Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZOLLKONTINGENTE: Agrarzölle schaden Konsumenten

Schweizer Konsumenten zahlen wegen des Grenzschutzes höhere Preise für Gemüse, Früchte und Fleisch. Nun zeigt eine Studie: Davon profitieren neben den Bauern vor allem Gross- und Detailhändler.
Maja Briner
Auch Äpfel werden importiert, um das ganze Jahr Auswahl zu bieten. Bild: Reto Martin (Güttingen, 9. Oktober 2015)

Auch Äpfel werden importiert, um das ganze Jahr Auswahl zu bieten. Bild: Reto Martin (Güttingen, 9. Oktober 2015)

Maja Briner

Es geht um Äpfel und Kartoffeln, Tomaten und Erdbeeren, Rind- und Schweinefleisch. Anhand dieser sechs Produkte hat ein Forscherteam im Auftrag des Bundes die Zollkontingente untersucht, mit denen die Schweiz den Import regelt. Das Fazit der 175-seitigen Studie ist wenig schmeichelhaft: Das System erreiche die politischen Ziele zwar teilweise, sei aber «eindeutig ineffizient». Das ist starker ­Tobak, denn die Zollkontingente sind laut dem Bund das wichtigste Instrument des Agrargrenzschutzes. Sie steuern, wie viel ­Gemüse, Früchte und Fleisch ­Importeure zu welchem Zolltarif einführen dürfen.

Die Agrarzölle führen zu höheren Preisen für die Konsumenten, nützen sollen sie den Schweizer Bauern. Die Studie, welche der Bund kürzlich unbemerkt von der Öffentlichkeit ins Internet stellte, zeigt jedoch: Die hiesigen Produzenten profitieren davon nur teilweise. «Nutzniesser sind die nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette», fasst das Bundesamt für Landwirtschaft ein Resultat der Studie zusammen. Konkret sind laut den Forschern insbesondere Gross- und Detailhandel die «Nutzniesser». Diese Akteure haben demnach die besseren Karten in der Hand, wenn es um die Verteilung des ­finanziellen Vorteils aus der Kontingentierung geht.

Grund dafür sei unter anderem die Dominanz der führenden Detailhandelsfirmen, heisst es in der Studie, die von der italienischen Forschungs- und Beratungsfirma Areté erstellt wurde. Mit anderen Worten: Weil Produzenten oft auf die grossen Akteure wie Migros und Coop angewiesen sind, sitzen sie am kürzeren Hebel. Die Studie kritisiert zudem, das Zollkontingentsystem sei sehr komplex und senke wahrscheinlich die Anreize für Wettbewerb zusätzlich.

Bauern sehen Problem in Marktstrukturen

Dennoch stellt sich der Bauernverband hinter das heutige System. Martin Rufer, Leiter Produktion, Märkte und Ökologie, sagt zwar: «Wir sind auch der Meinung, dass von den Ausgaben der Konsumenten zu wenig bis zur Landwirtschaft kommt.» Das aber sei sicherlich nicht ein Problem der Zollkontingente, sondern der Marktstrukturen.

Die Zollkontingente verteidigt Rufer: «Sie führen zu mehr Preisstabilität, was für die Landwirte sehr wichtig ist.» Das System ermögliche es, die Importe so zu steuern, dass der Markt nicht durch «Billigstware» überschwemmt werde. Tatsächlich wird dieses Ziel laut der Studie erreicht: Importe werden wie ­gewünscht nur dann zugelassen, wenn die inländische Produktion nicht ausreicht.

Was sagen Migros und Coop – laut der Analyse zwei der Nutzniesser des Systems – zum Befund der Studie? Coop teilt mit, man habe die Studie noch nicht im Detail geprüft und könne deshalb keine Einschätzung zu den Resultaten abgeben.

Die Migros weist darauf hin, dass sie sich dagegen gewehrt habe, dass die Inlandleistung als zusätzliches Zuteilungskriterium bei den Zollkontingenten wiedereingeführt wird. Es sei erwiesen, dass dadurch finanzielle Vorteile «auf verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette» entstehen könnten. Nach Ansicht der ­Migros müsste der Agrarschutz als Ganzes überdacht werden: Dieser werde früher oder später unter Druck kommen, etwa durch die Welthandelsorganisation (WTO). «Es wäre gut, sich rechtzeitig mit dem Abbau ausein­anderzusetzen», so Sprecherin Monika Weibel.

Vage Vorschläge zur Verbesserung

Die knapp 143000 Franken teure Studie widmet sich nur kurz dem Blick in die Zukunft. Geringfügige Verbesserungen wären unter anderem durch eine «Vereinfachung des gesamten Systems» möglich, heisst es unter anderem. Um dieses substanziell zu verbessern, bräuchte es jedoch «tiefergreifende Änderungen». Wie diese konkret aussehen könnten, lassen die Studienautoren offen.

Laut dem Bundesamt für Landwirtschaft war es nicht das Ziel der Studie, ein besseres System zu erarbeiten. «Es ging darum, zu verstehen, wie das System in Realität wirkt», sagt Giulia Listorti. Die Studie sei im Rahmen der regelmässigen Evaluationen entstanden, die der Bund von Gesetzes wegen mache; es gebe derzeit kein Gesetzesprojekt dazu, sagt Listorti: «Wir werden die ­Resultate aber selbstverständlich berücksichtigen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.