Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZÜRICH: Die Migros investiert in die Gesundheit

Der Detailhändler kauft der Swica ihre 22 Gesundheitszentren ab. Damit wird die Migros zum grössten Anbieter in der Hausarztmedizin.
Gemeinschaftspraxen in Gesundheitszentren sind ein Trend im Gesundheitswesen. Die Migros will dabei ein stärkere Rolle einnehmen. (Symbolbild Getty)

Gemeinschaftspraxen in Gesundheitszentren sind ein Trend im Gesundheitswesen. Die Migros will dabei ein stärkere Rolle einnehmen. (Symbolbild Getty)

Roger Braun und Kaspar Enz

Darüber spekuliert wird in der Branche schon seit längerem. Nun soll der Deal kurz vor der Bekanntgabe stehen: Die Migros beabsichtigt, via ihr Gesundheitsunternehmen Medbase die 22 Santémed-Gesundheitszentren der Krankenkasse Swica zu übernehmen. Dies bestätigen mehrere gut unterrichtete Quellen gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag». Damit führt die Migros die beiden grössten Anbieter von Gemeinschaftspraxen in der Schweiz, Medbase und Santémed, unter ihrem Dach zusammen und wird landesweit die Nummer 1 in der Hausarztmedizin.

Die Migros hatte 2010 eine Aktienmehrheit an der Medbase AG übernommen. Bis Ende 2014 baute die Migros ihren Anteil auf 70 Prozent aus und führte sie auf Expansionskurs: Aus zehn Standorten wurden 17 ärztliche Gesundheitszentren mit Leistungen aus Grund- und Zusatzversicherung. Diese sind zumeist an ein Migros-Fitnesszentrum angegliedert. Laut Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte des Internet-Vergleichsdienstes Comparis, kursierten in der Branche schon länger Gerüchte über die Übernahmegelüste der Migros. Er findet den Verkauf grundsätzlich nicht schlecht: «Die Tendenz zu grösseren Einheiten im Bereich der Arztpraxen ist angesichts zunehmender Teilzeitarbeit und immer teurerer Technologie richtig.»

Interessenkonflikt bei Swica

Der Hausarzt, der seine Praxis führt und sich um seine angestammten Patienten kümmert, scheint ein Auslaufmodell zu werden. Stattdessen ist der Grundversorger immer häufiger ein Angestellter in einer Gemeinschaftspraxis. Wichtige Akteure auf dem Markt für Gruppenpraxen sind die Krankenversicherer: Swica hat durch die Santémed-Praxen mit 22 Standorten das grösste Netz. Gleich an drei Unternehmen ist die Concordia beteiligt: Monvia, Sanacare und das Gesundheitszentrum Zentralschweiz.

Dass die Migros sich für eine Expansion ins Gesundheitswesen und die entsprechenden demografischen Gruppen interessiert, sei strategisch nachvollziehbar, sagt Felix Schneuwly. Vermutlich wolle das Unternehmen vor allem auch Know-how einkaufen. Die Migros beabsichtige seit Jahren, im grossen Stil ins Gesundheitswesen vorzudringen. Den Interessenkonflikt, der entsteht, wenn eine Krankenkasse wie Swica eigene Arztpraxen führt, hat der Experte schon immer kritisiert. «Eine Krankenkasse, die die Kosten tief halten muss, sollte keine eigenen, umsatzorientierten Praxen führen. Das Gleiche gilt für Kantone und ihre Spitäler.» Vermutlich sei das damit verbundene Imagerisiko auch einer der Gründe, dass die Swica die Santémed-Praxen abzustossen gedenke, sagt Felix Schneuwly.

Den Gesundheitsökonomen Willy ­Oggier überrascht die Übernahme nicht. «Swica war als Besitzerin von Gemeinschaftspraxen von Beginn weg im Gegenwind der Ärzteschaft.» Frei praktizierende Ärzte hätten sich seit langem beklagt, nicht auf die Ärzteliste der Swica zu gelangen, weil diese ihre Mediziner in den Gesundheitszentren bevorteile. Oggier begrüsst die Entflechtung zwischen Krankenkassen und Gemeinschaftspraxen. Er sieht vor allem historische Gründe, wieso Swica noch immer im Besitz der Gesundheitszentren ist. Betriebswirtschaftlich sinnvoll sei das nicht, denn Krankenkassen seien keine Leistungserbringer. Oggier empfiehlt den Kassen, sich auf ihr Kerngeschäft – die Kontrolle und die Entwicklung attraktiver Prämienmodelle – zu konzentrieren. «Schuster, bleib bei deinen Leisten», sagt der Gesundheitsökonom an die Adresse der Krankenversicherer. Er geht davon aus, dass sich auch andere Krankenkassen langfristig aus dem Markt der Gesundheitspraxen verabschieden werden.

Synergien, Konzentrationsprozess

Im Gegenzug erachtet es Willy Oggier als sinnvoll, dass Detailhändler wie die Migros stärker in den Gesundheitsmarkt drängen. Prävention werde immer wichtiger, wenn es um die Gesundheit gehe, und da verfüge die Migros über ein starkes Standbein. Offensichtlich ist der Zusammenhang mit den Wellness- und Fitnesszentren der Migros. Oggier sieht aber auch bei den Nahrungsmitteln respektive den Nahrungsergänzungsmitteln Potenzial. «Die Überzeugung, dass gesunde Ernährung und viel Bewegung eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden haben, setzt sich immer mehr durch.»

Willy Oggier erwartet in den nächsten Jahren einen Konzentrationsprozess in der Gesundheitsbranche. Es werde zunehmend Anbieter geben, die mehrere Gemeinschaftspraxen betreiben, ist er überzeugt. «Damit dürften auch die Kosten sinken», sagt er. Gesundheitsökonom Willy Oggier sieht Synergien gleich in mehreren Bereichen: bei der Buchhaltung, beim Marketing, beim Personal oder beim Einkauf von Medizinalgeräten und Medikamenten. «Zudem dürften die Praxen auch besser gemanagt sein, wenn künftig Profis am Werk sein werden», sagt Willy Oggier.

Weder die Swica noch der Migros- Genossenschaftsbund wollen die Übernahme kommentieren. Man nehme zu Gerüchten keine Stellung, hiess es auf Anfrage der «Zentralschweiz am Sonntag» bei beiden Medienstellen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.