Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZIVILDIENST: Bei den Kindern steht er hoch im Kurs

Der Nationalrat stellt sich dagegen, dass Zivildienstleistende vermehrt an Schulen eingesetzt werden. Schade, findet Dimitry Bölsterli, der an einer Tagesschule in Winterthur anpackt.
Eveline Rutz
Ein Zivi betreut Kinder mit Behinderungen in einer heilpädagogischen Schule. Künftig sollen Zivildiensteinsätze auch an regulären Schulen möglich sein. (Bild: pd)

Ein Zivi betreut Kinder mit Behinderungen in einer heilpädagogischen Schule. Künftig sollen Zivildiensteinsätze auch an regulären Schulen möglich sein. (Bild: pd)

Eveline Rutz

«Nicht einfach raten, rechnen», sagt Dimitry Bölsterli zu einem Drittklässler, der seit Minuten darüber brütet, was 16 durch 4 gibt. «Versuch es einmal damit», ermuntert er den Jungen und drückt ihm 16 Farbstifte in die Hand. Das Rezept zeigt Wirkung, der Knopf löst sich.

Bölsterli hilft an diesem Nachmittag fünf Mädchen und drei Buben bei den Hausaufgaben. Geduldig geht er zwischen den Bänken hin und her. Er erklärt, motiviert und kontrolliert. Die meisten Schüler kennt er aus dem Unterricht. Daher weiss er ziemlich genau, wer welchen Schulstoff beherrschen sollte. «Sonst wäre es schwierig», sagt der 19-Jährige, der seit dem letzten Herbst an der Tagesschule Mattenbach in Winterthur Zivildienst leistet.

Bürgerliche sind skeptisch

An Schulen, die behinderte und leistungsschwache Kinder integrieren, ist dies bereits möglich. Geht es nach dem Bundesrat, soll es solche Einsätze künftig ebenso an regulären Schulen geben. Mit 92 zu 84 Stimmen hat sich der Nationalrat kürzlich aber gegen diese Pläne gestellt. Die Lehrerschaft brauche keine Assistenten, befand eine Mehrheit von CVP, FDP und SVP. Für die Zivildienstleistenden gäbe es in den Klassenzimmern gar nicht genügend zu tun.

Dimitry Bölsterlis Arbeitstag beginnt jeweils um 7.45 Uhr. Pro Tag steht er meist in drei Klassen im Einsatz. Regelmässig begleitet er die Kindergartenklasse in den Wald, er hilft im Sportunterricht und ist auf Ausflügen dabei. Er wirkt im regulären Unterricht mit, macht Hausaufgabenhilfe und packt an drei Nachmittagen im Hort an. Um 18 Uhr hat er Feierabend.

Nah an den Schülern

«Er hat immer direkt mit Kindern zu tun», sagt Schulleiter Thomas Peter. Kopieren, Korrigieren oder Vorbereiten stünden nicht in seinem Pflichtenheft. Seine Aufgabe sei es, die Lehrpersonen zu entlasten. «In jeder Klasse hat es Kinder mit Verhaltensschwierigkeiten – da kann er viel bewirken.»

So kümmert sich der Zivildienstleistende etwa um schwächere Schüler und weist jene zurecht, die den Unterricht stören. Zuweilen arbeitet er aber auch mit den besonders Begabten. «Seine Unterstützung ist extrem wertvoll», sagt Primarlehrerin Christina Sollberger. Er könne sich Zeit für einzelne Schüler nehmen und bringe Ruhe in die Klasse. Bei den Kindern stehe er hoch im Kurs. Tatsächlich wird «Herr Bölsterli» freudig gegrüsst, wenn er durch die Gänge geht. Und auch die Frage «wann sind Sie wieder bei uns?» hört er oft.

«Im Umgang mit Menschen lerne ich extrem viel», sagt Dimitry Bölsterli, der vor einem Jahr das Gymnasium abgeschlossen hat. Er profitiere von der Zusammenarbeit im Team und erfahre, wie er auf die Kinder wirke. Dies werde ihm im späteren Berufsleben sicherlich zugutekommen. Dass er Zivildienst machen würde, stand für den Winterthurer nicht von Anfang an fest. An der Aushebung liess er sich zum Panzerfahrer einteilen. Weil zu seinem Wunschzeitpunkt für die Rekrutenschule keine Positionen mehr frei waren und er von der Möglichkeit erfuhr, den Zivildienst an einer Schule zu leisten, entschied er sich allerdings um. Der Einstieg war besonders streng. Er musste sich nicht nur die Namen der rund 200 Primarschülerinnen und -schüler merken, sondern sich auch an die unterschiedlichen Unterrichtsstile der Lehrpersonen gewöhnen. «Sie haben mir von Anfang an viel Vertrauen entgegengebracht», sagt er. So habe er sich rasch eingelebt.

Hat er einen Schoggi-Job, wie es Gegner solcher Einsätze suggerieren? Es sei sicherlich angenehm, dass er zu Hause übernachten und am Abend weiter seinen Hobbys nachgehen könne, räumt Bölsterli ein. Er werde jedoch stark gefordert, habe einen vollen Stundenplan. «Ich war es nicht gewohnt, dauernd präsent zu sein.» Abends sei er ganz schön geschafft. Zudem leiste er viel mehr Diensttage als ein Soldat.

Keine Konkurrenz

«Mit einem Zivi an der Schule ist einfach mehr möglich», sagt der Schulleiter Peter. Würde diese Unterstützung wegfallen, müssten etwa die Eltern stärker einbezogen werden. Für die Lehrpersonen stelle ein Zivi keine Konkurrenz dar. Er helfe beim Unterricht lediglich mit, die Verantwortung trage letztlich stets die Lehrperson.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.