt im Wahlkampf als glaubwürdige und erfahrene Politikerin auf, die sich für Menschen und Umwelt einsetze und eine Brückenbauerin für Luzern sei, wie sie selbst sagt. Als Brückenbauer präsentiert sich auch Damian Müller. «Bodenständig und lösungsorientiert» sei er. Alois Gmür will, dass ihn die Wähler als «Vertreter des Gewerbes, der aber auch soziale Anliegen im Auge hat», wahrnehmen.

Louis Perron beobachtet eine «Intensivierung des persönlichen Wahlkampfs» in der jüngeren Vergangenheit. «Die Kandidaten betreiben mehr eigenen Wahlkampf als früher.» Das habe mit dazu beigetragen, dass heute mehr Kandidaten relativ früh ins nationale Parlament gewählt werden, ohne eine lange «Ochsentour» durch Ämter auf Gemeinde- und Kantonsebene gemacht zu haben.

Viel Geld aus dem eigenen Sack

Neben Zeit braucht es im Wahlkampf auch eine Stange Geld. Ein Teil des finanziellen Aufwands wird jeweils von der Partei bestritten, die Plakate und Inserate schaltet. Daneben setzen die Kandidaten aber auch eigene Mittel ein. Alois Gmür gibt sein persönliches Wahlkampfbudget mit 30 000 bis 40 000 Franken an. Dieses Geld stamme aus seiner eigenen Tasche.

In grösseren Kantonen ist der Wahlkampf tendenziell teurer. So gibt FDP-Kandidat Damian Müller für sein Ziel, den Kanton Luzern im Ständerat zu vertreten, 80 000 Franken seines eigenen Vermögens aus. Seine Konkurrentin Prisca Birrer-Heimo bäckt etwas kleinere Brötchen: Ihr Budget gibt sie mit 10 000 bis 20 000 Franken an – je nachdem, wie viele Spender sie noch finde.

Keine konkrete Zahl will Adrian Halter nennen. Der Gipser-Unternehmer sagt lediglich: «Der von mir erwartete Mitteleinsatz ist ansehnlich.»

Geld sei ein wichtiger Faktor im Wahlkampf, erklärt Experte Louis Perron. Man dürfe es aber auch nicht überschätzen. «Manche Kandidaten hängen massenhaft Plakate ohne Inhalt auf», sagt Perron. Das nütze wenig. «Es braucht aber sicher gewisse Mittel, um eine breite Wirkung zu erzielen.»

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