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ZOFF: Intrigen schütteln ACS durch

Der Hauskrach beim Automobil-Club nimmt immer bizarrere Formen an. Mittendrin befindet sich FDP-Vize Christian Wasserfallen. Ihm droht ein Gesichtsverlust.
Roger Braun
Der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen bei einem Fototermin an der Delegiertenversammlung der FDP Schweiz im Januar. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen bei einem Fototermin an der Delegiertenversammlung der FDP Schweiz im Januar. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Roger Braun

Es ist die Schmierenkomödie dieses Sommers. Die Bühne: der vornehme Automobil-Club (ACS). Die Akteure: Präsident Mathias Ammann, Generaldirektor Stefan Holenstein und der Berner Nationalrat und FDP-Vizepräsident Christian Wasserfallen. Der Imageverlust: garantiert.

Der Haussegen beim ACS hängt schon seit Monaten schief. Mehrere Kantonalsektionen fühlen sich von Ammann nicht ernst genommen. Sein Auftreten sei selbstherrlich und autoritär, der Vorstand habe sich von der Basis abgekoppelt, so der Vorwurf. Dass sich Ammann und Holenstein mehr schlecht als recht verstanden, war zudem ein offenes Geheimnis. Als es dieses Jahr auf die (Wieder-)Wahl des Präsidiums zuging, eskalierte die Situation.

Operation Louis XIV

Um Ammann aus dem Amt zu drängen, entwickelten die aufständischen Sektionen unter Führung der Zürcher ACS-Präsidentin Ruth Enzler einen ausgefeilten Plan. Das Codewort der Operation: Louis XIV – in Anlehnung an den französischen Monarchen. Am 9. Mai sollte Sonnenkönig Ammann an der Präsidiumssitzung der Kantonalsektionen fallen. Wie im Drehbuch vorgesehen, äusserten mehrere Sektionspräsidenten harsche Kritik an Ammann. Angriffsfläche bot Ammann nicht nur seines Führungsstils wegen, sondern auch aufgrund seiner Spesenbezüge, die gegenüber seinem Vorgänger deutlich zugenommen hatten. Schliesslich forderten ihn mehrere Sektionen auf, auf eine Wiederwahl zu verzichten.

Zunächst schien der Plan aufzugehen. Ammann versicherte dem Vorstand und den Kantonalsektionen, nicht mehr zu kandidieren. Dann kam es zum Eklat, der die Schlammschlacht innerhalb des ACS erst ins Licht der Öffentlichkeit katapultierte: Am 13. Juni wurde Generaldirektor Holenstein mit sofortiger Wirkung suspendiert. Dieser habe hinter dem Rücken des Vorstands an der Demontage von Ammann mitgewirkt – ein unentschuldbarer Loyalitätsbruch gegenüber seinem Vorgesetzten. Ammann sagt heute, er habe erst Anfang Juni von der Intrige gegen seine Person erfahren, als er per anonymer Post den E-Mail-Verkehr zwischen den Aufständischen zugestellt erhalten habe. Der Vorstand entschied weiter, die Delegiertenversammlung vom 23. Juni zu verschieben, obwohl die Einladungen bereits verschickt worden waren. Zuerst wolle man die Vorgänge innerhalb der Verbandsspitze durchleuchten, so der Vorstand.

Gesperrte Bankkonten

Die Antwort des gegnerischen Lagers liess nicht auf sich warten: Die Versammlung finde sehr wohl statt, liess der Zürcher ACS im Namen der aufrührerischen Sektionen verlauten. Einige Tage später wählten 13 der 19 Sektionen den Berner Nationalrat und FDP-Vizepräsidenten Christian Wasserfallen einstimmig zum neuen Präsidenten. Ausgewechselt wurde auch der gesamte Vorstand mit Ausnahme von Ruth Enzler. Sie hatte die Versammlung geleitet, während Ammann und der Rest der Führungsriege abwesend waren.

Seither gibt es zwei Präsidenten und zwei Vorstände, die für sich in Anspruch nehmen, den Verband zu führen. Dies führt so weit, dass Wasserfallen bei der Berner Kantonalbank eine Kontosperre für die alte Führung erwirkte. Diese wiederum besteht darauf, die Verbandsspitze zu repräsentieren, so wie es auch im Handelsregister festgehalten sei. Begleitet wird der Zwist durch eine Vielzahl von Rechtsstreitigkeiten. Holenstein klagt gegen Ammann, Ammann gegen Holenstein, zwei Sektionspräsidenten gegen Ammann und Ammann gegen Wasserfallen. Die alte Führungsmannschaft hat zudem zusammen mit vier Kantonalsektionen eine Nichtigkeitsklage gegen die Beschlüsse der Delegiertenversammlung eingereicht, was die Fronten weiter verhärtete.

Riskantes Spiel von Wasserfallen

Spätestens seit mit Wasserfallen ein prominenter Bundespolitiker an der Schlammschlacht beteiligt ist, ist die politische Brisanz gegeben. Der 35-Jährige sitzt seit 2007 im Nationalrat und hat sich bei der FDP als wortgewaltiger Debattierer schnell eine starke Stellung erarbeitet. Seit 2012 ist er Vizepräsident der Partei und galt lange als Kronfavorit für Philipp Müllers Nachfolge als Parteipräsident. Schliesslich trat er nicht an – weil er nach erfolgloser Kandidatur für das Fraktionspräsidium Angst hatte, zu verlieren, sagen die einen; weil er in zwei Jahren Berner Regierungsrat werden will, sagen die anderen.

Einig sind sich die Beobachter hingegen bei der Verwunderung über das neuste Manöver Wasserfallens. Wie konnte sich ein profilierter Politiker wie er einem solchen Himmelfahrtskommando anschliessen? Wasserfallen sagt, ihm liege der ACS am Herzen. «Ich wollte nicht zusehen, wie der Verband früher oder später zusammenbricht.» Er stellt nicht in Abrede, dass er über die internen Vorgänge auf dem Laufenden war. Von einer Verschwörung will er aber nichts wissen. «Das ist keine Intrige», sagt er. «Ist es denn verboten, in einem Verband einen anderen Kandidaten aufzustellen, wenn sich der Präsident als ungeeignet erweist?», fragt er. Auf das illoyale Verhalten Holensteins angesprochen, sagt er, dass dies nicht seine Sache sei. Er sei lediglich als künftiger Präsident angefragt worden. Er habe in einer schwierigen Situation helfen wollen. «Mit den internen Vorgängen innerhalb des ACS habe ich nichts zu tun.»

Ammann versteht Eile nicht

Ammann ist enttäuscht von Wasserfallen. Für ihn ist nicht ersichtlich, wieso er die Verschiebung der Delegiertenversammlung nicht akzeptiert habe. «Es ist doch wichtig zu wissen, wer an den Ränkespielen beteiligt war, bevor Präsidium und Vorstand gewählt werden», sagt Ammann. Die Eile, mit der das Wasserfallen-Lager auf die Wahl gedrängt hat, legt für ihn nahe, dass dieses nicht an einer lückenlosen Aufdeckung der Vorgänge interessiert sei.

Wasserfallen widerspricht. Eine seiner ersten Amtshandlungen als Präsident sei die Einsetzung einer externen, unabhängigen Untersuchungskommission gewesen. Die Verschiebung der Versammlung wäre hingegen unverhältnismässig gewesen, sagt er. «Sie hätte den Verband handlungsunfähig gemacht.»

Hurter als weisser Ritter?

Trotz der Querelen soll am 16. September eine weitere (oder je nach Lesart: nochmalige) Delegiertenversammlung stattfinden. Nicht kandidieren wird Ammann, Wasserfallen wird sich hingegen zur «Wiederwahl» stellen, wie er sagt. Als weiterer Kandidat hat sich vergangenes Wochenende der Schaffhauser SVP-Nationalrat Thomas Hurter in Stellung gebracht. Er will dem Verband nach eigenen Worten einen Neuanfang ermöglichen.

Wasserfallen begrüsst die Kandidatur Hurters, zurückziehen will er sich allerdings nicht. Er sieht kein unüberbrückbares Problem darin, dass sich mit der Nichtigkeitsklage mehrere Sektionen gegen ihn gestellt haben. Er sei im Juni einstimmig gewählt worden. «Das zeigt, dass ich den Rückhalt innerhalb des Verbands habe.»

Der kleine Bruder des TCS

Verbandrob. Der Automobil-Club (ACS) ist ein Interessenverband für Automobilisten und wurde 1898 in Genf gegründet. Er engagiert sich politisch für den Individualverkehr und bietet Produkte wie zum Beispiel einen Pannendienst für Autofahrer an. Der ACS hat knapp 110 000 Mitglieder und besteht aus 19 kantonalen Sektionen. Die grösste Sektion ist jene aus Zürich. Im Vergleich zum Touring Club Schweiz (TCS) mit knapp 1,6 Millionen Mitgliedern hat er deutlich weniger politisches Gewicht.

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