ZÜRICH: Blatter spricht von «Schande und Beschämung»

Einen Tag nach der Verhaftung von sieben FIFA-Spitzenfunktionären und der Durchsuchung des FIFA-Hauptsitzes in Zürich hat FIFA-Präsident Joseph Blatter am späten Donnerstagnachmittag den 65. FIFA-Kongress in Zürich-Oerlikon regulär eröffnet: Blatter sprach von «Schande und Beschämung» für den Fussball.

Drucken
Teilen
Sepp Blatter am Donnerstag am Kongress. (Bild: Walter Bieri / Keystone via AP)

Sepp Blatter am Donnerstag am Kongress. (Bild: Walter Bieri / Keystone via AP)

«Sie werden mir zustimmen, dass dies beispiellose und schwierige Zeiten für die FIFA sind», so eröffnete der Walliser am Donnerstag den Kongress. Blatter wird am Freitag mit grösster Wahrscheinlichkeit von den 209 Vertretern der nationalen Verbände als FIFA-Präsident bestätigt.

Wie erwartet vertrat Blatter auch zum Kongressbeginn im Theater 11 in Zürich-Oerlikon die Meinung, dass der Fussball im Allgemeinen und die FIFA im Speziellen durch die Bestechlichkeit einzelner Funktionäre zu Schaden kommt. Die Festnahmen vom Mittwoch in Zürich sind für ihn ein individuelles Problem. «Ich werde nicht erlauben, dass einige wenige die harte Arbeit der Mehrheit, die so hart für den Fussball arbeitet, zerstören.»

Die nächsten Monate würden nicht einfach für die FIFA, so Blatter. «Ich bin sicher, dass weitere schlechte Nachrichten folgen werden.» Er bekräftigte aber nochmals, dass die Vorkommnisse vom Mittwoch und der Korruptionsverdacht gegen 14 Personen auch seine gute Seite hat. «Wir haben nun die Chance, einen langen und schwierigen Weg zu bestreiten, um Vertrauen wiederzugewinnen», erklärte Blatter.

Rückendeckung erhält Blatter durch Bundesrat Ueli Maurer, der trotz Korruptionsskandal dem FIFA-Kongress wie geplant als offizieller Repräsentant der Schweizer Regierung beiwohnen wird. «Es geht nicht an, Joseph Blatter nun zum Sündenbock zu stempeln. Man darf nicht vergessen, dass er Hervorragendes für den Fussball geleistet hat, nicht zuletzt mit Blick auf seine Initiativen zugunsten der Jugendlichen weltweit», sagte Maurer anlässlich eines Podiumsgesprächs in Luzern.

Doch Maurer hob auch den Mahnfinger: «Die FIFA ist nicht glaubwürdig, der Verband ist aus der Balance geraten. Der Druck für Reformen wird zunehmen und diese Reformen müssen auf allen Ebenen greifen.» Die Strukturen müssten verändert werden, so Maurer.

sda

Für die Öffentlichkeit begann die Justiz-Aktion so: Eine Person mit Geleitschutz wird in einen wartenden Wagen geführt. Das Bild stammt von einem Handyvideo vom Mittwoch und wurde am Seiteneingang des Hotels Baur au Lac aufgenommen. (Bild: AP Photo / Rob Harris)
20 Bilder
Grosser Medienrummel vor dem Hotel in Zürich: Ausgewählte amerikanische Medien waren im Voraus über die Verhaftung informiert worden. (Bild: Ennio Leanza / Keystone via AP)
Ein Journalist arbeitet vor dem Fünfstern-Hotel  Baur au Lac in Zürich. (Bild: EPA)
Verhaftet: Jeffrey Webb (Cayman Islands), Fifa-Vizepräsident und Präsident der Nord- und Zentralamerikanischen Konföderation Concacaf. (Bild: EPA)
Verhaftet: Eugenio Figueredo (Uruguay), Fifa-Vizepräsident und Vizepräsident der südamerikanischen Konföderation Conmebol. (Bild: AP Photo / Alan Diaz)
Verhaftet: Eduardo Li in San Jose, Verbandspräsident von Costa Rica. (Bild: EPA/Jeffrey Arguedas)
Verhaftet: Julio Rocha (Nicaragua), ehemaliger Präsident des nicaraguanischen Fussballverbandes. (Bild: EPA / Alejandro Ernesto)
Verhaftet: Rafael Esquivel (Venezuela), Präsident des venezolanischen Fussball-Verbandes. (Bild: EPA / Miguel Gutierrez)
Verhaftet: José Maria Marin Präsident des brasilianischen Fussballverbandes. (Bild: EQ Images / Armando Paiva/Fotoarena)
Verhaftet: Costas Takkas (Grossbritannien), Attaché des ehemaligen Concaf-Präsidenten Jack Warner. (Bild: www.olympia.gr)
Frei gegen Kaution: Jack Warner, ehemaliger Fifa-Vize und ehemaliger Präsident der Nord- und Zentralamerikanischen Konföderation Concacaf. Er stellte sich freiwillig und zahlte eine Kaution von 2,5 Millinen Dollar, um bis zur Gerichtsverhandlung auf freiem Fuss zu bleiben. (Bild: EPA / ALva Viarruel)
FIFA-Präsident Sepp Blatter: Ihm müssen die Vorgänge zu denken geben. (Bild: AP Photo / Tsafrir Abayov)
Hier laufen die Fäden der Untersuchungen wegen Korruption zusammen: Bei Generalstaatsanwältin Loretta E. Lynch (von rechts) und Bundesanwalt Evan Norris, hier mit einem Vertreter der Untersuchungsbehörden während der Pressekonferenz in New York. (Bild: EPA / Justine Lane)
In Miami Beach tragen Bundesbeamte Aktenboxen aus dem Sitz der Nord- und Zentralamerikanischen Konföderation Concacaf. (Bild: AP Photo / Wilfredo Lee)
Währenddessen am Mittwoch in Zürich: FIFA-Vizepräsident Issa Hayatou aus Kamerun (dritter von rechts) schaut auf sein Telefon ausserhalb des Hotels. (Bild: AP Photo / Graham Dunbar)
Anlässlich der Verhaftungen wurde am FIFA-Hauptquartier in Zürich eine Pressekonferenz einberufen. (Bild: Ennio Leanza / Keystone)
Der Schauplatz der Verhaftungen... (Bild: Ennio Leanza / Keystone via AP)
... das Hotel Baur du Lac in Zürich. (Bild: Ennio Leanza / Keystone via AP)
Im Zusammenhang mit dem Verfahren, das wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des Verdachts der Geldwäscherei geführt wird, sind am Hauptsitz der FIFA in Zürich elektronische Daten und Dokumente sichergestellt worden. (Bild: Ennio Leanza / Keystone)
Hier residiert ein – gemeinnütziges – Unternehmen mit Milliardenumsätzen: Der Hauptsitzt der Fifa. (Bild: Ennio Leanza / Keystone via AP)

Für die Öffentlichkeit begann die Justiz-Aktion so: Eine Person mit Geleitschutz wird in einen wartenden Wagen geführt. Das Bild stammt von einem Handyvideo vom Mittwoch und wurde am Seiteneingang des Hotels Baur au Lac aufgenommen. (Bild: AP Photo / Rob Harris)