ZÜRICH: Flughäfen verstärken Sicherheitsmassnahmen

Nach den Explosionen auf dem Flughafen Zaventem in Brüssel haben andere Flughäfen in europäischen Städten ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Doch auch in internationalen Zügen und an den Schweizer Grenzen werden die Kontrollen erhöht.

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In Zürich erhöhte die Kantonspolizei ihre Präsenz am Flughafen. (Bild: EPA / Ennio Leanza)

In Zürich erhöhte die Kantonspolizei ihre Präsenz am Flughafen. (Bild: EPA / Ennio Leanza)

Die Fassade der Empfangshalle am Brüsseler Flughafen Zaventem ist völlig in Brüche gegangen. (Bild: AP / Peter Dejong)
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Die Zerstörung im Flughafen von Brüssel zeigt die Wucht der Bombenexplosionen. (Bild: Twitter)
Zwei verwundete Frauen, Opfer der Bomben am Flughafen. (Bild: Ketevan Kardava/ via AP)
Wuchtige Explosionen: Das Bild zeigt im Hintergrund die völlig zerborstene Empfangshalle des Flughafens Zaventem. (Bild: EPA/OLIVIER HOSLET)
Unter Schock: Airline-Angestellte, nachdem sie sich in Sicherheit gebracht haben. (Bild: EPA/OLIVIER HOSLE)
Angestellte verlassen das Flughafenareal. (Bild: EPA/OLIVIER HOSLET)
Das Entsetzen steht zwei Swissport-Mitarbeiterinnen ins Gesicht geschrieben. (Bild: Ap Foto / Geert Vanden Wijngaert)
Ein Sicherheitsmann weist den Weg. (Bild: OLIVIER HOSLET)
Zu einer weiteren Explosion kam es in der U-Bahn Maelbeek. Auch hier waren Tote und Verletzte zu beklagen. (Bild: EPA / Francesco Calledda)
Dieser U-Bahn-Wagen wurde für viele zur Todesfalle. (Bild: Twitter @alxdm)
Passagiere verlassen die U-Bahn bei der Station Schuman. (Bild: Twitter @evanlamos)
Nach der Explosion an der Metrostation Maelbeek im Zentrum von Brüssel: Sanitäter kümmern sich an der betroffenen Metrostation um eine verletzte Person. (Bild: APTN via AP)
Ein Mann trauert um Opfer des Terroranschlags. (Bild: AP Photo / Geert Vanden Wijngaert)
Auf dem Platz vor der Börse in Brüssel schreiben zwei Frauen ihre Botschaft der Solidarität. (Bild: AP Photo / Geert Vanden Wijngaert)
Die Anteilnahme ist sehr gross. (Bild: CHRISTOPHE PETIT TESSON)

Die Fassade der Empfangshalle am Brüsseler Flughafen Zaventem ist völlig in Brüche gegangen. (Bild: AP / Peter Dejong)

Am Nachmittag hat sich gemäss einer Mitteilung die Kerngruppe Sicherheit des Bundes zusammengesetzt, was «keine ausserordentliche Massnahme» mehr sei, wie NDB-Chef Markus Seiler zitiert wird. Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) bringt in Erinnerung, dass die Lage laufend analysiert werde und dass die Bedrohungslage seit den Anschlägen in Paris im November 2015 unverändert erhöht sei.
 
Die Kerngruppe Sicherheit ist ein sicherheitspolitisches Gremium, eingesetzt durch den Bundesrat. Sie besteht aus dem Staatssekretär des Aussendepartements (EDA), dem NDB-Direktor und der fedpol-Chefin (Bundesamt für Polizei).
 
Gemäss der Mitteilung wurden die Sicherheitsmassnahmen nicht nur an den Flughäfen, sondern auch in internationalen Zügen und an den Grenzen verschärft.
 
Auch die Kantonspolizeien überprüfen laufend die Sicherheitslage im jeweiligen Kanton. Zudem stehen sie in engem Kontakt mit anderen Polizeikorps und dem Bund. In Genf wurde die Polizeipräsenz zudem an verschiedenen Orten in der Stadt erhöht, insbesondere rund um Gebäude der UNO, am Bahnhof oder an anderen Orten, wo sich viele Menschen aufhalten.
 
Die Genfer Polizei hatte bereits nach den Attentaten von Paris die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt und die Alarmstufe erhöht.
 
Auch die Kantonspolizei Bern verfolgt die Ereignisse in Brüssel intensiv, wie sie auf Anfrage mitteilte. Vor dem Hintergrund der Ereignisse in der jüngsten Vergangenheit sei die Polizei bereits seit geraumer Zeit wachsam, hiess es.

Massnahmen in ganz Europa

Auch anderswo wurden die Sicherheitsmassnahmen verstärkt: Am EuroAirport Basel wurden nach den Anschlägen in Brüssel die polizeiliche und militärische Präsenz im öffentlichen Bereich, wie dem Flughafengebäude, den Parkplätzen und den Zufahrten, nochmals erhöht, wie eine Sprecherin auf Anfrage erklärte. Aufgrund des Ausnahmezustandes in Frankreich nach den Attentaten vom November in Paris seien die Sicherheitsmassnahmen bereits hoch gewesen.
 
Auf dem Berliner Flughafen Tegel blieb die Besucherterrasse nach den Anschlägen geschlossen. Im Flughafen Frankfurt waren die Sicherheitsmassnahmen auf der höchsten Stufe, wie es hiess.
 
Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen gab es auf dem Flughafen Gatwick in London sowie dem Pariser Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle und den Bahnhöfen in der französischen Hauptstadt. Aus Brüssel kommende Züge sollten besonders kontrolliert werden, hiess es in einer Mitteilung.
 
Auch in den Niederlanden wurden die Sicherheitsvorkehrungen auf allen Flughäfen verstärkt. Zudem wurden vorübergehend Kontrollen an der Grenze zu Belgien eingeführt, wie das Ministerium für Inneres und Sicherheit mitteilte. In Österreich wurde die Polizeipräsenz im gesamten öffentlichen Raum verstärkt.

Swiss-Flüge abgesagt

Am Flughafen Zürich lief der Betrieb nach den Anschlägen vorerst normal, wie eine Sprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Polizei sei ohnehin präsent, das Sicherheitsdispositiv werde laufend überprüft. Für Passagiere und Besucher gebe es aber keine Auflagen.
 
Ein Morgenflug der Swiss musste am Dienstag in Düsseldorf landen. Alle anderen Flüge nach Brüssel wurden abgesagt. Ausfallen werden auch sämtliche Flüge vom (morgigen) Mittwoch und der erste Morgenflug von Brüssel nach Zürich am Donnerstag, wie die Swiss am Dienstagabend meldete. Betroffen sind insgesamt rund 1500 Passagiere.
 
Swiss bietet für vor dem Anschlag gebuchte Flüge nach Brüssel eine Gratis-Umbuchung an. Das gilt vorläufig für Flüge bis zum 28. März. Reisende können ihre Flüge vom selben Abflugort und zur derselben Destination Brüssel entweder verschieben oder auf die Reise verzichten und sich den Ticketpreis zurückerstatten lassen.
 
Auch in Basel verlief der Flugbetrieb normal. Insgesamt mussten am Dienstag fünf Flüge annulliert werden. Betroffen waren rund 300 Passagiere. Und «bis auf weiteres» seien alle Flüge von und nach Brüssel gestrichen, erklärte die Flughafensprecherin.

Bahnverkehr eingeschränkt

Auch der Bahnverkehr nach Belgien ist eingeschränkt. Zwar fahren die geplanten Züge los, da sie unterwegs noch andere Stationen bedienen. Doch wie weit sie kommen, ist nicht klar, wie es bei der SBB auf Anfrage hiess. Gemäss der Bahnverkehrsinformation ist mit Verspätungen und Zugausfällen in Belgien zu rechnen.
 
Auch die Deutsche Bahn unterbrach ihren Fernverkehr in die belgische Hauptstadt. Bis zum Mittwoch betroffen seien die drei ICE-Verbindungen von Köln über Aachen nach Brüssel und zurück, sagte eine Unternehmenssprecherin. Ob die Züge am Donnerstag wieder planmässig fahren, soll am Mittwoch entschieden werden.
 
In Belgien war am späten Dienstagvormittag auch der Verkehr mit den internationalen Thalys-Schnellzügen eingestellt worden. Für den Dienstagabend kündigte das Unternehmen indes wieder zwei Verbindungen zwischen Paris und Brüssel und zurück an.
 

Schweizer Reiseveranstalter haben derzeit keine Kunden in Brüssel

Schweizer Reiseveranstalter haben am Dienstag keine Kunden in Brüssel gehabt. Dass etliche Umsteigepassagiere aus der Schweiz von der Schliessung des Flughafens betroffen sein dürften, nahmen sie aber an. Der Flughafen Zaventem ist ein wichtiges Drehkreuz für den Afrikaverkehr.

Von Kuoni waren am Dienstag keine Gäste direkt in Brüssel, wie Sprecher Marcel Schlatter am Dienstagnachmittag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Auch bei der Kuoni-Städtereisetochter Railtour war niemand gemeldet.

Etliche Fluggäste dürften aber betroffen sein, fuhr Schlatter fort. Brüssel sei ein wichtiges Drehkreuz nach und von Afrika. Da seien nun die entsprechenden Airlines gefordert, wie sie eventuell Hängengebliebene weiterbefördern.

Die nächsten Reisenden direkt nach Brüssel sind bei Kuoni für Ostern gebucht. Bei ihnen liefen Abklärungen, sagte Schlatter. Railtour stellte bereits Kontakte zu den entsprechenden Kunden her. Kuoni versicherte, das Unternehmen werde sich wie immer in solchen Fällen kulant zeigen.

Auch bei der Migros-Reisetochter Hotelplan waren keine Kunden in Brüssel, wie Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir sagte. Das Unternehmen bietet Hotelbuchungen, Reisen und Kombipakete für die belgische Hauptstadt an. Über Ostern haben den Angaben gemäss 20 Kunden Brüssel gebucht. Ob sie annullieren oder die Reise antreten, konnte Huguenin-dit-Lenoir am Dienstagnachmittag nicht sagen.

Tui Suisse gab ebenfalls Entwarnung, was Gäste in Brüssel betraf. Die nächsten Kunden hätten Reisen Ende März gebucht, sagte Caroline Hallenbarter, die Assistentin des Geschäftsführers. Über Umsteigepassagiere konnte sie nichts sagen. Um diese kümmerten sich die entsprechenden Fluggesellschaften.

sda